02.10.2018 - 17:13 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Fraunhofer in Tunesien

Arbeitsplätze wachsen aus Rohstoffen, die Umwelt wird entlastet: Eine Modellregion für Abfallwirtschaft entsteht in Tunesien. Dahinter steckt Fraunhofer-Umsicht Sulzbach-Rosenberg. Oberpfälzer Know-how hilft der dortigen Regierung.

In Tunesien steckt die Abfallwirtschaft noch in den Kinderschuhen, Umweltverschmutzung ist die Folge. Dagegen will Fraunhofer-Umsicht etwas tun.

In dem Projekt, das Fraunhofer-Umsicht Sulzbach-Rosenberg mit verschiedenen Partnern bearbeitet, wird in Afrika auch ein Wertstoffzentrum entstehen zur Erfassung werthaltiger Abfallmaterialien etwa in Elektroaltgeräten. Damit soll die wilde Deponierung von Abfällen verringert werden. Zudem könnten Arbeitsplätze geschaffen und aufbereitete Rohstoffe wieder vermarktet werden. Über die Bayerische Staatskanzlei fördert der Freistaat das Projekt.

Die tunesische Regierung plant, die Abfallwirtschaft im Land zu verbessern. Neben positiven Effekten für die Gesundheit der Bevölkerung, Umwelt und Tourismus erhofft sich das Land neue Arbeitsplätze direkt in der Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft, aber auch in angrenzenden Branchen wie dem Maschinenbau.

Zur Unterstützung der Pläne will Fraunhofer-Umsicht gemeinsam mit seinen Partnern die tunesischen Behörden durch die Entwicklung einer Modellregion unterstützen. Für diese sollen dann Strategien zur Sammlung, Trennung, Behandlung und Verwertung von Abfall entwickelt werden.

"Zudem wird ein bilateraler Dialog zwischen tunesischen und europäischen Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Politik den dafür notwendigen Wissenstransfer sicherstellen", erläuterten im Pressegespräch Marketing-Chef Frederik Betsch und Katharina Reh, die als Gruppenleiterin für Abfall- und Ressourcenstrategien im Sulzbach-Rosenberger Umsicht-Institutsteil tätig ist. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Peter Degener leitet sie das Projekt. Das Wissen über die unterschiedlichen Lösungsansätze zur Abfall- und Ressourcenwirtschaft in der Region wird über ein Netzwerk gebündelt und zugänglich gemacht.

Ein Hauptproblem der tunesischen Abfallwirtschaft seien die Entsorgungskosten, die derzeit nur mit staatlicher Hilfe gedeckt werden könnten. In der Modellregion wird dieses Problem angegangen, indem man werthaltige Stoffströme sammelt und verwertet. Unter anderem bieten sich Elektroaltgeräte aufgrund ihres Wertstoffpotenzials an.

Für die gezielte Erfassung werthaltiger Abfälle planen die Projektpartner in der Modellregion ein Wertstoffzentrum. Die Mitarbeiter von Fraunhofer-Umsicht werden zudem ein Umsetzungsprojekt konzipieren, in dem wirtschaftlich interessante Abfallstoffe etwa in Altgeräten mittels einer von Fraunhofer entwickelten Recycling-Technologie behandelt und dabei wertvolle Rohstoffe zurückgewonnen werden.

Durch diese Aufbereitung von werthaltigen Abfällen vor Ort sollen Arbeitsplätze entstehen. Außerdem können die zurückgewonnenen Rohstoffe vor Ort verkauft werden. Weiterer Aspekt: Weil der Müll nicht mehr wie bisher deponiert werden muss, gewinnt die Umwelt. Wegen der erwarteten positiven Effekte - zum Beispiel aus der Erfassung und Verwertung von Elektroaltgeräten - sollen zukünftig weitere Abfallströme in das Verwertungssystem in der Modellregion einbezogen werden.

Doch das alles muss bezahlt werden: Neben den technischen Konzepten für Zentrum und Behandlungsanlage wird Fraunhofer Umsicht mit den Partnern im Projektverlauf Finanzierungsmöglichkeiten suchen. Für bayerische Unternehmen eröffnen sich hier Chancen für Investitionen und Export von Umwelttechnologien.

Das Projektkonsortium für die Modellregion für Abfallwirtschaft besteht neben Fraunhofer-Umsicht aus der WTERT Germany GmbH sowie der EM&S GmbH und wird durch das Bayerische Landesamt für Umwelt unterstützt. Auf tunesischer Seite werden das Ministerium für Lokale Angelegenheiten und Umwelt sowie die Agence Nationale de Gestion des Déchets (Nationale Agentur für Abfallwirtschaft) als Projektpartner eingebunden, erklärten Katharina Reh und Fredrik Betsch bei dem Pressegespräch. Ebenfalls zusammenarbeiten will das Konsortium vor Ort in Tunesien unter anderem mit der Handelskammer, den Tourismusverbänden, Hochschulen, dem informellen Sektor, aber auch Gewerkschaften und Glaubensgemeinschaften. Das Projekt läuft bis Ende 2018.

Die Pilotanlage im Hintergrund wird bald in Tunesien in größerem Maßstab zum Einsatz kommen, hoffen Katharina Reh und Frederik Betsch von Fraunhofer-Umsicht.
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