10.09.2018 - 17:10 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Konfessionen-Streit heute Geschichte

"Entdecken, was uns verbindet" - das Motto des 25. Tags des offenen Denkmals. Das Angebot in der Herzogstadt verbindet Kirche und Schule. Viele Interessierte lernen sonst verschlossene Gebäude kennen. Sie werden nicht enttäuscht.

Das Deckengemälde in St. Anna zeigt eine Stadtansicht von Sulzbach-Rosenberg, man erkennt sogar die rauchenden Schlote der Maxhütte (rechts unten).
von Autor COGProfil

(cog) Heute sind Kirche und Schule meist getrennt, in früheren Zeiten waren sie untrennbar verbunden. Das wurde besonders deutlich in der ehemaligen Lateinschule am Pfarrplatz. Der Gebäudekomplex liegt versteckt hinter der Marienkirche, gehört aber zu den wertvollsten Baudenkmälern der Stadt.

Heute ist er klar zwischen evangelischer und katholischer Gemeinde aufgeteilt. Von außen sieht man das an den unterschiedlichen grauen Farbtönen der Fassade. Die ältesten Teile stammen aus dem 14. Jahrhundert, danach wurde immer wieder an- und umgebaut. Deshalb gibt es in der evangelischen Hälfte des Gebäudes zwischen allen Räumen Stufen, und jede der wertvollen Bohlen-Balken-Decken ist anders. Genutzt wurde der Bau als Lateinschule, deutsche Schule, Gymnasium Illustre und später vor allem als Wohnhaus.

Seit Einführung des Simultaneums war er in Stockwerkseigentum aufgeteilt, was immer wieder zu Streitigkeiten unter den Bewohnern führte. Seit Auflösung des Simultaneums gibt es die beiden klar getrennten Hälften und eine gute Nachbarschaft der Gemeinden St. Marien und Christuskirche. Auf der katholischen Seite, die Stadtheimatpfleger Markus Lommer vorstellte, wohnt heute der Mesner, es gibt Gemeinderäume, ein Büro und eine Werkstatt. In der evangelischen Hälfte sind das Diakonische Werk und der Männerbund untergebracht, außerdem Gemeinderäume und eine Pfarrerwohnung, erläuterten bei den Führungen Dekan Karlhermann Schötz und Stadtpfarrer Roland Kurz.

Die Ortsteile Sulzbach und Rosenberg, Konfessionen, Generationen und geschichtliche Epochen, all das verbindet der Annaberg. Somit war er ein idealer Programmpunkt zum Tag des offenen Denkmals. Hildegard Baumgärtner fasste Geschichte und Geschehen auf dem Annaberg zusammen. Das barocke Gesamtensemble mit Kirche St. Anna, Lourdesgrotte, Kreuzigungsgruppe, Loreto-Kapelle, Allee und Kreuzweg bildet den sakralen Teil.

Baumgärtner hob besonders heraus, dass sich Pfalzgraf Christian August sehr freuen würde über die Entwicklung der von ihm gegründeten Wallfahrt und das nun bestehende gute Verhältnis der Konfessionen bis zum ökumenischen Gottesdienst. In der Budenstadt als profaner Ergänzung der kirchlichen Bauten dachten die Teilnehmer an viele gemütliche Stunden auf dem Annaberg zurück. Alle stimmten darin überein, dass das Annabergfest eine wichtige Rolle im kulturellen und gesellschaftlichen Leben der Stadt hat.

Auch das Erste Bayerische Schulmuseum hatte seine Pforten geöffnet. Zahlreiche Besucher konnten nicht nur die Ausstellung besichtigen, sondern sich auch in die Rolle der Schüler versetzen. Gerlinde Pilhofer übte mit ihnen Sütterlin, die alte Schreibschrift, die bis 1942 alle Kinder lernten. Früher schrieben die kleinen Kinder mit Griffel auf der Schiefertafel. Die größeren benutzten die traditionelle Gänsefeder. Aber mit der Stahlfeder ging es viel besser. Kreisheimatpfleger Dieter Dörner zeigte den Maxhüttenfilm von 1930, und im Schulgarten konnte man sich bei Küchln und Kaffee ausruhen.

Zum Abschluss des erkenntnisreichen Tags lud Lommer in die Annabergkirche zur geistlichen Abendmusik. Zusammen mit der Flötistin Verena Schmidt spielte er Musik aus der Barock- und Renaissancezeit.

In der barocken Annabergkirche spielten Markus Lommer und Verena Schmidt ruhige und heitere Weisen aus der Barock- und der Renaissancezeit.

Die hellen Holzteile sind neu, erläuterte Stadtpfarrer Roland Kurz bei der Führung durch die ehemalige Lateinschule.

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