06.04.2020 - 17:19 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Das Aus für Rosenbergs Bahnhof steht

Maximal fünfmal pro Tag hält ein Zug, der Rest braust schnell durch. "Sulzbach-Rosenberg Hütte", wie der Bahnhof offiziell heißt, wird weiter an Bedeutung verlieren: 2023 ist endgültig Schluss, dann halten dort überhaupt keine Züge mehr.

Freie Fahrt für den Regionalexpress und kein Halt mehr in Sulzbach-Rosenberg Hütte – das ist ab 2023 wohl beschlossene Sache.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Mit dem Bahnhof Rosenberg ging es seit Schließung der Maxhütte bergab. Das sorgte auch für Klagen aus der Bevölkerung, deren sich die SPD annahm. Im Februar richtete die Stadtratsfraktion einen offenen Brief an die Bayerische Eisenbahngesellschaft, die für die Fahrpläne zuständige Stelle der Deutschen Bahn für Bayern, und forderte häufigere Stopps der Regional-Expresszüge.

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Sulzbach-Rosenberg

"Viele Auspendler aus dem Stadtteil Rosenberg, die nach Nürnberg oder Regensburg pendeln, möchten wohnortnah am Bahnhof Sulzbach-Rosenberg-Hütte ein- und aussteigen", schrieb die SPD in ihrem Brief an die Bahn. Andererseits bekämen auch mehr Beschäftigte aus dem nahe gelegenen Industriegebiet Unterschwaig die Möglichkeit, ihren Arbeitsplatz mit dem Zug zu erreichen.

Im aktuellen Fahrplan, so beklagten die Kommunalpolitiker, hielten am Morgen lediglich zwei Züge in Richtung Nürnberg und ein Zug in Richtung Schwandorf, nachmittags und am frühen Abend nur zwei Züge Richtung Schwandorf. Außerhalb dieser Zeiten gebe es keinen Halt zum Ein- oder Aussteigen. "Zumindest zu den Haupt-Berufsverkehrszeiten müsste ein 30-Minuten-Takt ermöglicht werden, außerdem wären einige zusätzliche Haltezeiten während des Tages notwendig."

Nur drei Fahrgäste

Jetzt kam die Antwort der Eisenbahn-Gesellschaft an Fraktionssprecher Achim Bender - und sie fiel nicht sehr positiv aus: "Wir danken für lhr Schreiben, in dem Sie sich für weitere Halte der Regional-Express-Linie Nürnberg-Schwandorf-Regensburg am Bahnhof Sulzbach-Rosenberg Hütte einsetzen. Mit lediglich drei Fahrgästen je Werktag gehört die angesprochene Verkehrsstation zu den am schwächsten genutzten Haltepunkten im Netz des bayerischen Schienenpersonennahverkehrs (SPNV)."

Eine Ausdehnung des Angebots würde die Fahrzeiten der in diesem Bereich bis zu 160 km/h schnellen Züge signifikant verlängern und somit die Attraktivität der Bahn für die überwiegende Zahl der Nutzer negativ beeinträchtigen. Hinzu komme, dass sich die vertakteten Regional-Express-Züge beider Richtungen aufgrund der Anschlüsse in den benachbarten Bahnknoten systematisch im Bahnhof Hütte begegnen. "Aufgrund der Anordnung der Bahnsteige und der fehlenden Unterführung besteht jedoch für haltende Züge ein Begegnungsverbot."

Keine neuen Standorte

Auch die früher in der Stadt einmal diskutierten neuen Standorte einer Verkehrsstation mit Außenbahnsteigen (analog zum Haltepunkt Sulzbach-Rosenberg), zum Beispiel im Bereich der Erzhausstraße, seien in den städtebaulichen Planungen nicht aufgegriffen worden.

Ab Dezember 2023 geschlossen

Die Eisenbahngesellschaft schließt: "Wir bitten um Verständnis, dass wir unter diesen Rahmenbedingungen keine Verbesserung der Haltepolitik vornehmen." Da die baulichen Anlagen unbrauchbar seien und es eine gute Erschließung durch den Bus gebe, "werden wir die verbliebenen schwach nachgefragten Verkehrshalte am Bahnhof Sulzbach-Rosenberg Hütte mit Auslaufen des Verkehrsvertrages mit DB Regio im Dezember 2023 aufgeben und die Station für den Schienenpersonennahverkehr schließen".

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Schon als Bahnrelikt geführt

Schaut man im Internet unter der privaten Seite „Bahnrelikte“, so taucht dort der Bahnhof Sulzbach-Rosenberg Hütte auf. Er liegt an der Strecke Nürnberg-Irrenlohe, gehört zur Bahndirektion Nürnberg und wurde am 12. Dezember 1859 eröffnet. In dem Eintrag von 2014 heißt es: „Der Bahnhof macht einen sehr speziellen Eindruck. Trotzdem dass es auf der Seite der Bahn von hier noch Verbindungen zur Auswahl gibt, wirkt die Station wie für den Personenverkehr geschlossen. Zudem ist der Aufenthalt auf dem sehr schmal gehaltenen Hausbahnsteig bei den schnellen Vorbeifahrten der Dieseltriebzüge nichts für schwache Nerven! Ein Loch im Zaun gewährt einen kurzen Ausflug auf den Bahnsteig. Die gegenüber liegende Maxhütte hat ihren Betrieb schon 2002 eingestellt und so verstärkt sich der Eindruck einer Geisterstation“.

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