Von Joachim Gebhardt
Die Geschichte der beiden Mediziner beginnt in Syrien. Für Oberpfalz-Medien schildert Fadi Al Refai den Werdegang, mit dabei ist der ärztliche Direktor des St.-Anna-Krankenhauses, Dr. Klaus Nester. Fadi und Shadi studierten gemeinsam Medizin in Aleppo, mussten jedoch als Verfolgte des Assad-Regimes aus dem Land flüchten. In Tanta in Ägypten schlossen sie ihr Studium mit Auszeichnung ab und kamen dann nach Deutschland. Hier erreichten sie ihre Anerkennung, lernten die Sprache und wurden 2020 zu deutschen Staatsbürgern. Sie absolvierten hier ihr Anschlussstudium zum Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie (Fadi) und Gastroenterologie (Shadi), dann arbeiteten sie beide in Ostfriesland in einer Klinik. Über Niedersachsen und Thüringen führte der Weg dann in die Oberpfalz – St. Anna nahm das Brüderpaar mit offenen Armen auf.
Es gibt Pläne
Schon seit dem Weggang des früheren Chefarztes war Fadi Al Refai kommissarischer Leiter der „Med II“ – Kardiologie, seit 1. April ist er jetzt der neue Chefarzt. Der 36-Jährige ist verheiratet, hat drei Kinder und wohnt in Sulzbach-Rosenberg. Er schätzt hier und in der Oberpfalz allgemein vor allem die offene Art von Kollegen und Patienten: „Die Menschen sind sehr froh, dass ihnen von uns geholfen wird.“
Gemeinsam mit dem ärztlichen Direktor erläutert Al Refai die Pläne für die Kardiologie von St. Anna in diesem Jahr. Da wären vor allem die Zertifizierung einer neuen Sparte: Die „Chest Pain Unit“ (CPU) ist eine spezialisierte Einheit innerhalb eines Krankenhauses. Sie ermöglicht eine schnelle und standardisierte Diagnostik bei akutem und unklarem Brustschmerz. Notfälle wie Herzinfarkt, kardiogener Schock oder Lungenembolie können dort rasch erkannt und behandelt werden.
Das alles gibt es in verschiedenen Formen schon in der Klinik, doch jetzt soll es als Einheit anerkannt werden: Ziel der Zertifizierung zur „Chest Pain Unit“ ist sicherzustellen, dass lebensbedrohliche Herz- und Gefäßerkrankungen wie ein Herzinfarkt frühzeitig erkannt und behandelt werden, indem einheitliche Standards eingehalten werden. Dazu gehören eine angemessene Anzahl an speziell geschultem Personal, eine hochwertige, moderne Ausrüstung und geregelte Versorgungsabläufe.
Alle Arten von Brustschmerzen werden hier genau diagnostiziert, ob sie vom Herzen, von den Gefäßen, der Speiseröhre oder der Lunge herrühren – eine komplette Diagnostik, zu der bald auch ein Kardio-CT zählen wird. Das Herz-CT ist ein schnelles, nichtinvasives Bildgebungsverfahren zur detaillierten Darstellung von Herzmuskel und Herzkranzgefäßen mittels Röntgenstrahlung. Es dient primär dem Nachweis von Gefäßverkalkungen (Plaques) und Verengungen und wird oft als schonende Alternative zum Herzkatheter bezeichnet.
Die komplette Diagnostik wird dann rund um die Uhr verfügbar sein, schildert Dr. Nester, und die Kardiologie erfährt eine gewaltige Aufwertung. Fünf invasiv tätige Mediziner sind dort am Start, sie kümmern sich auch um chronisch verschlossene Gefäße. Notfälle wie eine akute Herzinsuffizienz werden sofort behandelt, ansonsten bewegen sich die Wartezeiten zwischen zwei und vier Wochen. Auch ambulante Eingriffe sind möglich. Schließlich ist St. Anna das einzige Akutkrankenhaus für den Landkreis mit seinen 105.000 Einwohnern. Und hier werden pro Jahr rund 1000 Herzkatheter-Behandlungen geleistet – eine enorme Zahl.
Gewappnet für die Zukunft
In St. Anna sind also die drei medizinischen Kliniken jetzt wieder komplett mit Chefärzten besetzt: In der Med I, der Gastroenterologie, führen Chefarzt Vincent W. Wanji und leitender Oberarzt Shadi Al Refai (Zwillingsbruder von Fadi Al Refai) das Team, in der Med II (Kardiologie) seit 1. April der neue Chefarzt Fadi Al Refai und leitender Oberarzt Wael Hdaib und in der Med III, der Allgemeinen Inneren und Akutgeriatrie, seit 1. Januar Chefarzt Dr. Jan-Ole Baur und die ärztliche Leiterin Diana-Lavinia Dracea. Damit sollte die Klinik für kommende gesundheitspolitische Herausforderungen entsprechend gewappnet sein.














Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.