20.03.2020 - 17:12 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Freiwilliges Soziales Jahr im Sportverein: die Mannschafts-Managerin

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Trainingspläne schreiben, Mannschaften koordinieren, Aktionstage planen: Hinter den Kulissen eines Sportvereins wartet auf Ehrenamtliche viel Arbeit. Deswegen bietet der HC Sulzbach ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) an.

Qualifikation zur Landesliga der männlichen C-Jugend des HC Sulzbach: Beim Training hilft FSJlerin Johanna Waninger.
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

Johanna Waninger ist seit über einem halben Jahr beim HC Sulzbach als FSJlerin unterwegs und trainiert zwei Jugendmannschaften. Ihr Amt ist in einem Verein mit 445 Mitgliedern und 25 Trainern keine Selbstverständlichkeit. Mit dem Wechsel des Vorstands 2018 gab es auch die Erkenntnis, dass sich zusätzliche Aufgaben nicht mit den bisherigen Ehrenamtlichen und einer Verwaltungskraft, die 20 Stunden pro Woche arbeitet, schultern lassen. "Wir wollten neue Strukturen aufbauen und ein Jugendkonzept erarbeiten", sagte Kassier Marco Forster. Die Verantwortlichen standen vor der Frage: "Wollen wir den Verein nur betreiben, oder wollen wir ihn weiterentwickeln? Und da wir uns stark positionieren wollten, benötigten wir weitere Ressourcen." Gemeinsam mit Trainer Christian Weigl kam er auf die Idee, im Verein ein Freiwilliges Soziales Jahr anzubieten. Schon von Anfang an sei klar gewesen, dass es jemand aus der Region und dem Verein sein sollte, damit nachhaltig profitiert werden könne. "Jemand aus München nutzt mir nichts, wenn derjenige danach wieder nach München geht."

Johanna Waninger (links) absolviert derzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr beim HC Sulzbach. Rechts ihr Anleiter und Kassier im Verein, Marco Forster.

Im September hat Johanna Waninger ihre Arbeit aufgenommen. Für die damals 17-Jährige war es die perfekte Gelegenheit, sich nach dem Abi zu orientieren, ohne sich sofort auf ein Studium oder eine Ausbildung festzulegen. Handball spielte sie schon seit 2013, auch wenn ihr Sport Nummer eins das Leistungsturnen war. Mittlerweile trainiert sie die weibliche D-Jugend und ist als Co-Trainerin in der C-Jugend dabei, die in der Bezirksoberliga spielt. Atlethik-, Mannschafts- und Wurftraining gehören zum Alltag der 18-Jährigen. Täglich – außer dienstags, da sitzt sie im Büro – ist Johanna in den Sporthallen von Sulzbach-Rosenberg unterwegs. Am Wochenende ist sie meistens mit der männlichen C-Jugend auf Tour oder in der Krötenseehalle, wenn die Damen und Herren 1 Heimspieltag haben. Selbst spielt Johanna Waninger auch in zwei Mannschaften.

"Sie ist die perfekte Schnittstelle zwischen Sportlern und Vorstand", sagt Marco Forster. Aktuell trainieren über 200 Kinder beim HC Sulzbach. Mit jeder Grundschulaktion werden es mehr. Auch diese sind Verdienst der FSJlerin. "Ich hab ja vormittags Zeit." Mit jeder Aktion abseits der Hallen steigt der Bekanntheitsgrad. "In den vergangenen zwei Jahren haben wir 60 Kinder dazugewonnen", freut sich Forster über Zuwachs. Denn im Sport gilt die ganz einfache Faustregel: "Je breiter die Basis, desto besser der Verein."

Das Freiwillige Soziale Jahr von Johanna Waninger läuft noch bis Ende April. "Wir sind total happy, dass wir es gemacht haben", bilanziert Forster. Ab Mai soll die Suche nach einem neuen Freiwilligen losgehen. Bewerben kann man sich dafür schon jetzt unter fsj[at]hc-sulzbach[dot]de. Dafür gibt es ein Taschengeld von 300 Euro pro Monat. Und auch für Johanna Waninger war es ein erfolgreiches Jahr, in dem sie sich über ihre Zukunft klar wurde: Sie hat beschlossen, eine Ausbildung als Logopädin zu machen und nicht Sportmanagement studieren. Ihre Mannschaft, die weibliche D-Jugend, wird sie aber künftig weiter trainieren.

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Johanna Waninger, FSJlerin beim HC Sulzbach, erzählt von ihrer Arbeit:

ONETZ: Wieso machen Sie ein Freiwilliges Soziales Jahr?

Johanna Waninger: Ich wusste in der Oberstufe, dass ich nicht direkt nach dem Abitur anfangen möchte zu studieren. Ich haben dann mal ganz beiläufig meine Handballtrainerin gefragt, ob es beim HC in der Vergangenheit eine FSJ-Stelle gab. Ein halbes Jahr später hat mich Marco Forster angeschrieben und gefragt, ob ich Lust hätte, die erste FSJlerin beim HC Sulzbach zu sein. Ich habe sofort ja gesagt und war gespannt, was mich erwartet.

ONETZ: Wie war der Start?

Johanna Waninger: Ich fuhr an meinem zweiten Tag direkt mit der männlichen C-Jugend zu einem Testspiel. Danach hatte ich einen zweiwöchigen Trainerlehrgang. Ich bin somit Mitte September als geprüfte Trainerin in den Trainingsbetrieb eingestiegen.

ONETZ: Was waren Ihre größten Herausforderungen?

Johanna Waninger: Ich komme direkt aus der Schule. Das ist im Allgemeinen etwas ganz anderes. Plötzlich bin ich mitten im Arbeitsleben mit acht Stunden Arbeit am Tag. Das war am Anfang noch sehr neu, aber ich habe mich gut eingewöhnt.

ONETZ: Was bringt das FSJ - persönlich und finanziell?

Johanna Waninger: Für mich ist es ein gutes Orientierungsjahr. Außerdem kann ich so vor dem Studium bereits Arbeitsluft schnuppern. Ich habe gelernt, selbstständig und strukturiert zu arbeiten. Monatlich bekomme ich ein Gehalt von 300 Euro, bin krankenversichert und habe weiterhin Kindergeldanspruch. Für zukünftige Studenten außerdem interessant: Das FSJ wird als Wartesemester angerechnet.

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