Um den Fall der vermutlich getöteten Kerstin Langley aus Regensburg aufklären zu können, hat die Polizei in der Nähe von Kadenzhofen (Landkreis Neumarkt) und in einem Waldstück nahe dem Waldfriedhof in Sulzbach-Rosenberg nach Leichenteilen graben lassen. Während in Kadenzhofen tatsächlich Knochen gefunden wurden, scheint es in Sulzbach-Rosenberg bislang keinen Fund zu geben. "In Sulzbach-Rosenberg werden die Grabungen derzeit nicht fortgesetzt", teilte Melanie Bäumler von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberpfalz mit. "Wann die Grabungen fortgesetzt werden, steht noch nicht fest."
Untersuchung in Erlangen
Die Ermittler warteten die Ergebnisse der umfassenden rechtsmedizinischen Untersuchungen der gefundenen Knochen in Kadenzhofen ab. Diese Knochen werden derzeit am Institut für Rechtsmedizin in Erlangen untersucht. "Nach bisherigen Erkenntnissen handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um die sterblichen Überreste von Kerstin Langley. Die weiteren Untersuchungen sollen eine verlässlichere Aussage zur Identität ermöglichen", erklärt Bäumler. Diese Untersuchungen würden aber voraussichtlich noch mehrere Wochen andauern.
Für die Polizei ist eine solche Spurensanalyse ein Wettlauf gegen die Zeit und den natürlichen Verfall. Während bei frischen Spuren oft ein einfacher Speichelabstrich für ein Täter- oder Opferprofil genügt, gleicht die DNA-Analyse von Skeletteilen nach 19 Jahren einem forensischen Puzzle auf molekularer Ebene. Das Bundeskriminalamt fasst in einer Publikation zusammen, worauf es dabei ankommt. Wichtig sei vor allem, eine Kontamination zu verhindern, heißt es darin: Gelangt auch nur ein einziges Hautschüppchen oder ein Haar der Ermittler an die Knochen, würde diese moderne, intakte DNA die jahrzehntealte, hochsensible Spur des Opfers überlagern und das Ergebnis unbrauchbar machen.
Knochen wie ein Tresor
Für die eigentliche Analyse im Labor wählen Forensiker besonders kompakte Knochen wie den Oberschenkel oder gut erhaltene Zahnwurzeln. Diese harten Gewebearten fungierten über die Jahre wie ein natürlicher Tresor, der die DNA im Inneren am besten vor Umwelteinflüssen schützt. Das größte Problem für die Wissenschaftler im Labor: Die Erbsubstanz ist durch Feuchtigkeit, Bakterien und säurehaltige Böden im Laufe der Jahre stark degradiert – sie ist sprichwörtlich in unzählige winzige Einzelteile zerfallen.
Die Arbeit beginnt deshalb schon am Fundort mit extremen Vorsichtsmaßnahmen. Kriminaltechniker bergen die Gebeine in Ganzkörper-Schutzanzügen, mit Masken und Handschuhen. Seit zwei Jahren schult das Bayerische Landeskriminalamt seine Kriminaltechnikerinnen und -techniker in sogenannter forensischer Archäologie.
Im Labor angekommen, wird die Oberfläche der Knochenprobe zunächst mechanisch abgeschliffen und mit intensivem UV-Licht bestrahlt, um jegliche äußere Verunreinigung zu vernichten. Anschließend wird das Knochenstück zu feinstem Mehl zermahlen. Um an die darin eingeschlossene Erbsubstanz zu gelangen, nutzen Chemiker spezielle Substanzen, die dem Knochenmehl das Kalzium entziehen und die verbliebenen Zellwände chemisch aufbrechen. Nach der Reinigung von störenden Bodenstoffen wie Huminsäuren isolieren die Experten eine winzige Menge flüssiger DNA.
Molekulare "Kopiermaschine"
Da diese Proben nach 19 Jahren meist viel zu schwach für eine direkte Analyse sind, kommt in solchen Fällen oft eine molekulare „Kopiermaschine“ zum Einsatz: die Polymerase-Kettenreaktion (PCR). Mit dieser Methode vervielfältigen Forscher die relevanten Genabschnitte millionenfach, bis sie für die Messgeräte sichtbar werden.
Die Grabungen und die anschließenden DNA-Analysen sind jedoch nur einer von vielen Ermittlungsschritten. "Von großer Bedeutung sind auch Hinweise aus der Bevölkerung", betont Melanie Bäumler. Die Kriminalpolizei Regensburg erhoffe sich weitere Hinweise zur Tat. "Auch nach 19 Jahren können Beobachtungen oder Erinnerungen an Gespräche entscheidend zur Aufklärung des Falls beitragen." Personen, die Hinweise geben können, werden gebeten, sich unter der Telefonnummer 0941/506-2888 bei der Kriminalpolizeiinspektion Regensburg zu melden.






















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