11.10.2020 - 16:08 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Kabarett im Capitol: Springer ohne Punkt und Komma

Rotzglockenrucksackerl, Maultäschle oder Söder-Sackerl, solche Synonyme für die Mund-Nasen-Schutzmaske können selbst einer Pandemie noch humorvolle Seiten abgewinnen. In seiner „Satire für das Oberstübchen“ klärte Christian Springer auf.

Zyniker, Eierwerfer, Botschafter der Menschlichkeit: Kabarettist Christian Springer bei seiner Doppelvorstellung im Capitol.
von Helga KammProfil

Rotzglockenrucksackerl, Maultäschle oder Söder-Sackerl, solche Synonyme für die Mund-Nasen-Schutzmaske können selbst einer Pandemie noch humorvolle Seiten abgewinnen. In seiner „Satire für das Oberstübchen“ aber schaute Christian Springer vor allem mit kritischem Blick hinter die Kulissen.

Den Abend im Capitol begann Springer mit einem Dank: An die Veranstalter, „dass sie die Bude aufgmacht ham“ und an das Publikum im Saal, das trotz vieler Einschränkungen gekommen war. Am 13. März stand der Münchner Vollblutkabarettist zum letzten Mal auf der Bühne, dann kam Corona. Seine beiden Vorstellungen im Capitol sind für ihn ein Neubeginn und „fast schon normal“.

Die geplante Vorpremiere für sein neues Projekt bleibt dabei auf der Strecke, aber auch der Ersatz „Best of Springer“, ist hervorragendes bajuwarisches Kabarett. Um das Thema Corona kommt auch er nicht herum. Sieht positive Folgen, wenn Delfine im Hafenbecken von Venedig schwimmen, und hat Mitleid mit verzweifelten Einbrecherbanden: „Da geht nix mehr, in jedem Fenster brennt a Licht“.

Harmlos und zynisch

Springer ist der sympathische Typ von nebenan, der auf der Bühne münchnerisch plaudert, auch poltert, von einem Thema zum nächsten springt, redet ohne Punkt und Komma. Er streut Harmloses ins Programm und kann im nächsten Moment zum Zyniker werden. Vielfach geht es dabei um Politik, um Licht-und Schattenseiten. „Ein Problem langt nicht“, weiß er, denn außer Corona bräuchten die Deutschen noch andere Leiden wie rechtsradikale Umtriebe bei der Polizei oder den Finanzskandal Wirecard. Er zerpflückt Ministerpräsident Söders Worte von den deutschen Werten. Handelt es sich um Blutdruck- oder Colesterin-Werte, um Abgas- oder Promillewerte? „Alles Werte“, sagt er, „die fürs praktische Leben wichtig sind“.

Springer erzählt Geschichten: Dass die deutsche Nationalhymne eigentlich ein kroatisches Liebeslied war, dass er einst zwei Eier in Richtung Strauß schleuderte und dafür 5000 Mark Geldstrafe zahlen musste. Dass er Seehofer einen achtzig Seiten langen Brief geschrieben und diesen in einem seiner Bücher veröffentlicht habe. Dass es erwiesen ist, dass 300 Jahre lang nicht römische Soldaten die germanischen Grenzwälle besetzt hatten, sondern syrische Bogenschützen. „Sie haben sich vermischt, so dass manch Deutscher mehr syrisches Blut seiner Vorfahren in sich hat als ihm lieb sein dürfte“.

Fast schon normal sind diese beiden Vorstellungen im Capitol, für mich ein Neubeginn.

Christian Springer

Die Parabel von der kleinen Mimose, die sich traut, ihre Angst zu überwinden, ist Springers leidenschaftlicher Appell für Mut und Zivilcourage. Bei aller Kritik und Scharfzüngigkeit bekennt er sich letztendlich zu seinem Land: „Diesen Abend können wir nur haben, weil wir in einem Land leben, in dem wir eine Meinungs- und Kunstfreiheit haben, die größte, die es auf der Welt gibt“.

Springer zitiert in einem passenden Moment ein Wort seiner Mutter: „Bua, wenn oana hingfalln is, gehst hin und hilfst nan auf“. Seine Hilfe gilt seit Jahren Ländern im Nahen Osten. Mehr als dreißig Mal war er in Syrien, um sich für die Opfer des dortigen Bürgerkrieges einzusetzen. Der von ihm gegründete Verein „Orienthelfer“ sammelt Spenden und organisiert Hilfslieferungen nach Syrien, Jordanien und Libanon.

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