14.10.2019 - 12:03 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Johann Flierl: Verehrt in der Südsee, in der Oberpfalz (noch) wenig bekannt

Wer ist Johann Flierl? In Rosenberg trägt eine Straße seinen Namen - viel mehr wissen nur wenige. Das wird sich ändern, denn am 31. Oktober öffnet in Fürnried das Johann-Flierl-Museum seine Pforten.

Anni Weber (links) und Gerda Stollner berichten im Stadtmuseum Sulzbach-Rosenberg über Leben und Werk des Missionars Johann Flierl in Papua-Neuguinea.
von Helga KammProfil

Wissenswertes gab es vorab im Stadtmuseum mit dem Vortrag "Vom Bauernsohn zum Missionar". Der Museums-Förderverein hatte zwei Frauen zu Gast, die Johann Flierl, dem Begründer der ersten evangelisch-lutherischen Tochterkirche in Papua-Neuguinea, viel Aufmerksamkeit und Zeit widmen. Anni Weber und Gerda Stollner haben das Johann-Flierl-Museum ins Leben gerufen. "Da kommen Menschen aus Neuguinea, stehen ergriffen und singend vor seinem Haus, und wir haben nichts", nennt Anni Weber den Grund für ihre Initiative.

Nach dem Reformationstag werden die beiden Frauen und ihre Unterstützer wie Pfarrer Andreas Utzat und Bürgermeisterin Brigitte Bachmann einen Platz haben, an dem der große Sohn des Birglandes gewürdigt wird. Mit Fördermitteln der EU konnte das alte Schulhaus in Fürnried saniert werden. "Im ersten Stock, in dem Klassenzimmer, in dem der kleine Johann Flierl zur Schule ging, wird im künftigen Flierl-Saal sein Leben und Wirken dargestellt", beschreibt Gerda Stollner die Pläne.

Wer also war Johann Flierl? Hoch verehrt in der Südsee, in seiner Heimat wenig bekannt. Ein Oberpfälzer Bauernsohn, 1858 in Buchhof bei Fürnried geboren, in einfachen Verhältnissen aufgewachsen, der als Neunjähriger schon so weit in die Welt hinaus wollte, "dass ich nicht mehr weiter könnte". Nach Lehrjahren in der Neuendettelsauer Missionsanstalt machte sich Flierl 1886 über Australien auf den Weg nach Neuguinea. "Der 12. Juli 1886, der Tag an dem er als erster protestantischer Missionar ankam, ist dort heute noch Flierl-Gedenktag", beschreibt Anni Weber das Ansehen, dass Flierl in diesem Land genießt.

Die Anfänge seiner Arbeit waren nicht leicht. Stammesfehden, Blutrache, Geisterglauben und Kannibalismus der Eingeborenen brachten sein Leben nicht selten in Gefahr. Zusammen mit seiner Frau baute er in den folgenden Jahrzehnten 18 Missionsstationen auf, gründete Schulen, Krankenhäuser und Kirchen. "13 Jahre dauerte es bis zur ersten Taufe", weiß Anni Weber, "aber am Ende seines Wirkens hatten sich 50 000 Menschen taufen lassen."

Flierl war Missionar und Doktor, brachte Saatkartoffeln aus der Heimat mit und führte die Arbeit mit Ochsen ein. Vor allem aber besaß sein Leben mit Frau und vier Kindern Vorbildfunktion und überzeugte die Einheimischen von einem friedlichen Miteinander. 1930, mit 72 Jahren, nahm Flierl unter großer Anteilnahme der Bevölkerung Abschied von Neuguinea. Heute genießt der Pionier am anderen Ende der Welt weltweites Ansehen, vor allem auch in den USA. "Seinen Lebensabend", so Anni Weber, verbrachte Flierl in Neuendettelsau". Gut zu Fuß sei er gewesen, habe die Dörfer und Stätten seiner Kindheit und Jugend erwandert, Altmannshof, Sulzbach und vor allem Fürnried, habe seine Memoiren geschrieben. 1947 ist Johann Flierl verstorben, wurde in Neuendettelsau auf dem Gemeindefriedhof begraben. In dem Land, in dem er wirkte, in Papua-Neuguinea, gibt es heute eine Million Lutheraner bei einer Bevölkerung von 6,9 Millionen.

Nun will ein Förderverein die Erinnerung an seine Leben wachhalten. "Es geht uns nicht in erster Linie um die Mission", versicherte Anni Weber, "sondern darum, dass unsere Kinder nichts mehr von ihm wissen." Susanne Froehlich, eine Ururenkelin, die zwei Bücher über ihren Vorfahren, sein Leben und Wirken herausgegeben hat, trägt dazu bei. Schriften und Reiseberichte Flierls, ein Reisekoffer, auch Kleidungsstücke und Haushaltsgeräte aus Papua-Neuguinea werden im Flierl-Museum zu besichtigen sein.

Dass das Interesse daran groß ist, zeigte sich in der Scheune des Stadtmuseums in Sulzbach-Rosenberg. Peter Lang und Markus Brandl vom Förderverein freuten sich über viele Gäste. Unter ihnen waren einige, die wie Herrman Gnahn weit zurückliegende verwandtschaftliche Bande zu Johann Flierl haben.

Zum Thema:

Johann-Flierl- Museum

Die Eröffnung des Johann-Flierl-Museums in Fürnried nimmt am Donnerstag, 31. Oktober, Regionalbischof Klaus Stiegler vor. An den Folgetagen, vom 1. bis 3. November, werden jeweils am Nachmittag öffentliche Führungen angeboten.

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