Sulzbach-Rosenberg
24.09.2025 - 15:51 Uhr
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Hightech-Trainingsraum und mehr Praxis: So modern läuft die Pflegeausbildung in Sulzbach

Die Puppe kostet knapp 30.000 Euro, hat Puls, kann husten oder schreien. Die neu gebaute Berufsfachschule für Pflege am Krankenhaus St. Anna bietet hochmoderne Bedingungen. Was und wie Schüler hier lernen und welche Rolle Migranten spielen.

Hans-Jürgen Bruhn darf man sich nicht als spießigen Schulleiter vorstellen, der nur in seinem Büro sitzt, um Stunden- und Dienstpläne zu erstellen. Der Chef der Berufsfachschule für Pflege am Krankenhaus St. Anna in Sulzbach-Rosenberg liebt und lebt seinen Job. Dazu wirft er sich auch schon mal selbst in einem Toilettenraum auf den Boden und spielt einen bewusstlosen Patienten, der zusammengebrochen ist. Er lässt sich Blut abnehmen oder sogar eine Magensonde legen – über die Nase wird dazu ein Schlauch eingeführt.

Angenehm ist das nicht, vor allem, wenn es Anfänger machen. Doch Bruhn ist wichtig, dass seine Schüler bestmöglich lernen. Und dazu gehört eine realistische, lebensnahe Ausbildung. Künftig wird das an der Berufsfachschule so gut möglich sein wie noch nie seit ihrer Gründung 1963. Das liegt nicht nur daran, dass sich der Schulleiter gelegentlich selbst als Übungspatient zur Verfügung stellt, sondern vor allem am nagelneu gebauten Gebäude, das Anfang September in Betrieb genommen wurde und nun beste Lern- und Ausbildungsbedingungen bietet.

15 Millionen Euro

Es handelt sich dabei um einen Anbau an das Krankenhaus St. Anna, das zum einen die neue Intensivstation beinhaltet, zum anderen die neu konzipierte Berufsfachschule für Pflege. Insgesamt hat der Landkreis als Träger dafür circa 15 Millionen Euro in die Hand genommen – es ist eines der größten Bauprojekte in der Geschichte des Kommunalunternehmens Krankenhäuser des Landkreises Amberg-Sulzbach. Bei einem Besuch hat sich Oberpfalz-Medien selbst ein Bild gemacht.

Ganze zehn Jahre lang war die Berufsfachschule in Containern hinter dem Krankenhaus untergebracht. "Früher mussten wir Betten vom Krankenhaus über den Hof zu uns schieben, das war ein unglaubliches Rumeiern. Jetzt sind wir direkt angebaut, es gibt einen Aufzug", sagt Hans-Jürgen Bruhn. Die Schüler haben nun einen Brotzeit- und Küchenraum, einen Garten für Pausen, es gibt hochmoderne Klassen- und Lehrerzimmer mit Beamer, Klimaanlage und CO2-Wächter, Veranstaltungs- und Umkleideräume und – der ganze Stolz von Schulleiter Bruhn – ein "Skills Lab".

Hightech-Trainingsraum

Wortwörtlich übersetzt heißt das "Fähigkeitenlabor", es handelt sich um einen Trainingsraum, der mit modernster und sündteurer Technik ausgestattet ist und in dem die Auszubildenden üben können, wie sie später einmal in ihrem Job als Pflegefachfrau oder als Pflegefachhelfer mit Patienten umgehen müssen.

Im Skills Lab hängen drei Kameras an der Decke. Alles, was die Schüler in dem Krankenhauszimmer machen, wird gefilmt, per Mikrofon aufgenommen und in einem Nebenraum auf einem Bildschirm von Lehrern beobachtet. Im Bett liegen unterschiedliche Puppen. Die Reanimationspuppe – neu bis zu 30.000 Euro teuer – beispielsweise können Lehrer vom Nebenzimmer aus über ein Headset sprechen lassen, sie kann auch atmen, über einen Lautsprecher im Hals husten, Schmerzschreie von sich geben und hat Puls. Auch das Reanimieren lässt sich an ihr üben.

Die Pflegepuppe im Bett nebenan wiederum hat einen Dekubitus an der Ferse, eine offene Wunde. Wie damit umgehen? Oder: Wie eine Kanüle in den Arm legen oder einen Katheter, wie Spritzen verabreichen? Die Puppe hat Stellen, die so konstruiert sind, dass sie sich wie echte menschliche Haut anfühlt, die Schüler können hier wirklich mit Spritzen reinstechen.

Gitter ist Freiheitsberaubung

Drei Jahre dauert die Ausbildung zur/zum Pflegefachfrau/mann, 2100 Unterrichtsstunden sind das. "Künftig werden wir viel mehr Unterricht auf Praxisübung umstellen, viel mehr hier im Skills Lab trainieren", sagt Hans-Jürgen Bruhn. "Am effektivsten ist es aber, wenn die Schüler sich zum Beispiel selbst Blut abnehmen, natürlich freiwillig. Diese Selbsterfahrung lässt sie empathischer werden, sie versetzen sich besser in die Rolle der Patienten."

Gelehrt würden auch rechtliche Aspekte. Zum Beispiel darf das Gitter beidseitig am Krankenbett nur mit Zustimmung des Patienten hochgezogen werden, andernfalls ist es Freiheitsberaubung. Stimmt der Patienten nicht zu, geht es nur über eine richterliche Anordnung. Auch renitente Patienten mit Ledergürteln zu fixieren, komme so gut wie nicht mehr vor, sagt Bruhn.

So viele Schüler wie nie

"Da hat sich so viel geändert, das Bewusstsein für die Rechte der Patienten ist sehr groß. Wenn einer völlig austickt, fixieren wir ihn nicht mehr, der kommt in die Psychiatrie, da sind Fachleute. Und wer rausfallen könnte oder sich keinesfalls bewegen darf, da machen wir die Seitengitter auch nur mit seiner Zustimmung hoch. Wenn er sich weigert, nehmen wir im Zweifel eben sogar in Kauf, dass er aufsteht und hinfällt – aber seine Freiheit ist oberstes Gut."

Der 59-Jährige, der in Amberg geboren wurde und mit seiner Frau in Königstein lebt, hat selbst in St. Anna Krankenpfleger gelernt, machte später eine Lehrerausbildung und einen Bachelor als Berufspädagoge im Gesundheitswesen. Seit 2005 ist Bruhn Schulleiter. 106 Schüler in vier Klassen sind an seiner Schule – so viele wie nie zuvor. Der Job sei attraktiv, die Bezahlung gestiegen und man habe eine absolute Beschäftigungsgarantie.

"Pflege ist heutzutage ein Top-Thema. Alle unsere Absolventen können in der Oberpfalz oder im Landkreis arbeiten." Ein großer Teil würde sogar direkt im Krankenhaus St. Anna übernommen. Das, so Bruhn, sei kein Wunder. "St. Anna tut viel für die Mitarbeiter. Es gibt hier ein Parkdeck, eine Kantine, wir können sogar abends Essen in Boxen mitnehmen, dann muss man nichts mehr kochen, und wir haben die Möglichkeit, vergünstigt Physiotherapie zu machen."

Rohrwerker können kommen

Dennoch gelte auch in der Pflegebranche: Ohne Menschen mit Migrationshintergrund gehe fast nichts mehr. "Ich habe hier Schüler aus Syrien, Indien, Afrika, Kasachstan, Tschechien, der Ukraine, sogar einen aus Wales. Wenn man mir ausländische Schüler wegnehmen würde, bekäme ich die Zahlen nicht her, um die Schule zu füllen." Auch Spätentschlossene, teils über 40 oder gar 50 Jahre, seien immer wieder unter den Schülern vertreten.

Und weil gerade in der Stadt viel über die Rohrwerk-Insolvenz und die Kündigung von 270 Mitarbeitern gesprochen wird, sagt Bruhn: "Es gäbe keinen Grund, einen Rohrwerker nicht zu nehmen. Auch Ältere, mit 55 beispielsweise." Die Pflegebranche boome, alle Interessierten würden gerne ausgebildet, denn der Arbeitsmarkt brauche sie.

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Sulzbach-Rosenberg27.08.2025
Hintergrund:

Pflegekräfte: Ausbildung, Verdienst, Job-Optionen

  • Zwei Ausbildungen gibt es an der Berufsfachschule für Pflege: Pflegefachmann/frau (3 Jahre), Pflegefachhelfer/helferin (1 Jahr).
  • Gehalt: Azubis in der Pflege erhalten seit 1. April 2025 im 1. Jahr 1416 Euro, im 2. Jahr 1477 Euro und im 3. Jahr 1578 Euro.
  • Voraussetzungen: Pflegefachhelfer brauchen mind. einen Hauptschulabschluss, Pflegefachfrauen/männer brauchen Realschule oder Hauptschule plus die einjährige Pflegefachhelfer-Ausbildung oder Hauptschule plus mind. eine zweijährige (beliebige) Berufsausbildung.
  • Job-Optionen: sehr vielseitig z.B. in Pflegeheim, Krankenhaus, Sozialstation, Gefängnis, Psychiatrie, Rehabilitation, Gesundheitsamt.
  • Generalistik: Um auf den Pflegenotstand zu reagieren, wurden 2020 die Berufe Altenpflege, Krankenpflege und Kinderkrankenpflege zusammengeführt zu Pflegefachfrau/mann. Der Berufsabschluss ist EU-weit anerkannt.
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