17.11.2019 - 17:05 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Gedenken heißt sich erinnern

Ist der Volkstrauertag heute noch zeitgemäß, nachdem das Interesse der Bevölkerung nachgelassen hat? Oder sollte er weiter begangen werden, weil auch heute noch Kriege geführt werden? Der Sonntagvormittag liefert Antworten.

Fahnenabordnungen und Vertreter von vielerlei Vereinen kamen zur Totengedenkfeier am Ehrenmal im Stadtteil Rosenberg.
von Wolfgang BerndtProfil

Erinnerung, Mahnung und die Forderung, sich für ein friedliches Zusammenleben aller Menschen einzusetzen, standen im Mittelpunkt der Rede des Bürgermeisters Michael Göth beim Volkstrauertag am Ehrenmal am Schlossberg. Musikalisch wurde die Feierstunde, zu der eine Kranzniederlegung, und der Ehrensalut gehörten, von der städtischen Bergknappenkapelle unter Leitung von Johannes Mühldorfer gestaltet.

Das Gedenken am Volkstrauertag gelte allen Opfern von Krieg und verbrecherischer Gewalt, von Flucht und Vertreibung, erinnerte Bürgermeister Michael Göth. Gleichzeitig sei dieser Tag aber auch ein Tag der Trauer, der Mahnung und der Hoffnung auf Versöhnung und zugleich Verpflichtung für die Zukunft. "Die Millionen Opfer beider Weltkriege und die neuen Opfer von Gewalt und Verbrechen nach 1945 müssen uns wieder für den Einsatz für eine friedliche und gerechte Welt anspornen.

Woran sollen uns Denkmäler erinnern, nachdem über 70 Jahre seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und über 100 Jahre seit dem Ende des Ersten Weltkrieges vergangen sind?", fragte Göth. "Vielleicht an das Schicksal von Menschen, verursacht durch Kriege der heutigen Zeit? Vielleicht, dass Kriege durch Flucht und Vertreibung nach wie vor in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind? An Menschen, die ihre Heimat auch Angst vor Gewalt und Elend verlassen und den Wunsch nach Freiheit mit dem Tod bezahlen müssen? Oder an die Bilder im Fernsehen von Kriegen in der Gegenwart, die nur erahnen ließen, welche Qualen, Schrecken und Tragödien Menschen dort erleben? Vielleicht auch daran, dass man gemeinsam vor einer aufkeimenden Europafeindlichkeit warnen müsse, die die Verhältnisse in Europa ohne Krieg infrage stellen?", so Göth in seiner Rede.

Der Bürgermeister forderte: "Die Gesellschaft darf nicht wegsehen, wenn anderswo Menschen leiden, in die Flucht getrieben werden oder sterben." Hunger und Armut in vielen Ländern seien nach wie vor ein Hindernis für den Frieden. Dabei komme es darauf an, alle Generationen mit einzubeziehen, um gemeinsam zu gedenken, zu trauern und über das Vergangenen nachzudenken. "Gedenken, das heißt, sich erinnern. Das heißt, unsere Gedanken so auf die Toten und ihr Schicksal zu richten, dass ihr Schicksal, ihr Leiden und Sterben in unser eigenes Inneres in unser Bewusstsein eingeht und damit auf unser Tun und Unterlassen einwirkt. Und uns damit zum Nachdenken darüber bringt, ob wir nicht nur am Volkstrauertag, sondern an jedem anderen Tag des Jahres genug tun, damit sich ein solches Leiden und Steren nicht wiederholt", zitierte der Bürgermeister Hans-Jochen Vogel.

Den eindringlichen Worten und der Aufforderung des Bürgemeisters, sich für eine friedliche Welt einzusetzen, schloss sich die Kreisvorsitzende des VdK Amberg-Sulzbach, Marianne Kies-Baldasty, an. Die Toten von Kriegen dürfe man nicht vergessen und ihre Namen sollten erhalten bleiben, forderte der Vorsitzende der Soldaten- und Reservistenkameradschaft Franz Schneller.

Auch wenn manche Politiker den Volkstrauertag als nicht mehr zeitgemäß betrachten, sollte er als Sondertag erhalten werden, denn auch heute gäbe es Kriege, in denen viele Menschen ihr Leben lassen, so Schneller.

Auch der Vorsitzende der Soldaten- und Reservistenkameradschaft, Franz Schneller, sprach eindringliche Worte.
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