29.10.2020 - 15:56 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Komplette Gastronomie-Schließung "absolut nicht nachvollziehbar"

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Der Schock sitzt tief: Die Gastronomie bleibt geschlossen – ein schwerer Schlag. Besonders die Wirte in und um Sulzbach-Rosenberg, die noch 14 Tage Schlemmerwochen vor sich gehabt hätten, stehen quasi über Nacht vor einem Scherbenhaufen.

Ein Beispiel, wie viel Mühe sich die Gastronomen mit ihrer Kundschaft geben: Auf jedem Platz liegen hier die Hausregeln für die Hygienebeachtung aus.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Die Sulzbach-Rosenberger Schlemmerwochen sind ein Genuss. Noch am Mittwoch hatten wir berichtet, dass es überall bestens läuft in Stadt und Land mit dem Besuch der speziellen lukullischen Angebote, die teils dank internationaler Zutaten eine aufwendige Zubereitung erfordern. Und jetzt diese Entscheidung von Bund und Ländern, die alles zunichte macht: Die Gastronomie muss schließen.

"Bei mir steht das Telefon nicht mehr still", schildert uns Inge Girbert. Die Ortsvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes berichtet von großer Zerknirschung bei ihren Kollegen. "Gerade wir Gastronomen verstehen nicht, dass wir jetzt von der Regierung so getroffen werden. Schließlich haben wir doch teils sehr umfangreiche Hygienekonzepte verwirklicht, in entsprechende Umbauten investiert und bieten mit Sicherheit besten Schutz unserer Gäste!" Das könne keiner aus der Branche nachvollziehen.

Nach Monaten des Lockdowns in diesem Jahr sei es nun gerade wieder etwas angelaufen in der Branche. Jetzt wird den November über komplett überall dichtgemacht, und wie es danach weitergeht, steht noch in den Sternen. "Die ganzen Vorbereitungen laufen jetzt teils ins Leere", klagt Inge Girbert. Die speziell eingekauften Zutaten blieben im Lager, das Personal müsse wieder eine Zwangspause verkraften, und das alles noch vor dem Weihnachtsgeschäft, das vielleicht auch noch betroffen sei.

Jetzt alles ausbaden

Drastische Worte findet Hans-Jürgen Nägerl, Bezirksvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes: "Diese Entscheidung ist in keiner Weise verhältnismäßig." Am meisten ärgert es ihn, weil noch fast keine Infektion in diesem Bereich nachgewiesen worden sei. "Wir müssen jetzt das ausbaden, was in den Großstädten versaut worden ist!" Nägerl hofft, dass die Minister Altmeier und Scholz jetzt schnell liefern mit den Hilfsgeldern: "Ein inhabergeführter, kleiner, ländlicher Betrieb kann sich nicht noch so einen Ausfall leisten und Monate aufs Geld warten!"

Mit dem Beschluss von Bund und Ländern werden Veranstaltungen, die der Unterhaltung dienen ab 2. November untersagt. Dies betrifft auch Veranstaltungen der Kulturwerkstatt. Für den November waren die Wellküren am 21. und Lisa Wahlandt am 27. geplant. Das Team der Kulturwerkstatt bedauert in seiner Stellungnahme, den Kulturbetrieb nun wieder einstellen zu müssen. In den letzten Monaten habe man ein Hygienekonzept ausgearbeitet, das die Besucher schützen und den Genuss von Kultur trotzdem ermöglichen sollte. Seit September konnten wieder Veranstaltungen durchgeführt werden. "Möglich war das durch die Besucher, die sich vorbildlich an Hygieneregeln gehalten hätten und durch die Künstler, die ihr Programm teils zweimal spielten." Eben diese Künstler treffe das Veranstaltungsverbot wieder besonders hart. Schließlich brächen ihnen sämtliche Einnahmen weg.

Hoffen auf Gelingen

Die Kulturbranche trage maßgeblich zur Lebensqualität in der Stadt bei. Dass diese, neben vielen anderen Branchen, nun wieder stillstehe, sei sehr bedauerlich. Dennoch stünden für die Kulturwerkstatt der Schutz der Gesundheit und die Eindämmung der Pandemie an oberster Stelle. Sie hoffe, dass dies schnellstens gelinge und der Kulturbetrieb wieder anlaufen kann. "Wir nehmen nun Kontakt mit den Künstlern auf wegen der für November geplanten Veranstaltungen. Die Kartenbesitzer werden informiert."

Zum Kommentar über die bevorstehende Schließung der Lokale

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