12.11.2019 - 13:07 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Fürstlicher Besuch in Sulzbach-Rosenberg: "Der Leopard" im Nordgau

Am Anfang stand eine Begegnung für ein Radio-Projekt. Stadtheimatpfleger Markus Lommer traf dabei den BR-Journalisten Wolf Gaudlitz, der mit Fürst Tomasi di Lampedusa bekannt ist. Seine Familie hat Verbindungen zur Herzogstadt.

Vom Rathaus beeindruckt zeigten sich (von links) BR-Journalist Wolf Gaudlitz, Fürst Gioacchino Lanza und Fürstin Nicoletta Tomasi di Lampedusa, die Stadtheimatpfleger Markus Lommer mit Fakten zur Historie der Herzogstadt versorgte.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Wer den Namen des Adeligen kennt, weiß, dass hier auch gleich Weltliteratur ins Spiel kommt, denn der Cousin und Adoptivvater des Fürsten war kein Geringerer als der bekannte Autor des Romans "Der Leopard" über den Niedergang eines sizilianischen Adelsgeschlechts zu Beginn der italienischen Einigungskriege, den Luchino Visconti mit Burt Lancaster verfilmte.

Staufer in Süditalien

BR-Journalist Wolf Gaudlitz stellte schließlich den Kontakt nach Sulzbach-Rosenberg her, denn in seiner B2-Radiosendung "Der Stadt und des Landes Ehre - Bayerische Rathausgeschichten" begeisterten ihn Lommers Schilderungen der reichen Herzogstadt-Historie. Eventuelle Verbindungen der Adelsgeschlechter des Nordgaus mit Staufern in Süditalien kamen Gaudlitz in den Sinn.

Deshalb dachte er sofort an das mit ihm befreundete Fürstenehepaar Tomasi di Lampedusa, ihr großes Interesse an der Geschichte und mögliche Verbindungen ihrer Vorfahren zu den Sulzbacher Grafen- ein Besuch in der Oberpfalz stand deshalb ganz oben auf der Wunschliste.

Zum Abstecher in die Herzogstadt nutzten die Gäste aus Italien schließlich einen Termin in Würzburg, bei der sie einer Vorführung der Visconti-Verfilmung von "Der Leopard" als prominente Verwandte des Autors beiwohnten. Fürst Gioacchino Lanza Tomasi de Lampedusa war Professor für Musikwissenschaften an den Universitäten von Palermo und Salerno sowie Intendant und Direktor der Opernhäuser von Neapel, Rom und Bologna.

Fürst Gioacchino Lanza und Fürstin Nicoletta Tomasi di Lampedusa beim Eintrag ins Goldene Buch der Herzogstadt zusammen mit Bürgermeister Michael Göth (links) und Stadtheimatpfleger Markus Lommer (rechts).

Auch seine Frau Nicoletta, eine waschechte Venezianerin, kann als eine geborene "Polo" mit Marco Polo auf einen berühmten Verwandten in ihrer Ahnenreihe verweisen. In Kennerkreisen gilt es als eines der bedeutendsten Adelsgeschlechter Italiens überhaupt. Berühmtheit erlangte der hohe Gast auch durch seine Kochkurse "Kochen mit der Fürstin", zu denen Teilnehmer bis aus Australien nach Palermo reisen.

Beim Besuch der dreiköpfigen Gruppe übernahm Stadtheimatpfleger Markus Lommer die Führung durch die Altstadt, wobei Verbindungen zu den Sulzbacher Grafen im Vordergrund standen. Wie die Experten in einer ersten Bewertung der Quellen feststellten, gibt es eine Beziehung zu den Staufern über eine Frau von Kaiser Friedrich II., die aus dem sizilianischen Adelsgeschlecht der Lanza stammte, mit dem der Fürst auch eng verwandt ist. Den Kreis schließt somit die Berengar-Tochter Gertrud von Sulzbach, die mit Staufer-König Konrad III. verheiratet war.

Schirmherr der Knorr-Festspiele

Bei einem Abendessen mit Kulturschaffenden der Stadt Sulzbach-Rosenberg stand ein reger Austausch im Vordergrund mit Analyse der wechselseitigen Beziehungen und der umfangreichen kulturellen Möglichkeiten in Sulzbach-Rosenberg. Für eine Übernahme der Schirmherrschaft bei den Knorr-von-Rosenroth-Festspielen im nächsten Jahr zeigte sich das Fürstenpaar aufgeschlossen. Regisseur Michael Ritz will bei einem Besuch in Palermo im kommenden Frühjahr Detailfragen dazu klären.

Giuseppe Tomasi di Lampedusa (1896 – 1957), der Autor des weltberühmten Romans „Der Leopard“ („Il Gattopardo“).
Hintergrund:

Wie der Piper-Verlag auf seiner Homepage informiert, wurde Giuseppe Tomasi, Herzog von Palma und Fürst von Lampedusa, am 23. Dezember 1896 in Palermo geboren und starb am 23. Juli 1957 in Rom. Neben Erzählungen schrieb er innerhalb weniger Monate seinen einzigen Roman: „Der Leopard“. Ein Jahr nach seinem Tod veröffentlicht, wurde er zum Welterfolg und machte Lampedusa zu einem der bedeutendsten italienischen Autoren der Moderne. Inspiriert von der eigenen Familiengeschichte, gelingt Giuseppe Tomasi di Lampedusa der größte Italienroman unserer Zeit und eine schillernde Hommage an das Europa des 19. Jahrhunderts. Mit melancholischer Ironie schildert er den Niedergang des sizilianischen Adelsgeschlechts um Don Fabrizio, Fürst Salina. Die alte Ordnung ist in Gefahr, das Ende der Feudalherrschaft kündigt sich an. Zum Jubiläum des Piper-Verlags 2019 erschien eine Neuübersetzung.

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