30.07.2020 - 14:55 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Krankenhaussterben: Jetzt Politik gefordert

Das Kliniksterben geht unvermindert weiter. Klaus Emmerich, Vorstand der Krankenhäuser in Sulzbach-Rosenberg und Auerbach, spricht von drei Schließungen in der Region. Er macht sich jetzt für einen stärkeren Einsatz der Politik stark.

Nach Ansicht von Krankenhaus-Vorstand Klaus Emmerich sollten kleine Kliniken, wie etwa das St.-Anna-Krankenhaus, finanziell unterstützt werden.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Wütend zeigt sich Vorstand Klaus Emmerich, der für das St.-Anna-Krankenhaus in Sulzbach-Rosenberg und die St.-Johannes-Klinik Auerbach Verantwortung trägt, über die fortschreitenden Krankenhausschließungen.

Wie das Kommunalunternehmen Krankenhäuser des Landkreises Amberg-Sulzbach in einer Pressemitteilung anführt, hat es seit 31. Mai 2019 drei Krankenhausschließungen in Entfernungen von weniger als 100 Kilometern von den eigenen Häusern gegeben: Hersbruck, Parsberg und Waldsassen. „Dann kommt die Corona-Pandemie, aber das Krankenhaussterben geht weiter. Wochenlang hat die Bevölkerung gezittert, ob die Krankenhauskapazitäten ausreichen, um die Corona-infizierten Patienten adäquat behandeln zu können. Und dann geht das Kliniksterben weiter?“, wird Klaus Emmerich zitiert. An anderer Stelle verweist er auf drei wichtige Meldungen innerhalb von einer Woche: Die Schön-Kliniken in Fürth schließen zum 1. Oktober. Das Krankenhaus Waldsassen schließt zum 1. August. Die Tagesschau-App vermeldet erstmals wieder mehr als 800 Corona-Infektionen an einem Tag und befürchtet gleichzeitig eine zweite Pandemie-Welle.

Schutz der Bevölkerung

„Das kann doch wohl nicht wahr sein. Dann sind es fünf Krankenhausschließungen innerhalb von 17 Monaten innerhalb unserer Umgebung. Ministerpräsident Söder verspricht eine finanzielle Stärkung insbesondere der kommunalen Krankenhäuser und lobt ihren Einsatz. Gesundheitsminister Spahn verweist auf die gute Ausstattung bundesdeutscher Krankenhäuser, die zur Eindämmung der ersten Pandemiewelle maßgeblich beitrug. Und dann schauen sie einfach zu, dass Krankenhausträger ihre Krankenhäuser aus finanziellen Gründen nicht mehr halten können und tun nichts“, sagt der Krankenhausvorstand. Emmerich fragt nach dem Schutz der Bevölkerung. Denn so zeigten sich für ihn weitere Defizite in der ortsnahen stationären klinischen Versorgung für den Normalfall und insbesondere für Notfälle und Pandemien? „Warum schweigen da die Politiker? Sind ihre Solidaritätsbekundungen nur leere Versprechungen?“, kritisiert der Fachmann.

Hohe Gesundheitsrisiken

Das Klinikpersonal in der Region habe während der Corona-Pandemie Hervorragendes geleistet. Es sei hohe Gesundheitsrisiken eingegangen, weil anfänglich die notwendige Schutzausrüstung fehlte. Es habe seine Solidarität gegenüber der Bevölkerung bis an die Grenze des Möglichen geleistet. Jetzt hätten die Krankenhäuser und das Klinikpersonal einen Anspruch auf Solidarität der Gesundheitspolitiker, so die Verlautbarung der Klinik.

„Ich fordere seit längerem einen Stopp des Kliniksterbens. 93 Prozent der Bundesbürger fordern nach einer Forsa-Umfrage den Erhalt wohnortnaher Krankenhäuser, und 96 Prozent der Bundesbürger stellen nach einer weiteren Umfrage die Patientenversorgung über die Wirtschaftlichkeit der Krankenhäuser. Und Ministerpräsident Markus Söder hat auf seinem letzten CSU-Parteitag eine bessere finanzielle Unterstützung der kommunalen Krankenhäuser gefordert. Jetzt wollen wir Taten sehen, sonst ist es zu spät“, so Klaus Emmerich.

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