Sulzbach-Rosenberg
15.10.2024 - 16:43 Uhr
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Kulturerbe Volkslied lebt beim Wirtshaussingen in Sulzbach-Rosenberg auf

Alte Volkslieder sind nicht vergessen: Den Beweis liefert das Wirtshaussingen beim „Bartl“. Rund 100 Frauen und Männer stimmen gemeinsam an und frischen Erinnerungen an ihre Jugend auf. Oberpfalz-Medien hat sich unter ihnen umgehört.

Die Idee hatte Dieter Radl, ehemaliger Pädagoge, Mundart-Autor und Kulturpreisträger der Stadt Sulzbach-Rosenberg. "Der Dialekt ist aus der Mode gekommen, und die alten Lieder werden nicht mehr gesungen", ist seine Sorge. Da seine Mundart-Lesungen großen Erfolg haben, wagte er den Versuch, auch das Kulturgut Volkslied wieder aufleben zu lassen. Walter Heldrich und Helmut Heinl von der Feuerhofer Plattform "Kultur AS" unterstützten ihn dabei, organisierten das Offene Wirtshaussingen im Hotel-Gasthof Zum Bartl.

Und so etwas scheint bisher gefehlt zu haben, denn Besucher aus nah und fern – überwiegend sogenannte „Best Ager“ - waren der Einladung zum Singen gefolgt. "Damit hätt' ich nicht gerechnet", freute sich Dieter Radl über das große Interesse. Noch mehr erstaunte ihn, dass 18 alte Volkslieder an diesem Abend aus voller Kehle gesungen und die bereit gelegten Textbücher oft gar nicht benötigt wurden. Angestimmt und begleitet wurden alle Lieder von einem jungen Mann am Keyboard, den Dieter als seinen Enkel Emil vorstellte.

Lieder lösen Erinnerungen aus

Es waren Erinnerungen an die Schulzeit, an Ferienlager, Pfadfinder-Leben, an Singen im Familienkreis, im Verein und im Wirtshaus, die bei Sängerinnen und Sängern durch diese schlichten Volkslieder ausgelöst wurden. „Horch was kommt von draußen rein“, das Wanderlied „Im Frühtau zu Berge“, „Hab mein Wage vollgelade“, Kinderlieder, Liebeslieder und das obligatorische Gute-Nacht-Lied früherer Generationen „Weißt du, wie viel Sternlein stehen“ - all diese Weisen erklangen im Saal des Gasthauses, kraftvoll, teils mehrstimmig, mit Begeisterung gesungen. Dieter Radl wies auf Texter, Komponisten und die Entstehungszeiten der Lieder hin, steuerte manche Anekdote bei.

In seinen einleitenden Worten hatte er schon dazu aufgefordert, das „aus der Mode gekommene Kulturgut Volkslied“ müsse ebenso wie der Dialekt wieder aufgefrischt werden. "95 Prozent der jungen Leute sprechen keinen Dialekt mehr", beklagte er, "und die Kommunikation findet überwiegend über das Smartphone statt." Besonders gravierend sei: 41 Prozent der sechs- bis neunjährigen Kinder würden ausschließlich durch das Internet unterhalten.

Das hatten die meisten Gäste im Saal zu ihrer Zeit anders erlebt. Gegenüber Oberpfalz-Medien erklären sie, was ihnen das Singen bedeutet. Brigitte Beer zum Beispiel ist seit Jahren Gast beim Konzert der Bergknappen, das zeitgleich in der Christuskirche lief. Diesmal haben sie und auch ihre Freundinnen Inge Rank und Irene Maier darauf verzichtet: "Weil das Wirtshaussingen mal etwas Besonderes ist!"

Gesangvereinen fehlt der Nachwuchs

Walter Rösl aus Poppenricht ist "mit diesen Liedern aufgewachsen“. Er ist mit seinem Nachbarn Herrmann Kederer "aus Neugier" gekommen. "Ich singe beim Männergesangverein Rosenberg seit Jahrzehnten"“, erzählt Kederer, aber es gebe keinen Nachwuchs. Das Offene Wirtshaussingen gefalle ihm gut, aber auch hier sehe er keine jungen Gesichter.

Frauen und Männer aus dem „Seniorentreff am Hofgarten“ haben sich mit ihrer Leiterin Regina Pilhofer und zwei Pflegekräften aus der Sozialstation an zwei Tischen zusammengesetzt und sind guter Dinge. Christa Sommer ist eine von ihnen. Sie hat viele Jahre im Chor- und Orchesterverein gesungen, bis er aufgelöst wurde. In geselliger Runde genießt sie das gemeinsame Singen an diesem Abend, kennt die meisten Lieder. Ein Lieblingslied hat sie nicht, sagt, "sie sind alle schön".

Besonders schön klang das letzte Lied des Abends, „Ade, zur guten Nacht“. Dieter Radls Wunsch hat sich erfüllt: Es wurde mit viel Freude gemeinsam gesungen. "Nach diesem Erfolg werden wir weitermachen", kündigt er ein weiteres Wirtshaussingen am Freitag, 11. April 2025, in Aichazandt an.

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