09.10.2018 - 17:06 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Haare ab für guten Zweck

Der Entschluss ist schwer für ein Mädchen: Die langen Haare kommen runter. Aber nicht aus Modegründen. Sie werden gespendet, daraus entstehen Echthaar-Perücken für Menschen, die ihr Haar verloren haben. Und Spenden fließen auch noch.

So lange Haare hatte Leonie Huf vor dem Schnitt.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Ein Bub aus dem Kreis Neu-Ulm hat in den vergangenen Tagen via Antenne Bayern für Furore gesorgt. Er ließ sich seinen langen Haare schneiden, um sie für Kinder zu spenden, denen sie wegen einer Chemo-Therapie ausgefallen sind. Sein Engagement hat Nachahmer gefunden: Auch in Sulzbach-Rosenberg gibt es mutige junge Menschen, die auf diese Weise helfen. Sie fühlen sich sehr wohl dabei und haben sich diesen Schritt gut überlegt.

Leonie Huf aus Ammerthal kam dieser Tage auch auf die Idee, ihre Haare zu spenden: Die 13-jährige Schülerin teilte ihrer Mutter Karin den Entschluss mit, und dann ging es auch schon nach Sulzbach-Rosenberg zum Friseursalon Linek in die Bahnhofstraße. Dort schritt Friseurmeisterin Stephanie Merkl sogleich zur Tat: Sie kappte den schönen dunklen Zopf dicht am Kopf und schon waren 30 Zentimeter für den guten Zweck gewonnen. Stephanie Merkl schickte den Zopf auf eigene Kosten an eine Firma (www.haare-spenden.de), die daraus Echthaarperücken fertigt. Ihre Kunden sind hauptsächlich Frauen und Kinder, die ihre eigenen Haare aufgrund von Chemo-Therapien bei einer Krebserkrankung oder durch eine Hautkrankheit verloren haben.

Wie die Firmenchefin erklärte, kommen dort monatlich rund 80 Umschläge mit gespendetem Echthaar an. Dadurch mindere sich auch der Preis einer solchen Perücke, die sonst nicht für jeden zu finanzieren sei. Ab einer Länge von 30 Zentimetern fließe zusätzlich eine Spende der Firma an eine Krebshilfe-Organisation, die der Absender im Formular auswählen kann. Nach ihren Angaben kommen durchschnittlich rund 6000 Euro pro Monat zusammen für diese Organisationen.

Stephanie Merkl machte diese Aktion mit Leonie Huf übrigens zum ersten Mal. Sie will jetzt weiterhin Haare dorthin senden, wenn eine Kundin das wünscht. Eine weitere junge Dame aus Sulzbach-Rosenberg ging einen ähnlichen Weg: Auch Johanna Decker trennte sich in der vergangenen Woche von einem Großteil ihrer langen blonden Haare. Die 26-jährige Auszubildende zur Notfallsanitäterin hatte im Internet die Homepage des „Little princess trust“ entdeckt. Diese englische Hilfsorganisation sorgt dafür, dass Kinder und junge Erwachsene nach einer Chemotherapie eine Echthaarperücke bekommen. Auch Herzogin Kate hat der englischen Presse zufolge schon anonym Haare gespendet. Dorthin schickte die junge Frau ihren Zopf mit gut 31 Zentimetern Länge. Im Unterschied zu Leonie blieb bei ihr aber noch eine Frisur mit schulterlangem Haar zurück. „Ich hab gerade eine Mail bekommen“, sagte Johanna Decker am Dienstag. „Offensichtlich sind meine Haare gut in England angekommen – Little Princess trust hat sich bedankt!“

Spenden mit Haarlängen von 30 Zentimetern sind selten. Ein menschliches Kopfhaar wächst pro Jahr nur durchschnittlich um etwa 15 Zentimeter. Doch trotzdem wäre es gut, wenn die abgeschnittenen Mähnen noch irgendwie einem guten Zweck zugute kommen würden, statt im Abfall zu landen. Eine intensive Internet-Recherche empfiehlt sich hier für Spendenwillige. Dann können die Scheren in den Salons umso fleißiger klappern.

Leonie Huf mit ihrer neuen Kurzhaarfrisur.

Der Zopf, der gespendet werden soll.

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