25.06.2019 - 20:09 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Klinikum St. Marien wirbt um St. Anna

Eigentlich soll es um die 44 Millionen Euro schweren Verbesserungen im OP-Bereich gehen, als die CSU-Fraktion das Klinikum St. Marien besucht. Doch plötzlich drängt sich die Kooperation mit dem Landkreis in Sachen Krankenhäuser nach vorne.

So sieht aktuell ein Kreißsaal im Klinikum St. Marien aus, der gleichzeitig OP-Saal ist, was im Ernstfall etwa fünf Minuten Zeitgewinn bringt. Aus den drei alten sollen in einigen Jahren vier neue Kreißsäle werden. Doch Professor Anton Scharl (rechts) machte der CSU-Fraktion bei ihrem Besuch auch klar, welche Regel für Geburtsstationen gilt: „Wegen der Räume kommt keiner, die kommen wegen der Menschen.“
von Markus Müller Kontakt Profil

Professor Anton Scharl, der Direktor der Frauenkliniken Amberg-Tirschenreuth-Weiden, war es, der das Gespräch zuerst in diese Richtung brachte. "Wenn wir mit anderen kooperieren, haben wir genügend Potenzial, um eine medizinische Versorgung auf höchstem Niveau anzubieten", lautete seine grundsätzliche Einschätzung.

Das führte vor dem Kreißsaal zu der Frage, ob man so nahe beieinander zwei Geburtshilfe-Abteilungen unterhalten muss, eine im Sulzbach-Rosenberger St.-Anna-Krankenhaus mit rund 600 Geburten im Jahr, eine in Amberg mit etwa 1500. In St. Marien existiert zudem ein Perinatalzentrum für Frühchen und Risikoschwangerschaften, in das auch Neugeborene aus St. Anna gebracht werden. Die Antwort von Scharl: Ja, man brauche die Sulzbach-Rosenberger Station; mit einem größeren Kreißsaal wären in Amberg zwar mehr Geburten möglich, aber die gesamten Entbindungen aus der Nachbarklinik könne man nicht übernehmen.

Es geht um Zuschnitt

"Wir brauchen mit Sicherheit beide Häuser", betonte auch OB Michael Cerny. Eine stärkere Kooperation biete aber die Möglichkeit, die Zuschnitte des Angebots an beiden Standorten in einer für alle Beteiligten günstigen Form zu ändern. Doch der Landkreis Amberg-Sulzbach verschließe sich dem. Dr. Harald Hollnberger, ärztlicher Direktor in St. Marien, unterstrich Cernys Aussage: Es gebe viele weitere Felder, auf denen man "in der Region kooperativ arbeiten kann" anstatt als Konkurrenten.

Laut Scharl hat derzeit das Amberger Klinikum schon Mühe, in ausreichender Zahl qualifiziertes Personal zu bekommen. Für das kleinere Krankenhaus in Sulzbach-Rosenberg werde das wohl ein noch größeres Problem sein. Die Ängste der Amberg-Sulzbacher Verantwortlichen, bei einer Kooperation mit Amberg den Kürzeren zu ziehen, wertete Scharl als nachvollziehbar. "Man muss dem Landkreis auch die Zeit geben, sie zu überwinden." Als ein Beispiel, wo der kleinere Partner vom größeren profitiere, nannte Scharl die Hebammen-Versorgung in der Geburtshilfe des Tirschenreuther Krankenhauses, die durch Amberger Hebammen aufrechterhalten werde. "Sonst gäbe es sie dort nicht mehr."

Der Amberger CSU-Fraktionschef Dieter Mußemann sagte, das Kooperationsangebot an den Landkreis laufe ja nicht darauf hinaus, "das Krankenhaus in Sulzbach-Rosenberg zu schleifen". Vielmehr wolle man gemeinsam überlegen, welche Angebote man wo am besten vorhalte. Diese Optimierung der Versorgung in der mittleren und nördlichen Oberpfalz betrachtete OB Cerny als eigentliche Aufgabe der fünf betroffenen Gebietskörperschaften, also der kreisfreien Städte Amberg und Weiden sowie der Landkreise Amberg-Sulzbach, Neustadt/WN und Tirschenreuth. Dabei gibt es schon viele engere Kooperationen zwischen dem Klinikum St. Marien und den Kliniken Nordoberpfalz, hinter denen Weiden, Neustadt/WN und Tirschenreuth stehen. Cernys Hoffnung ist offenbar, dass der Landkreis in ein übergreifendes Fünfer-Konstrukt eher einsteigt als in eine nur auf Amberg begrenzte Zusammenarbeit.

Fünf Mann in einem Boot?

Laut Mußemann hat Cerny bereits Gespräche über ein gemeinsames Vorgehen in der Gesundheitsversorgung mit dem Weidener OB Kurt Seggewiß sowie den Landräten Andreas Meier (NEW) und Wolfgang Lippert (TIR) angeleiert, denen sich sicher auch Landrat Richard Reisinger nicht verschließen werde. Denn wenn man hier etwas Neues wolle, seien zunächst Erörterungen auf politischer Ebene notwendig. Mußemann: "Es geht jetzt erst mal drum, den Damm zu brechen."

Kommentar:

Neuer Anlauf

Bisher galt: Die von Amberg gewünschte Kooperation mit den Krankenhäusern des Landkreises Amberg-Sulzbach wird dort rigoros abgelehnt. Inzwischen haben die Amberger aber wohl andere Signale empfangen. Deshalb werben sie wieder um den Nachbarn, dem die Sparkassenfusion das Trauma verpasst hat, von Amberg über den Tisch gezogen zu werden. Womöglich ist das Fünfer-Konstrukt tatsächlich ein erfolgversprechender Ansatz, weil sich hier nicht ein kleiner und ein großer Partner gegenüberstehen, sondern fünf, die mehr oder weniger auf Augenhöhe sind.

Markus Müller

Nachgefragt:

Hohes Defizit macht keine Angst

„Wir haben keine Angst vor dem Thema Finanzen in Weiden.“ Das verriet Dieter Mußemann, der Vorsitzende der CSU-Fraktion, über die Themen, die nach dem öffentlichen Teil im Klinikum besprochen wurden. Bei den Kliniken Nordoberpfalz hatte ein Defizit von 3,5 Millionen Euro im Jahr 2018 zu Turbulenzen in den Gremien und einem Vorstoß zur Ablösung von Vorstand Josef Götz geführt. „In Weiden ist es ähnlich wie bei uns“, erläuterte Mußemann seine Sicht: „Die Probleme sind da vor allem im investiven Bereich, weil der Freistaat nur einen Teil der Investitionen finanziert.“ Grundsätzlich aber hätten die Kliniken Nordoberpfalz eine gesunde Struktur. Die Zusammenarbeit habe durch diese Entwicklungen keinen Dämpfer erhalten, sondern funktioniere weiter gut. (ll)

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