06.12.2018 - 18:15 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Landkreislauf-Prozess: Angeklagter geht aufs Ganze

Ein 73-Jähriger will einen Strafbefehl nicht akzeptieren, der wegen Beleidigung und Körperverletzung beim Landkreislauf auf 120 Tagessätze und ein dreimonatiges Fahrverbot lautet. Dafür riskiert er sogar, dass die Strafe höher ausfällt.

Bei dieser Aufnahme vom Landkreislauf am 5. Mai hat es gut geklappt: Ein Posten der Feuerwehr hält die Autofahrer auf, die geduldig warten, bis alle Läufer vorbei sind. Ein Vorfall in Obersdorf, bei dem ein 73-Jähriger auf die abgesperrte Strecke fuhr, beschäftigt jetzt das Amberger Amtsgericht. Es benötigt sogar noch einen dritten Verhandlungstag.
von Markus Müller Kontakt Profil

Noch kein Ende im Prozess gegen den 73-Jährigen, der beim Landkreislauf im Mai auf die abgesperrte Strecke gefahren sein und Feuerwehrleute beleidigt haben soll. Die Fortsetzung der Verhandlung am Donnerstag fiel kurz aus; der Angeklagte und sein Verteidiger Franz-Josef Köstler beantragten, weitere Zeugen zu vernehmen. Das geschieht am 20. Dezember.

Staatsanwältin Jennifer Jäger mochte zwar nicht recht glauben, dass sich durch weitere Zeugen etwas an der grundlegenden juristischen Bewertung des Sachverhalts ändert. Doch nachdem Köstler Ansatzpunkte genannt hatte, wie er durch neue Aussagen die Glaubwürdigkeit der bisherigen Zeugen - allesamt Mitglieder der Rosenberger Feuerwehr - in Zweifel ziehen wolle, verfügte Richterin Sonja Tofolini, dass die vom Verteidiger aufgeführten fünf Personen für den 20. Dezember geladen werden.

Gleichzeitig machte sie dem Angeklagten aber noch einmal deutlich, dass die Fortsetzung des Prozesses sich negativ auf das Strafmaß auswirken könne. Der 73-Jährige hatte gegen einen Strafbefehl Einspruch eingelegt, der auf eine Geldstrafe plus Fahrverbot lautete. Dabei sei aber von einem schuldeinsichtigen und reuigen Täter ausgegangen worden, erläuterte die Richterin. Das stelle sich jetzt nicht mehr so dar.

"Die 120 Tagessätze sind ein Geschenk", wies auch die Staatsanwältin auf das Risiko hin, dass der Angeklagte bei einer Fortführung des Prozesses eine höhere Strafe bekomme. Das Fahrverbot von drei Monaten sei dann unter diesen Voraussetzungen ebenfalls zu wenig. Zudem kämen im Falle eines erstinstanzlichen Urteils womöglich die Kosten des Prozesses auf den Angeklagten zu, ergänzte Richterin Tofolini. Der 73-Jährige wollte aber nicht von seiner Haltung abgehen.

Schon zu Beginn hatte sich die Richterin zu einem am Vortag eingereichten Schriftsatz geäußert, in dem Verteidiger Köstler die Rechtmäßigkeit der Streckenabsperrung durch die Feuerwehrleute beim Landkreislauf im Sulzbach-Rosenberger Ortsteil Obersdorf infrage stellte. Die Einschätzung des Rechtsanwalts, dass möglicherweise die "Diensthandlung nicht rechtmäßig" gewesen sei, stufte Sonja Tofolini aber als nicht stichhaltig ein. Womit sie vermutlich den Rosenberger Feuerwehrmännern aus dem Herzen sprach, die - in Kopfstärke von einem halben Dutzend - die Verhandlung im Zuschauerraum verfolgten.

Am ersten Prozesstag Mitte November hatten vier Feuerwehrmänner als Zeugen angegeben, der 73-Jährige habe mit seinem BMW die wegen des Landkreislaufs abgesperrte Straße benutzt, obwohl sie ihn hätten aufhalten wollen. Einer der Zeugen sagte zudem, er sei vom Angeklagten als "Depp" und "Arschloch" tituliert worden.

Der Rentner hatte zugegeben, die abgesperrte Strecke benutzt zu haben. Das tue ihm "furchtbar leid". Er sei aber der Auffassung gewesen, niemanden zu gefährden. Den Vorwurf der Beleidigung wies er ebenso zurück wie den des "Widerstands gegen Personen, die Vollstreckungsbeamten gleichgestellt sind", den des tätlichen Angriffs und den der fahrlässigen Körperverletzung. Diese Punkte bezogen sich darauf, dass der 73-Jährige mit seinem Pkw gegen die Schienbeine eines Feuerwehrmannes gerollt sein soll, der ihn nicht durchlassen wollte. Das stritt er ab.

Die Berichterstattung über den ersten Prozesstag:

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