Sulzbach-Rosenberg
04.05.2026 - 16:50 Uhr
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Wie Imker Alexander Lotter Kinder für Bienen und die Natur begeistert

Alexander Lotter hat eine Tochter im Kindergarten An der Allee. Und jetzt auch noch Tausende von Bienen. Warum das Nistprojekt in Sulzbach-Rosenberg besonders ist, spannende Details über Bienenvölker und warum Imkern glücklich macht.

Bienen wuseln umher, Summen liegt in der Luft, Honig glänzt in der Sonne – und die Kinder staunen begeistert: Als Alexander Lotter einen Brutrahmen aus dem Nistkasten zieht und das gelbe Wabengebilde mit den sechseckigen Zellen und unzählige fleißigen Insekten sichtbar werden, nuscheln die Kleinen Sätze wie "Ohhh, das ist ja toll." und "Da sind ja ganz schön vieeele drin." Lotter ist nicht nur Berufssoldat und Wirt im Gasthof zum Bartl, sondern seit vier Jahren auch Imker. Als solcher hat er jetzt ein Bienenprojekt im evangelischen Kindergarten "An der Allee" gestartet – das gab es so in Sulzbach-Rosenberg bislang schon in den Schulen, aber noch nicht in einem Kindergarten.

Ist das nicht gefährlich? Und können Kinder zwischen drei und sechs Jahren überhaupt vernünftig mit einem Bienenvolk arbeiten? Beim Pressegespräch erklärt Einrichtungsleiterin Linda Hirsch: "Uns ist es wichtig, dass Kinder einen Bezug zur Natur haben und lernen, Bienen zu schützen. Die Kleinen lassen sich für so ein Projekt super begeistern." Allerdings hatten sie und ihre Erzieherinnen ein Problem: "Wir selbst sind keine Imker, haben keine Schutzausrüstung, nichts." Wie es der Zufall wollte, kam da von sich aus Alexander Lotter, der selbst eine Tochter in dem Kindergarten hat, auf das Personal zu und bot an, hier ein Bienenvolk anzusiedeln.

Arbeit und Mühe zahlt sich aus

Der Bienenstock steht seit einigen Wochen im Obergeschoss auf der abgesperrten Dachterrasse, geschützt vor Vandalismus und tobenden Kindern. Sie können und sollen dort hin, haben aber nur mit Betreuern oder Alexander Lotter Zugang. Von dieser erhöhten Position der Terrasse aus, im Schatten der mächtigen Alleebäume, können die Bienen ungestört ausfliegen und ihren Dienst in der Natur verrichten. Wie wichtig dieser ist, erfahren sie von Lotter einmal wöchentlich in einer Lehrstunde.

Der 43-Jährige sagt: "Die Kinder erleben hier einen Kreislauf: Vom Frühjahr, wenn die Königin Eier legt über das Schlüpfen der Brut bis hin zum Honig-Schleudern am Lehrbienenstand des Bienenzuchtvereins Sulzbach-Rosenberg. Der Honig wird dann cremig gerührt. Die Kinder sehen so: Die Mühe hat sich gelohnt, Arbeit zahlt sich aus, es kommt am Schluss was dabei raus." Linda Hirsch sagt, die Kinder freuten sich schon, denn sie würden bald Honigbrote zum Essen bekommen und hätten eigenen Honig für ihren Tee im Herbst und Winter.

Und auch so werden die Kleinen voll beteiligt: "Wir sind aktuell auf der Suche nach einem Namen für unseren Honig. Wir haben schon gute Vorschläge. Auf der Kinderkonferenz wird endgültig entschieden." Später werde der Honig dann auch in Gläsern verkauft, zum Beispiel auf den Märkten in der Altstadt. Um am Bienenstock helfen zu können, wurden, vom Förderverein finanziert, weiße Ganzkörper-Schutzanzüge mit Handschuhen und Schleier angeschafft – extra in Kindergröße.

40.000 Insekten pro Volk

Zweimal pro Saison werde Honig geerntet. Ende Mai gibt es Blütenhonig, der ist blumig-mild und wird von den Bienen aus dem Nektar der Blüten gewonnen. Im Juli wiederum ist die Zeit des Waldhonigs. Der ist dunkler, kräftig-würzig und stammt aus Honigtau, das sind Ausscheidungen von Blattläusen an Bäumen.

Matthias Bohmann, Vorsitzender des Bienenzuchtvereins, erklärt, dass der Honig für die Tiere als Futter für den Winter dient. Werde er von Imkern geerntet, müsse man den Bienen Honigsirup als Ersatznahrung geben, damit sie über die kalte Jahreszeit kommen. Im Winter reduziere sich ein Bienenvolk sowieso massiv. "Es herrscht Futterknappheit, der ganze Organismus wird heruntergefahren, die Königin legt keine Eier. Von rund 40.000 Bienen überleben nur wenige Tausend", sagt Bohmann. Die Überlebenden seien die Kernzelle, um im Frühjahr ein neues Volk aufzubauen.

Ohne Bienen keine Menschen

Für den Bienenzuchtverein sind Projekte, wie es Alexander Lotter gestartet hat, wichtig, um die Imkerei am Leben zu erhalten. Denn ohne Bienen, sagt Lotter, gäbe es letztlich keine Menschen. Die Tiere bestäuben Pflanzen, die wir für eine ausgewogene Ernährung, Vitamine und die Artenvielfalt brauchen. Der Verein unterstütze deshalb Bürger, die sich für das Thema interessieren und mit dem Gedanken liebäugeln, sich für den Garten ein eigenes Bienenvolk zuzulegen (siehe Infokasten unten).

Doch mindestens genauso wichtig sei es, Nachwuchs unter Jungen zu generieren, betont Vorsitzender Bohmann. Der 48-Jährige sagt, sowohl im Gymnasium als auch in der Realschule gäbe es Bienen-Projekte, zudem in der Pestalozzi- und der Jahn-Grundschule. Mit Ausnahme des Waldkindergartens ist der Kindergarten An der Allee nun der erste mit einem eigenen Bienenvolk, das nicht nur der Naturpädagogik dient, sondern auch der Nachwuchsgewinnung.

"Wir wollen das Imkern den Kindern schon vor der Schule schmackhaft machen." Wer sich als Talent herausstelle, werde vom Bienenzuchtverein auch gefördert und unterstützt und könne an Meisterschaften teilnehmen. 2024 habe eine Sulzbacher Mannschaft sogar den zweiten Platz bei der Jugend-Imkermeisterschaft in Dubai gewonnen.

Bienenstock als Ruhe-Oase

Alexander Lotter jedenfalls muss nicht mehr begeistert werden. Neben seinem Bienenvolk im Kindergarten hat er noch andere Stöcke an Standorten in der Natur stehen. "Da, wo meine Völker stehen, da komme ich zur Ruhe. Da stelle ich manchmal meinen Campingstuhl auf und schaue einfach nur zu, wie sie fliegen: rein und raus, permanent, das ist faszinierend. Und wenn man dann reinschaut in den Kasten und den Eintrag an Honig sieht, der hinzukommt, das können zwei bis drei Kilo täglich sein, dann macht mich das glücklich. Ich kann dann zu Hause meinen Kindern eigenen Honig anbieten. So etwas, das will ich weitergeben."

Hintergrund:

Was ist das "Imkern auf Probe"?

  • Vereinsmitglieder geben an Interessierte ein Bienenvolk ab.
  • Die Neulinge werden von erfahrenen Imkern ein Jahr lang begleitet, bekommen Tipps, Ratschläge, werden im Umgang mit den Bienen angeleitet.
  • Im zweiten Jahr können die Probe-Imker ihr eigenes Volk selbst betreuen – immer noch mit Unterstützung
  • Es gibt einen regelmäßigen Imkerstammtisch, der als Netzwerk dient und bei dem Tipps und aktuelle Infos ausgetauscht und Hilfe angeboten werden
  • Laut Alexander Lotter betragen die Kosten für ein Bienenvolk pro Jahr circa 150 Euro (z.B. für Futter und Medikamente). Größere Anschaffungen, wie Bienenkästen, nicht eingerechnet.
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