12.11.2018 - 17:16 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Kleiderlager schließt nach drei Jahren

Nächtelang kommen Flüchtlinge an, ohne Habe, ohne Ersatzkleidung. Die Helfer sammeln, sortieren, verteilen bis zur Erschöpfung. Dann verebbt der Strom langsam, und jetzt ist es an der Zeit, ein vorbildliches Projekt einschlafen zulassen.

Ein Großteil des Kleiderkammer-Teams – die Helfer haben sehr gute Arbeit geleistet über drei Jahre, künftig lassen sie es ruhiger angehen.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

"Wir schaffen das", steht an der alten Schultafel, und die Leute im Team sind überzeugt, dass sie es wirklich geschafft haben. Ende August 2015 gründete sich der Zusammenschluss aus der Initiative "Sulzbach-Rosenberg hilft" heraus, er fand zunächst eine Heimstatt in den Räumen, die Norbert Luber in der Wilhelm-Busch-Straße zur Verfügung stellte.

Bevölkerung half mit

Dorthin brachte die spendenfreudige Bevölkerung ihre Kleiderspenden, dort werkelten teils 30, 40 Freiwillige und versorgten bis zu 200 Flüchtlinge pro Woche mit Kleidung, Babywäsche, Kosmetik und vielem mehr. Nach kurzer Zeit kam auch Unterstützung aus Flüchtlingskreisen, die Menschen schleppten Kisten, sortierten, dolmetschten. "Die meisten Geflüchteten kamen aus Syrien und dem Irak", erinnert sich eine Helferin der ersten Stunde. Am Anfang öffnete die Kleiderkammer zwei Mal die Woche, aber es gab auch ständig Sondertermine, wenn ein Bus ankam, spätabends oder am Wochenende. 30 Wochenstunden und mehr für die Helfer waren da oft keine Seltenheit, erinnern sich einige.

In der Berufsschule

Im Februar 2016 zog die Kammer in den Keller der Berufsschule an der Neumarkter Straße um, wo sie bis dato arbeitete. Sie versorgte seit 2015 Flüchtlinge, aber auch bedürftige Einheimische mit Kleidung, Haushaltszubehör, Bett- und Tischwäsche, Geschirr, Besteck und Kleinmöbeln. Dabei waren auch etwa 30 Kinderwagen und Buggys, rund 60 Schultaschen, ungezählte Federmäppchen, Sporttaschen, Fußball-und Turnschuhe sowie Spielzeug. All das machte es den Geflüchteten leichter, hier Fuß zu fassen. Dabei holten die Mitarbeiter die Spenden teils auch direkt ab und brachten sie zu den Bedürftigen.

Zunächst noch einmal pro Woche, später mit 14-tägigem Öffnungsrhythmus trug man dem allmählichen Versiegen des Flüchtlingsstromes Rechnung. Jetzt entschied man sich gemeinsam, das Projekt einschlafen zu lassen und vorläufig die Regale und Hilfsmittel einzulagern. Die restliche brauchbare Kleidung geht an den Ökumenischen Kleiderladen in der Frühlingstraße, das übrig gebliebene Geld wird gespendet. Selbstverständlich helfen die Aktiven auch weiterhin in Einzelfällen bei der Wohnungs- und Möbelsuche.

"Bitte jetzt also keine Kleidung mehr an die Berufsschule bringen oder dort abstellen", appellieren die sieben Damen und drei Herren der Restmannschaft, die sich aber nach wie vor regelmäßig treffen und in Bereitschaft bleiben wollen. Falls der Strom wieder anschwillt.

Zum letzten Mal suchten sich die verbliebenen Flüchtlingsfamilien Kleidung aus dem Fundus: Jetzt hat die Kammer geschlossen.

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