17.12.2018 - 17:33 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Ganzes Archiv mit Literatur

Der neueste Schatz kommt unspektakulär im grünen Koffer hereingerollt: Im Rahmen der wissenschaftlichen Tagung "Transnationale Akzente" übergibt Herausgeber Jürgen Link Archiv seiner Zeitschrift "kultuRRevolution" dem Literaturarchiv.

In familiär-geselliger Atmosphäre übergab Herausgeber Jürgen Link (links) das Archiv seiner "kultuRRevolution" an den wissenschaftlichen Leiter des Literaturarchivs Sulzbach-Rosenberg, Michael Peter Hehl.
von Anke SchäferProfil

Der neueste Schatz kam unspektakulär im grünen Koffer hereingerollt: Im Rahmen der wissenschaftlichen Tagung "Transnationale Akzente - Zur vermittelnden Funktion von Literatur- und Kulturzeitschriften im Europa des 20. Jahrhunderts" übergab Herausgeber Jürgen Link das Archiv seiner medien- und diskurskritischen Zeitschrift "kultuRRevolution" dem Literaturarchiv Sulzbach-Rosenberg.

Gegründet 1982, hat sich die literaturwissenschaftliche Zeitschrift "kultuRRevolution - Zeitschrift für angewandte Diskurstheorie" mit den künstlerisch innovativen Covern von Anfang an um junge Nachwuchstalente verdient gemacht, die mittlerweile häufig zu Größen ihrer Fachgebiete geworden sind. Aber auch der internationale Austausch, insbesondere mit Frankreich liegt Herausgeber Jürgen Link besonders am Herzen.

Vier Akten-Ordner voller Korrespondenz und einen Ordner mit Medienbesprechungen packte der emeritierte Professor für Literaturwissenschaft und Diskurstheorie sozusagen als Vorhut für das noch folgende Gesamtarchiv aus. Im Gespräch mit Michael Peter Hehl, dem wissenschaftlichen Leiter des Literaturarchivs, fügte er dem trockenen Papier noch allerlei Erinnerungen und Anekdoten zur Historie der Zeitschrift hinzu und griff beim Durchblättern immer wieder einige der großen Namen heraus - und das obwohl es zum Prinzip der "kultuRRevolution" gehört, alle Autoren strikt gleich zu behandeln.

Als weiteren Bonus zum formellen Akt der Übergabe gab es Kostproben aus Links eng mit der Zeitschrift verzahnten 68er-Aufarbeitung "Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee". Eigentlich habe er damit ja unter dem Titel "Vorerinnerung" ein neues Literatur-Genre erschaffen wollen, so Link. Nicht zuletzt aufgrund des 934 Seiten Volumens wurde es dann aber doch einfach "Roman" genannt.

Zwar sehe er sich nicht als Profi-Autor, seine unter anderem durch eine durchgängige "Wir-Perspektive" und vor Hintersinnigkeit, Fantasie, Musikalität und Rhythmus strotzende Fiktion macht dennoch großer Literatur alle Ehre. Die endgültige Fertigstellung des Buches sei im Übrigen erst gelungen, als er seine Lehrtätigkeit mit dem Ruhestand getauscht hatte.

Dass mit den Leseproben ein wenig Fleisch an die Knochen der Theorie kam, machte den Zuhörern so viel Spaß wie dem Autor. Zwar habe schon seine Lektorin viel gelacht, manch Publikum verharre dennoch in stoischer Stille. Im Literaturarchiv dagegen fiel sein Humor auf fruchtbaren Boden, was Jürgen Link den Abschied von seinem Archiv und Sulzbach-Rosenberg zusätzlich versüßte.

Info:

Jürgen Links Roman "Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee",924 Seiten, ist 2008 im assoverlag erschienen und kostet 29,90 Euro.

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