12.08.2018 - 16:15 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Händchen halten beruhigt die Sängerinnen

Davon werden die jungen Sängerinnen des Sulzbach-Rosenberg International Music Festivals noch ihren Enkeln erzählen: Ein Meisterkurs mit der internationalen Opernsängerin Christa Mayer. Sie geizte nicht mit Lob und professionellen Tipps.

Opernsängerin Christa Mayer (Mitte) mit den SRIMF-Nachwuchstalenten Gabryella Carrelli, Kaytlin Millikin, Kamryn Wheeler und Ariel Michaelson (von links).
von Anke SchäferProfil

Drei Tage vor Ende des 13. SRIMF, dessen zahlenmäßiger Schwerpunkt auch in diesem Jahr bei den Instrumentalisten lag, beschleunigte diese besondere Veranstaltung nicht nur den Puls der ausgewählten Studentinnen Kamryn Wheeler (Texas), Ariel Michaelson (Washington D.C.), Gabryella Carrelli (Texas) und Kaytlin Millikin (Texas).

Auch der künstlerische Leiter des Festivals, Misha Quint, griff tief in die Charme-Kiste, um Christa Mayer gebührend willkommen zu heißen: Diese Meisterklasse mit der berühmten Christa Mayer sei eine ganz außergewöhnliche und ganz besondere Veranstaltung.

Den jungen Sängerinnen war die Ehre ebenfalls bewusst, und so warteten sie voller Freude, aber auch mit großer Anspannung auf ihren Auftritt, der jeweils mit einem Vortrag nach Wahl begann. Keine leichte Aufgabe, wie Christa Mayer gleich zu Beginn einräumte - in fremder Umgebung, vor Publikum und vor allem vor einer der Großen des Faches. Da kann der Atem schon mal stocken. Und genau da setzte das Konzept an: "Ich versuche immer, einen technischen Impuls zu geben mit einer individuellen Übung für Atmung oder Stimmfokus", so Christa Mayer vor kurzem im Interview mit Oberpfalz-Medien. "Atem-Managment" lautet daher eines der Stichworte des Nachmittags. Frei von Berührungsängsten, zugewandt und immer ermutigend, veranschaulicht Christa Mayer, was sie damit meint. Von einer distanzierten Warte hält sie wenig, stattdessen bleibt sie nach dem ersten Durchlauf stets nah an ihren Studentinnen, löst verkrampfte Haltungen, hält auch mal zur Beruhigung die Hand, lockert die Atmosphäre mit persönlichen Bemerkungen auf.

Mezzo-Sopranistin Kamryn Wheeler ist als Erste an der Reihe, sie hat die Arie "Che faro senza Euridice" aus der Gluck-Oper "Orpheus und Eurydike" ausgewählt. Da werden Erinnerungen wach bei Christa Mayer, die darauf verzichtet, bei 30 Minuten Unterrichtszeit auf Geschichte und Intention des Werkes einzugehen: "Das setze ich jetzt mal voraus." Der versierten Expertin geht es mehr um technische Ansätze für Klang und Resonanz in Verbindung mit der Interpretation. Wichtig sei ihr, "den Sängerinnen und Sängern Lust an Phrasierung und Textgestaltung zu vermitteln und zu ermutigen, das Publikum teilhaben zu lassen an der eigenen Seelenreise", hatte sie im Interview erklärt.

Angesichts der Orpheus´schen Verzweiflung rät sie dazu, "auch mal die Grenzen zu überschreiten, nicht immer nur nett" zu sein. Gabryella Carrellis unüberhörbares Talent macht auch auf Christa Mayer Eindruck. Robert Schumanns Liebeslied "Widmung" zählt ebenfalls zu ihren persönlichen Favoriten, was das Lob bezüglich Qualität und berührendem Klang umso wertvoller macht. Die deutsche Aussprache der Amerikanerin bedarf allerdings bei "Du meine Seele, Du mein Herz" noch kleinerer Modifikationen, und so wird auch daran wieder und wieder gearbeitet.

Das gilt auch für Ariel Michaelson, die sich mutig mit "Die Nacht" von Richard Strauss vorstellt. Und das, obwohl sie das Werk erst seit vier Wochen übt und noch nie zuvor mit Klavierbegleitung vorgetragen hat. Christa Mayer nimmt es gelassen: "Das Lied ist sehr schön für Deine Stimme", so der Befund, bevor die Detailarbeit beginnt.

Sich auf die vermeintlich kleinen Aspekte konzentrieren und vertrackte Stellen wieder und wieder zu üben, lautet der Rat, den sich alle aktiv Musizierenden zu Herzen nehmen sollten. Und natürlich half auch hier die Muttersprachlerin ein wenig nach in Sachen korrekter Aussprache und Betonung.

Bei der letzten Kandidatin ist Christa Mayer ehrlich: Angesichts des angekündigten Stückes sei sie "ein bisschen beunruhigt" gewesen. Zu Recht, denn die Arie der Königin der Nacht ist schon so mancher Sopranistin zum Verhängnis geworden. Kaytlin Millikin meistert diese Höchstschwierigkeiten aus Mozarts Zauberflöte allerdings bravourös. Nur mit der königlichen Haltung, die ja später genauso wie der Gesang zum Geschäft gehört, hapert es noch ein bisschen. Wenig später funkelt sie jedoch schon in den Augen, die königliche Rachsucht. Manches lässt sich eben auch in kurzer Zeit auf den Weg bringen - vorausgesetzt, man hat so viel Erfahrung und Gespür wie Opernsängerin Christa Mayer.

Info:

Christa Mayers Karriere

Christa Mayer ist gebürtige Sulzbach-Rosenbergerin. Ihre Gesangsausbildung hat sie an der Bayerischen Singakademie und der Musikhochschule München absolviert. Bereits während des Studiums wurde sie mit zahlreichen Preisen, unter anderem beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD in München, ausgezeichnet.

Seit 2001 ist sie Ensemblemitglied an der Sächsischen Staatsoper Dresden. Wagner-Rollen bilden einen besonderen Schwerpunkt im breitgefächerten Repertoire der Mezzosopranistin. National wie international hoch geschätzt, arbeitet sie mit Dirigenten von Weltruf wie beispielsweise Christian Thielemann, Zubin Mehta, Jonathan Nott, Riccardo Chailly, Herbert Blomstedt, Simone Young oder Ingo Metzmacher. Ihr Bayreuth-Debüt gab Christa Mayer 2008 als „Erda“ und „Waltraute“ unter Dirigent Christian Thielemann, sie zählt seither zu den Stammkünstlern am grünen Hügel. In der laufenden Saison ist sie als „Brangäne“ in „Tristan und Isolde“ sowie als „Mary“ im „Fliegenden Holländer“ zu hören.

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