03.08.2018 - 11:08 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Idee des Friedens erlebbar machen

Shalom, Salam, Salem – drei unterschiedliche Wörter aus verschiedenen Sprachen, aber alle bedeuten das gleiche, nämlich Frieden.

Chorleiter Franz-Xaver Reinprecht begleitet den bestens disponierten Multichor auf der Gitarre.

(cog) Das war das Motto eines großen Konzerts, mit dem der Multichor der Städtischen Sing- und Musikschule die Zuhörer begeisterte. Dafür hätte man sich keinen besseren Ort als die ehemalige Synagoge denken können, und nicht ohne Grund waren das Katholische und das Evangelische Bildungswerk Mitveranstalter. Johann Bauer, Geschäftsführer der KEB und Bass im Chor, begrüßte deshalb die Besucher.

Die 32 Sängerinnen und Sänger hatten mit ihrem Chorleiter Franz-Xaver Reinprecht ein sehr vielfältiges Programm einstudiert, das von afrikanischem Liedgut über russisches und georgisches bis hin zu deutschen Liedermachern und Jazz reichte. Ein besonderer Schwerpunkt im Programm waren traditionelle jüdische Lieder und einige, die aus der Gründungszeit Israels stammen. Damit machten die Sänger die weltumfassende Idee des Friedens erlebbar. Sehr beeindruckend waren drei Niguns; osteuropäische Gesänge ohne Text, deren weit schwingende Melodien und kraftvolle Dynamik die Zuhörer berührten. Die meisten Lieder sang der Chor a cappella, aber manchmal begleitete Reinprecht die Sänger auf der Gitarre. So auch beim sibirischen „Cadana“, das der Multichor von seiner Tournee nach Russland mitgebracht hat. Hier, wie bei einigen weiteren Liedern, traten einige Sänger auch als Solisten hervor. Wunderschön war „Shen khar“, das älteste überlieferte Lied aus Georgien. Wie Reinprecht erläuterte, ist es ein lyrisches Liebeslied. Der ungewöhnliche dreistimmige Satz erklärt sich daraus, dass in Georgien traditionell Männer und Frauen nicht zusammen singen. Die in Europa übliche Einteilung der Chorstimmen in Sopran, Alt, Tenor und Bass gibt es deshalb dort nicht. Das Lied beschreibt mit einer innigen Weise die Schönheit der Geliebten. Der Chor sang mit tiefem Gefühl und zartem Verständnis, bis das Lied in einem wunderbar dichten, sinnlichen Pianissimo verklang.

Eine Welturaufführung war Reinprechts Chorsatz von André Hellers „Leon Wolke“. Dank der sehr klaren Artikulation konnten die Besucher nicht nur die klug arrangierte Melodie genießen, sondern auch den unendlich traurigen Text über einen Überlebenden des Holocaust. Klug gesetzte – und präzise gesungene – Generalpausen verstärkten die Aussage und bei den Zuhörern die Gänsehaut.

„Shalom Alechem“ ist ein Abendgebet, eine emotionale Bitte um Frieden und Versöhnung. Mit diesem Lied wollte sich der Chor verabschieden, aber das Publikum applaudierte so stürmisch, das es noch mit einem alten Sanskrit-Gesang verwöhnt wurde. Und weil dieses Konzert ausgebucht war, wiederholt der Multichor das Programm am Dienstag, 2. Oktober, um 19.30 Uhr in der Amberger Synagoge.

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