10.06.2020 - 09:50 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Das kleinste Haustier der Welt

Ein einziges Bienenvolk kann pro Tag drei Millionen Obstblüten bestäuben. Doch die fleißigen Insekten sind gefährdet. So manche Naturliebhaber wollen sich ein eigenes Volk in den Garten holen. Wie wäre es zuerst einmal mit Imkern auf Probe?

Eine Biene sammelt Pollen.
von Helga KammProfil

Es summt und brummt in den Gärten in diesen Frühlings- und Frühsommermonaten. Das ist gut so. Hummeln und Bienen sind für unser Ökosystem unverzichtbar, denn sie übernehmen die Bestäubung der Blüten. Ohne eine Bestäubung gäbe es keine Samen, keine Früchte.

Seit mindestens 50 Millionen Jahren gibt es die fleißigen Honigsammler. Sie vermitteln den Eindruck einer heilen Welt, aber können sie auch in unserer Zeit noch existieren? Der Vorsitzende des Imker-Kreisverbandes Sulzbach-Rosenberg, Andreas Royer, weist darauf hin, dass die gesamte Insektenwelt und damit auch die Sympathieträgerin Honigbiene gefährdet ist. Dem entgegenzuwirken betrachten die Imker als ihre Aufgabe. Sie bieten Fortbildungen, veranstalten Aktionen und legen besonderen Wert auf die Nachwuchsarbeit mit dem Projekt "Imkern auf Probe".

Wie das funktioniert, erklärt Bienen-Fachwirt Alexander Titz. Der Probe-Imker, meist handelt es sich dabei um junge Leute, mietet ein Bienenvolk zur eingeschränkten Nutzung. Er wird betreut und angeleitet und darf den Honig seines Bienenvolkes ernten. Der Mietpreis beträgt einmalig 100 Euro. Darin enthalten ist der Aufstellplatz für die Zeit der Vermietung, die leihweise Nutzung des erforderlichen Zubehörs wie Boden, Zargen und Deckel für dieses Bienenvolk sowie der Schleier und die Imkerpfeife für die Arbeit mit den Bienen.

Erfahrene Imker des Vereins betreuen und unterstützen den Probe-Imker bei allen anfallenden Tätigkeiten wie etwa beim Honigschleudern. Nach dem Ende der regulären Mietzeit, die Ende Juli nach der letzten Honigernte erreicht ist, entscheidet sich der Probe-Imker, ob er nun mit der Imkerei weitermachen will oder nicht. Die Probe-Imker-Zeit dauert zwei Jahre. Im ersten Ausbildungsjahr wird nur mit den Bienen am Lehrbienenstand gearbeitet, im zweiten Jahr dürfen die Probe-Imker ihr Bienenvolk mit nach Hause nehmen.

"Wir haben mit dieser Nachwuchsarbeit großen Erfolg erzielt", beschreibt Andreas Royer das Projekt, "auch wenn es in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie zu einem Stillstand kommen musste". Es waren bisher schon immerhin 185, die sich als Probe-Imker versucht und sich haben ausbilden lassen. Man nutze die Möglichkeit, Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen vor Augen zu führen, "dass Natur bei uns, vor unserer Haustür stattfindet". Und man könne dazu beitragen, so Royer, wieder tieferes Verständnis für Vorgänge und Zusammenhänge in unserer Umwelt zu gewinnen durch das Betreuen eines Stückchens Natur, eines Bienenvolkes.

Bienen sind unentbehrlich für die Landwirtschaft und die Natur. In der Landwirtschaft sind 80 Prozent der Kulturpflanzen auf die Bestäubung durch die Honigbiene angewiesen. Obstbau zum Beispiel ist ohne Bienen undenkbar. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass Bienen die Ertragsmenge und -qualität auch für viele nicht zwingend fremd bestäubte Kulturpflanzen wie den Raps deutlich erhöhen. Auch für die Wildflora spielen die Bienen eine unentbehrliche Rolle und tragen damit zum Erhalt der Artenvielfalt bei.

Ein einziges Honigbienenvolk kann pro Tag drei Millionen Obstblüten bestäuben. Zwei Millionen Tonnen Äpfel reifen jedes Jahr allein durch die Bestäubung durch Bienen. Die Honigbiene ist etwas ganz besonderes. Sie kann nur im Verband existieren und überleben. Eine einzeln gehaltene Honigbiene wird trotz bester Pflege schon nach kurzer Zeit sterben. Sie ist das kleinste Haustier der Welt und leistet doch Herausragendes. Sie sorgt für Vielfalt in der Natur und auf unseren Tellern, denn sie bestäubt die allermeisten Wild- und Kulturpflanzen und verhilft ihnen so zu mehr Früchten.

Am Lehr-Bienenstand des Imker-Kreisverbandes Sulzbach-Rosenberg am Feuerhof unterrichten erfahrene Imker die Probe-Imker.
Bienen sind unentbehrlich für Landwirtschaft und Natur. In der Landwirtschaft sind 80 Prozent der Kulturpflanzen auf die Bestäubung durch die Honigbiene angewiesen. Obstbau zum Beispiel ist ohne Bienen undenkbar.
"Wir wollen Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen vor Augen führen, dass Natur vor unserer Haustür stattfindet", sagt Andreas Royer, Vorsitzender des Imker-Kreisverbandes Sulzbach-Rosenberg.
Seit mindestens 50 Millionen Jahren gibt es die fleißigen Honigsammler.
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