"Ich bin jedenfalls empört und sehr traurig", schreibt eine Frau. "Wer hat denn das bitte veranlasst, dass der Schwan in die Auffangstation kommt? Das wäre ja wirklich unglaublich", gibt eine andere von sich. Weitere Kommentare lauten: "Das ist ja der Hammer, wenn das stimmen sollte" oder "Einfach die Natur in Ruhe lassen."
Zu lesen ist das im Internet, in der Facebook-Gruppe "Du bist ein echter Sulzbach-Rosenberger, wenn...?" Wie so oft, wenn es um Tiere geht, kommen schnell Emotionen ins Spiel. In diesem Fall wird aber auch Hans Weiß emotional. Der 57-Jährige betreibt ehrenamtlich die Tierauffangstation in Kümmersbuch. Nun sieht er sich in erwähnter Facebook-Gruppe Vorwürfen und Anschuldigungen ausgesetzt, die er verärgert von sich weist. Gegenüber Oberpfalz-Medien stellt er die Situation klar.
Schwan attackiert Tür
Hintergrund der ganzen Aufregung ist die Schwanenfamilie im Sulzbach-Rosenberger Stadtpark. Diesen Frühling kamen sieben Junge zur Welt, die meistens gemächlich hinter ihren Eltern herschwimmen oder auf den Wiesen umherwatscheln. Insbesondere der Vater hatte allerdings einen ausgeprägten Beschützer-Instinkt, der in den vergangenen Wochen bereits mehrfach in ungezügelte Aggression umschlug.
So attackierte der Schwan – vermutlich, weil er im Glas sein Spiegelbild für einen Rivalen hielt – bereits am Samstag, 27. April, die Haustür einer Versicherungsagentur im Umfeld des Stadtparks. Er hämmerte dabei mit seinem Schnabel dermaßen fest auf die Tür ein, dass diese ausgetauscht werden musste und 1000 Euro Schaden entstand. Die Polizei rückte an und trieb den Aggressor zurück in den Park. Ein anderes Mal hatte es der Schwanenvater auf ein geparktes Auto abgesehen, dabei zerlegte er dessen Scheinwerfer. Auch der Verkehr wurde durch den Schwan schon mehrfach aufgehalten und behindert. Es wurde gehupt, und Stau bildete sich, dabei brachte sich der Schwan ungewollt auch selbst häufig in Gefahr.
Tier kommt in "Arrest"
Als es vor zwei Wochen erneut einen Vorfall gab, baten Polizeibeamte Hans Weiß aus Kümmersbuch um Hilfe. "Ich bin hingefahren und habe den Schwan in Gewahrsam genommen. Jeder Randalierer kommt irgendwann mal in Arrest", sagt der Tierretter mit einem Augenzwinkern. Dies sei mit der Polizei und dem Jagdpächter abgesprochen gewesen. "Die waren froh, dass er weg ist. Es gab ja ständig Anrufe und Schäden durch das Tier, und es hätte ja auch dem Schwan selbst was passieren können bei seinen Attacken oder im Verkehr."
In einer großen Hundebox brachte er das Tier in seine Auffangstation. Dort war es in einem laut Weiß 4 x 15 Meter großen Gehege mit Wasserschale untergebracht, bekam Salat, Gras und Futterpellets. Der Schwan sollte gezielt eine Auszeit bekommen. "Natürlich war das für den Schwan zuerst ein Schock, aus der Familie rausgerissen zu werden. Aber das Gehege war für ihn ein neutraler Raum, er hatte dort keinen Gegner mehr, er konnte sich abreagieren und runterkommen." Das Ziel, sagt Weiß, sei ein Lerneffekt: "Das Tier merkt sich: Die Glastür oder die Autos sind eine Gefahr für mich. Wenn ich da wieder hingehe, kommt erneut der Typ mit der Hundebox, packt mich und sperrt mich ein."
Theorien in Facebook
Nach vier Tagen hat Hans Weiß den Schwan dann zurück in den Park gebracht, seit rund zwei Wochen ist er nun wieder dort. Doch dann ging es los. Weil der Schwanenvater zunächst nicht sofort mit der Familie schwamm, sondern etwas abseits blieb, kamen im Internet wilde Theorien auf. Ist es derselbe Schwan? Was hat Weiß mit ihm gemacht? Durfte er ihn überhaupt einfach so mitnehmen? Seit dem Aufenthalt in der Auffangstation sei "kein Familienverbund mehr gegeben", schreibt eine Frau. Und das, obwohl Schwanenpaare ein Leben lang zusammenbleiben. "Ehrlich gesagt, habe ich jetzt ein ganz miserables Gefühl, dass der Schwan-Papa zum 'Problemschwan' wurde und uns ein anderer Schwan vorgesetzt wurde", mutmaßt sie weiter.
Weiß ärgert sich so sehr, dass er bei der Polizei anrief und zwischenzeitlich sogar überlegte, Anzeige wegen Verleumdung zu stellen. "Das ist ein Humbug hoch zehn", sagt er über die Facebook-Kommentare. "Was glauben die Leute denn? Dass wir in der Auffangstation beliebig Ersatz-Schwäne im Schrank haben und einfach einen anderen schicken können?" Er vermisst Anerkennung für sein ehrenamtliches Engagement.
Jeder kann gerne helfen
"Ich bin 24 Stunden am Tag für Polizei und Feuerwehr und auch für Privatleute da. Bis zu 20 Anrufe kommen täglich rein: Vogel gefunden, kann nicht mehr fliegen. Waschbär in der Tonne. Und so weiter. Dann rücke ich aus und helfe. Das ist für mich nur ein Hobby, ich mache das nebenbei, mein Geld verdiene ich mit meiner Zimmerei. Und wenn ich mir dann so ein dummes Gesuder von Leuten anhören muss, dann ärgert mich das massiv."
Wer glaube, er könne und wisse es besser, "der darf seine Nummer gerne angeben, dann meldet sich die Polizei künftig bei ihm, wenn es wieder Notfälle gibt". Auch sei er jederzeit für Kritik offen und stelle sich Fragen, aber nicht auf Facebook, wo er nicht mal Mitglied ist, sondern im persönlichen Gespräch, sagt der 57-Jährige.
Bürgermeister greift ein
Weil Weiß im Ärger sagte, er wolle künftig nicht mehr bei Tier-Notfällen rund um den Stadtpark helfen, rief auch Bürgermeister Stefan Frank bei ihm an. "Er hat gesagt, er schätzt meine Arbeit sehr und er ist jederzeit bereit, sich für mich einzusetzen. Er hofft, dass ich mein Engagement nicht beende."
Und, schmeißt Weiß nun wirklich hin? Als Oberpfalz-Medien am Donnerstag, 23. Mai, bei dem Kümmersbucher nachfragt, klingt er schon wieder etwas gelassener – und zeigt ein großes Herz: "Wenn die Polizei anruft, werde ich immer da sein. Selbst wenn Frau [Name der Facebook-Kritikerin] anrufen würde, würde ich ihr helfen. Aber wenn es jemand besser kann und es machen will, dann soll er sich melden."
Familienglück im Stadtpark
Und wie geht es der Schwanenfamilie – haben sich im Stadtpark die Wogen auch wieder geglättet? Als Oberpfalz-Medien am Donnerstagnachmittag nach den Schwänen schaut, marschieren diese seelenruhig über die Wiesen und lassen sich ins Wasser gleiten. Der Vater hält keinen Abstand mehr, sondern ist nah bei seinen Liebsten. Er faucht nicht, er attackiert niemanden. Passanten sagen, so ruhig hätten sie ihn noch nie erlebt, er sei "wie verwandelt". Was ein Aufenthalt bei Hans Weiß in dessen Tierauffangstation nicht alles bewirken kann.
Schwäne: Infos und Verhaltenstipps von Vogelexperte Rudolf Leitl
- Gattung: Schwäne sind die größten Tiere in der Gattung der Entenvögel.
- Brut: Schwäne können über 20 Jahre alt werden, Paare bleiben lebenslang zusammen. Im Frühjahr kommen Junge zur Welt.
- Aggression: Die Sulzbacher Schwäne betrachten den Stadtpark als ihr Territorium, Spazier- und Gassigänger sind Fremdlinge. Aufgrund ihrer Größe zeigen sie hohe Wehrhaftigkeit, haben auch keine Angst vor Hunden. Fühlen sie sich bedroht, breiten sie die Flügel aus (Spannweite bis zu 2,50 Meter), stellen sich auf, senken den Kopf, fauchen.
- Angriff: Schwäne teilen zuerst Schläge mit den Flügeln aus, auch ein kräftiges, blitzartiges Beißen/Zwicken mit dem Schnabel ist möglich (sehr schmerzhaft, da keine Zähne, aber stachelförmige Hornpapillen zum Zerkleinern pflanzlicher Nahrung)
- Tipps: Abstand halten, bei Drohgebärden zurückweichen, bei Verfolgung Schrittgeschwindigkeit erhöhen, Hunde an die Leine nehmen. Stadt-Schwäne sind Menschen gewohnt und haben deshalb noch weniger Scheu.























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