Sulzbach-Rosenberg
29.10.2026 - 14:24 Uhr

Jürgen Kandziora verabschiedet sich: Leseranwalt geht in Ruhestand

Jürgen Kandziora, der langjährige Leseranwalt von Oberpfalz-Medien, tritt nach vier Jahrzehnten im Journalismus in den Ruhestand. Seine Karriere begann spontan und führte ihn vom Redakteur zum Vermittler zwischen Leserschaft und Redaktion.

Jürgen Kandziora an seinem Arbeitsplatz in den Redaktionsräumen in Sulzbach-Rosenberg. Zum Monatsende verlässt der Leseranwalt und ehemalige Lokalchef der "Amberger Zeitung" Oberpfalz-Medien. Bild: za
Jürgen Kandziora an seinem Arbeitsplatz in den Redaktionsräumen in Sulzbach-Rosenberg. Zum Monatsende verlässt der Leseranwalt und ehemalige Lokalchef der "Amberger Zeitung" Oberpfalz-Medien.

Wenn in der Redaktion in Sulzbach-Rosenberg das Telefon des Leseranwalts klingelte, ging es selten um Belanglosigkeiten. Beschwerden, Kritik, Anregungen oder der Wunsch nach einer Erklärung der redaktionellen Arbeit landeten über Jahre hinweg bei Jürgen Kandziora. Nach vier Jahrzehnten im Journalismus und über neun Jahren als Leseranwalt von Oberpfalz-Medien verabschiedet sich der 65-Jährige nun in den Ruhestand.

Der Weg in den Journalismus war einst gar nicht geplant, erzählt er. Nach seiner Zeit bei der Bundeswehr weckte die Lektüre der „Amberger Zeitung“ recht spontan sein Interesse am Beruf. Auf ein Praktikum folgte 1986 das Volontariat. Danach arbeitete Jürgen Kandziora als Redakteur in der Amberger Stadtredaktion, wurde stellvertretender Lokalchef und übernahm später die Leitung der Redaktion, die dann bereits den Landkreis Amberg-Sulzbach mit umfasste.

Gespräche als Schlüssel

2017 wechselte er in eine Rolle, die zu dem erfahrenen Lokaljournalisten passte: Leseranwalt. Die neu entwickelte Aufgabe bestand darin, Leseranliegen aufzunehmen, Beschwerden nachzugehen und zwischen Redaktion und Leserschaft zu vermitteln. Vor allem auch sollte der Leseranwalt zuhören.

„Es ist mir oft passiert, dass mir jemand sagt, er hätte nicht gedacht, dass er ein Gesprächsangebot bekommt“, erinnert sich Kandziora. Gerade das persönliche Gespräch war für ihn der Schlüssel. Leser sollten merken, dass ihre Kritik ernst genommen wird und im Haus Gehör findet.

In seine Zeit fielen Jahre, in denen das Verhältnis vieler Menschen zu Medien spürbar schwieriger wurde. Die Debatten nach den Kölner Silvesterereignissen von 2016 wirkte nach, und vor allem die Corona-Pandemie führte zu schärferen Auseinandersetzungen. „Das war keine schöne Zeit“, sagt Kandziora rückblickend. Dennoch hielt er am Dialog fest, auch wenn die Fronten mitunter verhärtet waren.

Seine Arbeit beschränkte sich dabei nicht auf Grundsatzdebatten. Oft ging es um Themen, die den Leserinnen und Lesern besonders am Herzen lagen. So setzte sich eine große Zahl von Abonnenten für die Rückkehr des Börsenkastens ein. Auch solche Anliegen brachte Kandziora in die Diskussionen innerhalb des Hauses ein.

Schlichter statt Richter

Der Leseranwalt verstand sich als Vermittler und Schlichter, nicht als Richter. Beschwerdeführern gab er in vielen Fällen Recht, verteidigte aber ebenso die Arbeit der Redaktion, wenn er deren Entscheidungen nachvollziehen konnte. Entscheidend war für ihn stets ein fairer Blick auf beide Seiten.

Die journalistische Neugier hat ihn dabei nie verlassen. „Alles kann man nicht wissen“, lautete eine seiner Überzeugungen. Wer Antworten geben wolle, müsse recherchieren, nachfragen und offen für neue Erkenntnisse bleiben.

Auf die Entwicklungen in der Medienbranche blickt Kandziora mit gemischten Gefühlen. „Ich habe bei vielen Dingen festgestellt, das ist nicht mehr meine Welt“, sagt er. Neuerungen lehnt er jedoch nicht grundsätzlich ab. Auch beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz sieht er Chancen. Für ihn bleibt aber entscheidend: „Am Ende muss immer ein Mensch stehen, der ein Auge drauf hat.“

Prägende Begegnungen

Was den Journalismus für ihn so besonders gemacht hat, sind die Begegnungen mit Menschen. Der Beruf habe ihm Einblicke in Lebenswelten ermöglicht, die ihm sonst verschlossen geblieben wären: Gespräche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel ebenso wie Begegnungen mit Unternehmern, Polizeibeamten, Landwirten oder ehrenamtlich Engagierten vor Ort. „Es war in jedem Fall der Beruf, der mich ausgefüllt hat – ohne, dass ich es vorher gewusst hätte.“

Für den Ruhestand hat er bewusst keine große Liste an Vorhaben. „Pläne sind ja wieder etwas, das man abarbeiten muss“, sagt er. Stattdessen freut er sich auf mehr Freiheit, auf Reisen im Wohnmobil mit seiner Frau Ingrid und auf Zeit, die nicht vom Redaktionsalltag bestimmt wird.

Dem Journalismus wird er als Beobachter verbunden bleiben. Und ganz wird er seine berufliche Prägung wohl nie ablegen. Worauf er künftig als lesender Rentner besonders achten werde? Auf „Das-und-dass-Fehler“ und andere sprachliche Ungenauigkeiten. „Ich war und bin sehr pingelig, was Qualität anbelangt.“

Mit seinem Abschied endet ein besonderes Kapitel bei Oberpfalz-Medien. Die Redaktion hat ihre Führungsstruktur inzwischen neu aufgestellt und wird den Austausch mit den Leserinnen und Lesern künftig auf mehreren Ebenen sicherstellen. Was bleibt, ist die Erinnerung an einen Journalisten, der stets überzeugt war, dass guter Journalismus dort beginnt, wo Menschen einander zuhören.

Kontakt zur Redaktion: Sie haben Fragen zu unserer Berichterstattung oder Kritik an unseren Artikeln? Dann schreiben Sie gern eine Mail an redaktion[at]oberpfalzmedien[dot]de oder rufen Sie uns unter Telefon 0961/85-444 an und hinterlassen eine Nachricht.

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