20.10.2019 - 17:02 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Flöte bei Sulzbacher Hofmusiktagen im Blickpunkt

Michael Kämmle und Andreas Fischer begeistern mit ihrem Konzert in der Nikolauskapelle. Sie rücken dabei die Zeit um 1820 mit Querflöte und Gitarre bei den Sulzbacher Hofmusiktagen in den Mittelpunkt.

Flötist Michael Kämmle, Sprecherin Felicitas Groth und Gitarrist Andreas Fischer (von links) verzauberten die Zuhörer mit romantischer Musik und Dichtung.
von Autor COGProfil

Die Zeit um 1820 war eine Epoche des Umbruchs. Politisch musste sich Europa nach der französischen Revolution und den napoleonischen Wirren neu sortieren. Die Menschen zogen sich in die biedermeierliche Innigkeit zurück. Zugleich setzte die industrielle Revolution ein und weckte in den Menschen die Sehnsucht nach der "guten, alten Zeit", nach Natur und überschaubarer Harmonie. Entsprechend veränderten sich nicht nur die Dichtung und die Musik, sondern auch die Musikinstrumente.

Das konnten die Musikliebhaber bei einem wunderbaren Konzert erleben. Flötist Michael Kämmle und Gitarrist Andreas Fischer präsentierten in der Nikolauskapelle im Schloss "Romantische Sehnsucht in Musik und Literatur um 1820". In den Gedichten, die Kämmle ausgewählt hatte, stand immer die Flöte mit ihrem lieblichen, gefühlvollen Klang im Mittelpunkt. Felicitas Groth trug die Texte ausdrucksvoll und klar vor. So erweckte sie die Worte von Dichtern wie Clemens Brentano, Joseph von Eichendorff und Ludwig Uhland zum Leben.

Um einen wirklich authentischen Höreindruck zu erreichen, hatte Kämmle besondere Flöten aus der Entstehungszeit der Kompositionen mitgebracht. Er spielte auf einer originalen Flöte von 1825 und auf dem Nachbau eines Instruments von 1810. Sie unterschieden sich grundlegend von den modernen Querflöten. Nicht nur die Klappenmechanik und dementsprechend die Spielweise ist anders, auch der Klang ist nicht gleich. Die alten Flöten ermöglichen unterschiedliche Klangfarben, weil es für alle Töne mehrere Griffalternativen gibt, die sich in Nuancen unterscheiden. Zugleich stellen die Instrumente aber auch hohe Anforderungen an die Spieler. Deutlich wurde das bei Friedrich Kuhlaus "Fantaisie pour Flûte seule". Hier ging Kämmle höchst virtuos bis an die technischen Grenzen seiner Flöte.

Bestens ergänzt

Diese wunderbare Farbigkeit des Flötenklangs konnten die Zuhörer auch im Duett mit Fischers Gitarre genießen. Vollendet schön war Conradin Kreutzers "Seliger Tod". Sehnsüchtig klagte die Flöte, üppig, weich und voll von der Gitarre umschmeichelt. Die so unterschiedlichen Instrumente machten aus Melancholie und Gedankentiefe Musik und ergänzten sich in beglückender Weise.

Ganz anders war die "Sérénade pour Flûte & Guitarre" von Joseph Küffner. Hier tanzte die Flöte in himmelblauer Heiterkeit, sie schwebte luftig-leicht, während die Gitarre mit ihrem körperlicheren, fast erdigen Klang einerseits die Entrücktheit der Flöte unterstrich, ihr aber zugleich den Boden bereitete. Ein außergewöhnliches, berückend schönes Konzerterlebnis.

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