Ein leichter Wind streicht durch die Blätter der Buchen, Sonnenlicht flackert hindurch. Der Waldlehrpfad schlängelt sich durch das Grün – und plötzlich blitzt etwas Neues zwischen den Baumstämmen hervor: Eine Bank aus hellem Holz, glatt geschliffen. Wer sich hier niederlässt, kann die Natur in Ruhe genießen. Das Naherholungsgebiet "Obere Wagensass" hat sich verändert – dank eines Schulprojekts.
Mit Motivation, Kreativität und Teamgeist haben 16 Schülerinnen und Schüler des Projekt-Seminars (P-Seminar) Biologie im Schuljahr 2024/2025 am Herzog-Christian-August-Gymnasium die Obere Wagensass um 24 selbstgebaute Sitzbänke bereichert – unter der Leitung von Studiendirektor Roland Merkl. "Ziel war es, die Aufenthaltsqualität für Besucherinnen uns Besucher zu verbessern und einen nachhaltigen Beitrag zur regionalen Infrastruktur zu leisten", erklärt Merkl. Das Naherholungsgebiet soll ein Ort zum Durchatmen, Verweilen und für Begegnungen sein.
Von der Idee zur Umsetzung
Ein früheres P-Seminar hatte bereits das Nutzungsverhalten der Besucher der Oberen Wagensass untersucht – ebenfalls unter der Leitung von Merkl. Dabei wurde deutlich: Viele Besucher wünschen sich mehr Sitzgelegenheiten.
Daran knüpfte das P-Seminar Biologie 2024/2025 an und entwickelte ein konkretes Umsetzungskonzept. "Mich hat am meisten an der Projektidee begeistert, dass es ein Allgemeinnutzen für die Stadt ist und jeder daran seinen Nutzen hat", erklärt die mitwirkende Schülerin Julia Pirner. Es entstanden nicht nur Sitzgelegenheiten, sondern kleine Orte der Begegnung – für Spaziergänger, Familien, Radfahrer und Senioren gleichermaßen.
Vom Rohholz zur fertigen Bank
Zur Umsetzung des Projekts bildeten die Jugendlichen 4 Arbeitsgruppen: Finanzen/Sponsoring, Logistik, Design/Gestaltung und Bankbau.
Das Team "Finanzen" gewann zahlreiche Unterstützer aus der Region. Die Betriebe unterstützten mit Geld- oder Sachspenden – darunter die Stadt Sulzbach-Rosenberg, die Bayerischen Staatsforsten und die Zimmerei Werner aus Trichenricht, die bei Planung, Anfertigung und Transport eine zentrale Rolle spielte. Engagierte Eltern halfen mit Split, Fahrdiensten und einem geliehenen Bulldog.
Das Team "Logistik" kümmerte sich um Materialbeschaffung und den Transport. Die Standorte im Gelände wurden gemeinsam mit der Revierförsterin Frau Hornung ausgewählt – mit Blick auf kurze Abstände zwischen den Sitzgelegenheiten, Schatten und Aussicht.
In der Zimmerei fertigte das Team "Design/Gestaltung" die Bänke: sägen, schleifen, montieren – alles in Eigenarbeit. Außerdem legte es großen Wert auf Nachhaltigkeit: Für die Bänke verwendete das Team ausschließlich heimisches Holz – die Logos der beteiligten Partner wurden per Lasertechnik ressourcenschonend auf den Lehnen angebracht.
Alle Schritte selbstständig
Schließlich setzte das Team "Bankbau" die Pläne in die Tat um: Im Juli errichteten die Schüler innerhalb von drei Tage die 24 Bänke an den vorgesehenen Standorten. "Der schönste Moment war, als die Bänke fertig waren und wir gesehen haben, was wir geschafft haben und dass alles so funktioniert hat, wie wir es uns vorgestellt haben", erinnert sich Schülerin Melanie Specht.
Die Schülerinnen und Schüler übernahmen alle Schritte selbstständig – von der Sponsorensuche über die Planung bis zur handwerklichen Umsetzung, betont Merkl. So entstand nicht nur ein sichtbarer Mehrwert für das Naherholungsgebiet, sondern auch ein wertvoller Lerneffekt. Das Projekt vermittelte den Jugendlichen Kompetenzen in Organisation, Kommunikation, Teamarbeit, Verantwortungsbewusstsein, Selbstständigkeit und Durchhaltevermögen.
"Ich habe viele Stimmen eingefangen und nur Positives gehört. Es ist ein Projekt, das bei den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Sulzbach-Rosenberg gut ankommt – und nicht nur bei den Bürgern der Stadt, sondern auch übergreifend", sagt Bürgermeister Stefan Frank.
Auszeichnung für das Engagement
Für ihr außergewöhnliches Projekt wurden die Schüler mit dem P-Seminar-Preis 2025 ausgezeichnet. Die Gruppe zählt zu den 27 Regionalsiegern in Bayern. "Ich finde schön, dass unser Projekt so gewürdigt wird – dass wir was für die Allgemeinheit gemacht haben.", sagt Schüler Moritz Müller. Am 2. Dezember werden aus den 27 Preisträgern die vier Landessieger bestimmt und in München geehrt.
Doch mit dem Abschluss des Projekts endet das Engagement der Schüler nicht. Schon im kommenden Schuljahr 2025/2026 ist ein Folgeprojekt geplant: Das Areal soll um QR-basierte Hörstationen erweitert werden. Besucher können dann mit ihrem Handy Wissenswertes zu Pflanzen, Tieren und der Geschichte der Oberen Wagensass abrufen.
Begriffserklärung: P-Seminar
- P-Seminar: Projekt-Seminar zur Studien- und Berufsorientierung
- Teil des gymnasialen Unterrichts in Bayern:Durchführung in der 11. Jahrgangsstufe
- Ziel: Schüler praktisch auf Studium und Beruf vorbereiten
- Umfang: Zwei Wochenstunden
- Reales Projekt – oft mit externen Partnern (Firmen, Vereinen ...)
- Leitfach zugeordnet (z.B. Biologie, Mathematik …)




















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