14.02.2020 - 15:48 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

K-Frage bei den Knappen kein Problem

Eigentlich ist es wie jedes Jahr - ein wunderschöner Konzertabend der Bergknappenkapelle. Am Ende aber steht ein Abschied.

Sein letztes Konzert als Stadtkapellmeister: 23 Jahre lang führte Johannes Mühldorfer die Bergknappenkapelle durch Höhen und Tiefen.
von Helga KammProfil

Das Tor zur Krötensee-Mittelschule war noch geschlossen, da warteten schon lange Schlangen auf Einlass. Das Jahreskonzert der Bergknappenkapelle zieht seit 13 Jahren Blasmusikfreunde aus nah und fern an. Ein weiterer Grund kam diesmal hinzu: der Abschied des Stadtkapellmeisters. Johannes Mühldorfer legte nach 23 Jahren sein Amt nieder, aber die K-Frage war hier kein Problem: Bereits bei der letzten Zugabe hielt der Nachfolger den Stab in der Hand.

So konnte Siegfried Meier neben den treuen Fans auch zahlreiche Gäste aus dem politischen und öffentlichen Leben begrüßen, die dem scheidenden Kapellmeister und Musikpädagogen für seine lange erfolgreiche Arbeit dankten. Das vertraute Bild der Musikerinnen und Musiker in der traditionellen Uniform der Bergleute und der Tschakos mit dem roten Federbusch wird es auch bei künftigen Konzerten geben, dann aber mit einem neuen Dirigenten am Pult.

Gerhard Böller aus Gebenbach kennt die Bergknappenkapelle, hat sie schon oft unterstützt mit Flügelhorn, Waldhorn und Saxofon. Einen „erfahrenen und versierten Mann“ nennt ihn Johannes Mühldorfer. Er leite in seinem Heimatort eine Blaskapelle und werde von den Mitgliedern seines künftigen Orchesters geschätzt. Beim Jahreskonzert saß er unter ihnen, spielte sein Flügelhorn, bis er bei den Zugaben von Mühldorfer gerufen wurde und aus seinen Händen den Stab übernahm.

Gerhard Böller (links) übernimmt den Stab von Johannes Mühldorfer. Der Gebenbacher ist der neue Leiter der Bergknappen- oder Stadtkapelle Sulzbach-Rosenberg.

Hier lesen Sie ein Interview mit dem scheidenden Stadtkapellmeister Johannes Mühldorfer

Sulzbach-Rosenberg

Vorangegangen war ein Konzertabend, der keine Wünsche offen ließ. „Ein Programm, in das Johannes seine Lieblingsstücke gepackt hat“ nannte es Alexandra Ottmann. Die Gründerin und Vorsitzende des Bergknappen-Fördervereins stellte wie bei jedem Konzert die einzelnen Stücke vor, beschrieb ihre Geschichte, erzählte von den Komponisten. Sie führte das Publikum an die Musik heran, die von den rund 30 Frauen und Männern mit Können, Disziplin und großer Spielfreude vorgetragen wurde.

Stadtkapellmeister Mühldorfer weiß sein Orchester „in sehr guter Verfassung“ und ist stolz auf die vielen Erfolge in den vergangenen Jahren. Die Bemühungen, Frauen und junge Leute für die Kapelle zu gewinnen, waren erfolgreich. Selbst ein ganz junges Gesicht war an diesem Abend voll konzentriert mit dem Triangel dabei, der erst elfjährige Fritz Haberberger.

So breitgefächert wie das Alter der Mitwirkenden war auch das Repertoire. Die „glänzenden Perlen der Blasorchester-Literatur“ erklärte Alexandra Ottmann. Sie bezeichnete „Oregon“ als eine abenteuerliche Zugfahrt durch den Wilden Westen Amerikas. Die Musik beschrieb das Thema in Moll, gepaart mit Variationen in Western- und Rockrhythmen und melodiösen Passagen. Ein Potpourri aus der Operette „Maske in Blau“, ein Streifzug durch das Musical „West-Side-Story“, Barry Manilows swingendes „Copacabana“ und der Military-Marsch „Pomp and Circumstance“ als die Hymne der englischen „Last night of the Proms“. Es waren durchwegs anspruchsvolle, oft schwierige Musikstücke, die das Orchester zu meistern hatte. Frank Sinatras Lieblingslied „My way“ mit dem Trompeten-Solo von Michael Heinz oder Elton Johns „Candle in the wind“ waren Highlights und bekamen großen Applaus, ebenso aber die sogenannte Nationalhymne der Blasmusiker, der „Böhmische Traum“. Die Inhalte und Stimmungen, die Gefühle und Rhythmen zeichneten die mehr als 30 Musikerinnen und Musiker mit ihren Instrumenten nach. Von den kleinen Flöten über die mittleren Blasinstrumente bis zu den großen Bass-Tuben, den Schlagwerken und Rhythmusinstrumenten gab es ein harmonisches Zusammenspiel aller, von gefühlvollen Passagen bis zu gewaltiger Klangfülle, bei traditionellen Stücken ebenso wie bei modernen.

Der bewegende Abschluss auch dieses Jahreskonzerts, der Glückauf-Marsch, leitete über zu den Zugaben und dem Wunsch Johannes Mühldorfers, sein Nachfolger möge mit einer fleißigen, aufmerksamen und zuverlässigen Mannschaft erfolgreich arbeiten können. Dessen Debüt als Dirigent bekam viel Beifall, während der Scheidende mit Dankesworten, Rosen und Geschenken in den „Kapellmeister-Ruhestand“ verabschiedet wurde.

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