21.09.2020 - 17:28 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Kultur im Capitol: Dialoge zwischen den Welten

Sie kannten sich nicht, aber beim Dreh zu einem Film haben sie "Langeweile mit Musik veredelt". Das war der Beginn der "Transatlantischen Geschichten", die August Zirner mit der Querflöte und Sven Faller seitdem erzählen.

August Zirner (links) hat seine Querflöte beiseite gelegt und Sven Fallers Hände ruhen auf dem Kontrabass. Abwechselnd erzählen beide Geschichten aus ihrem und dem Leben ihrer Vorfahren.
von Helga KammProfil

Natürlich ist der Schauspieler August Zirner aus über 120 Kino- und Fernsehfilmen dem Publikum vertraut, aber auch Sven Faller hat sich als Jazzbassist international einen Namen gemacht, arbeitete mit namhaften Künstlern, ist erfolgreich als Komponist und Autor. Ihr gemeinsamer Auftritt hätte weit mehr Besucher interessiert, so aber blieb es coronabedingt bei siebzig Gästen, die im Capitol diszipliniert die Abstands- und Hygienevorschriften befolgten. Fred Tischler, der Kulturamtsleiter und Veranstalter, sowie Thilo Hierstetter als Hausherr des Capitols, zeigten sich erleichtert darüber, dass nach langer Abstinenz Kleinkunst wieder möglich sein kann.

Geschichten und Musik

"Für Ihr mutiges Erscheinen und Hiersein" dankte auch August Zirner dem Sulzbach-Rosenberger Publikum. Das war ganz zum Schluss, nach einer gern gewährten Zugabe.

Vorher gab es neunzig Minuten lang Geschichten und Musik. Ihre "transatlantischen Geschichten" erzählen Zirner und Faller mit Humor und Phantasie und untermalen sie im spannenden Dialog mit ihren Instrumenten. Die beiden verbindet ein wundersames Band biographischer Analogien. August Zirner ist als Sohn österreichischer, vor den Nazis geflohener jüdischer Emigranten in Amerika geboren und hat dort die ersten 17 Jahre seines Lebens verbracht. Vor dem Vietnamkrieg flieht er nach Österreich und beginnt dort eine Karriere als Schauspieler.

Ähnliche Lebensläufe

Den jungen Deutschen Sven Faller zieht es nach New York, um sich dort einen Namen als Musiker zu machen. Der jüdische Verlobte seiner Großmutter hatte 1938 den gleichen Weg angetreten und kehrte erst über dreißig Jahre später zurück, um sein Eheversprechen einzulösen. Auch Zirners Großmutter Ella, Erbin des berühmten Wiener Kaufhauses "Maison Zwieback", verlässt zu dieser Zeit mit ihrem Sohn Ernst Europa, der nicht ahnt, dass er der uneheliche Sohn des Komponisten Franz Schmidt ist.

Als sein Sohn August zur Welt kommt, erkennt der Vater dessen ersten Schrei als "Es", was Zirner veranlasst, diese Geschichte mit einem Stück in S-moll zu unterlegen. Auch die "Serenade für einen Kuckuck" bezieht sich auf seine Familiengeschichte, während Faller instrumental den Mythos der deutschen Autobahn beschreibt, einen Wandervogel in Hollywood und Reisen nach innen und außen.

Sie plaudern und sinnieren abwechselnd über ihre unterschiedlichen und doch irgendwie ähnlichen Lebensläufe, die von Österreich über die USA und wieder zurück führen oder von Deutschland über New York und zurück. Zusammen führen die beiden Künstler nicht nur einen erzählerischen Dialog, sondern gehen auch musikalisch perfekt aufeinander ein.

Scheinbare Leichtigkeit

Sie improvisieren und bewegen sich mit scheinbarer Leichtigkeit zwischen den Welten, benützen dazu neben eigenen Kompositionen Werke von George Gershwin, Duke Ellington und Miles Davis.

Und weil es bei der Veranstaltung im Capitol um transatlantische Geschichten geht, sind auch immer wieder englische Texte darin enthalten, so der Text, mit dem August Zirner den Abend eröffnet und beschließt und darin die Liebe beschwört: "The greatest thing we learned is to love and be to loved."

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