11.07.2019 - 15:24 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Vom Grün zum Bunt

Dass Blühflächen für eine artenreiche Insektenwelt unabdingbar sind, ist spätestens seit dem Bienen-Volksbegehren klar geworden. Doch hier hilft nicht blinder Aktionismus, sondern Fingerspitzengefühl. Das wissen auch die Stadtgärtner.

von Andreas Royer Kontakt Profil

An fast jeder blühenden Wildpflanze findet sich im ehemaligen Gartengrundstück beim Schulmuseum ein Insekt. Die Bandbreite reicht von Hummeln, Honig- und Wildbienen, über Schwebfliegen, Käfer bis hin zu verschiedenen Schmetterlingen. Und Stadtgärtnermeister Klaus Herbst lehnt sich zufrieden an den Zaun, denn sein Plan scheint aufzugehen, die städtischen Flächen als Insekten-Paradiese aufzuwerten, ohne dabei die optischen Eindrücke für den Betrachter zu vernachlässigen.

Kompromisse nötig

"Es dürfte ja sicher kein Geheimnis sein, dass ein Betrieb wie die Stadtgärtnerei meist auf Kompromisse angewiesen ist, und zwar derart, ihren gestellten Aufgaben, wie etwa Anlagenpflege, Rückschnitt oder Mäheinsätze nachzukommen, aber dabei auch den Belangen der Natur Rechnung zu tragen", sagt Klaus Herbst bei der Rundfahrt zu den städtischen Eh-da-Flächen. Er berichtet davon, dass sein Haus schon seit Jahren eher die sanften Wege beschreitet, um der Umwelt keinen Schaden zuzufügen, dazu gehörten etwa der Verzicht auf Pestizide, biologische Schädlingsbekämpfung in den Treibhäusern oder die bienenfreundlichen Ansaaten. Hierzu wird nun seit dem letzten Jahr eine Art Flächen-Kataster geführt, um die Areale zu erfassen und mit standortgerechten Arten aufzuwerten. "Um diese wichtigen wechselseitigen Beziehungen zu unterstreichen, ist die Stadt im letzten Jahr mit dem Bienenzuchtverein Sulzbach-Rosenberg eine Eh-da-Flächen-Partnerschaft eingegangen", ergänzt der Fachmann.

Auch aus dem Rathaus komme hier für ihn Unterstützung. Bürgermeister Michael Göth sowie Stadtbaumeisterin Petra Schöllhorn , in deren Ressort die Gärtnerei falle, würden diesen Weg hin zu mehr Natur auf städtischen Flächen wohlwollend unterstützen und fördern. "Der Schritt vom öffentlichen Grün zum öffentlichen Bunt funktioniert aber nicht von selbst. Dazu braucht es Kenntnisse über die Ansprüche der Arten und die Standortverhältnisse. Wir haben nun aktuell fast 5000 Quadratmeter Flächen im gesamten Stadtgebiet standortgerecht aufgewertet", so Klaus Herbst. Infrage kämen dafür Straßenrand- und Mittelstreifen, Flächen im Bürgerpark, Wegsäume oder Böschungen.

Saatgut aus der Region

Verwendung finden bei der Stadtgärtnerei überwiegend Mischungen eines Wildpflanzenvermehrers, der auf Saatgut zurückgreift, das aus Produktionsräumen stammt, in denen es dann auch Verwendung finden soll. Auch auf eine große genetische Vielfalt innerhalb der Arten achte der Hersteller."Unsere Mischungen enthalten regional vermehrte, gebietseigene Wildarten und sind für den Einsatz in der freien Landschaft geeignet. Diesen Weg wollen wir auch in der Zukunft konsequent weiter beschreiten", sieht Klaus Herbst bei der Flächen-Rundfahrt als klare Marschrichtung seines Betriebes in den kommenden Jahren.

Info:

Hintergrund

Vor der Blumenwiese im Bürgerpark erklärt Stadtgärtnermeister Klaus Herbst, dass dort eine Mischung verwendet wurde, die für ein weites Spektrum an Standortverhältnissen geeignet sei. Von der Charakteristik handle es sich um eine blühende, sehr artenreiche Blumenwiese mit nieder- und hochwüchsigen Arten, Gräsern und Obergrün. „Wichtig sind auch die sogenannten Akzeptanzarten im ersten Jahr, wie etwa Salbei und Klatschmohn für ein ansprechendes Bild. Im zweiten Jahr kommen Margeriten und Glockenblumen zur Blüte, später folgen Bocksbart, Witwen- und Flockenblumen“, weiß Herbst.

Info:

Neu angelegte Blühflächen der Stadtgärtnerei

Schulmuseum

Schmetterlings- und Wildbienensaum entlang des Lattenzauns sowie eine Blumenwiese.

Kempfenhof

Mager- und Sandrasen im Siedlungsbereich, Nähe Spielplatz.

Einsteinstraße auf der Lohe

Fugenmischung zur Begrünung und Aufwertung von Pflasterfugen; wärmeliebender Saum (Mittelinsel) sowie eine salzverträgliche Bankettmischung.

Krötenseeschule

Schmetterlings- und Wildbienensaum.

Bürgerpark

Große Blumenwiese in Nähe des Bahnhofsgebäudes.

Pestalozzischule

Schmetterlings- und Wildbienensaum sowie Fettwiese.

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