23.12.2018 - 13:07 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Letzter Wunsch: Gyros am See

Ein Achtjähriger ist unheilbar an Leukämie erkrankt. Er hat nur noch einen Wunsch: Er will zum Friedhof und sich einen Grabstein aussuchen. So entstand ein Projekt, das es jetzt auch in der Region gibt: ein Herzenswunsch-Mobil.

Das Herzenswunsch-Hospizmobil, das auf Initiative von Bernd Lödel (vorne Mitte) aus Sulzbach-Rosenberg, Rettungsdienstleiter des BRK-Kreisverbandes Nürnberger Land, unterwegs ist, um todkranken Menschen einen letzten Wunsch zu erfüllen.
von Kristina Sandig Kontakt Profil
Ein Blick ins Innere des Herzenswunsch-Hospizmobils, das im Prinzip wie ein Krankenwagen ist.

Bernd Lödel, der jahrelang beim Roten Kreuz in Sulzbach-Rosenberg als Rettungsassistent arbeitete und jetzt Rettungsdienstleiter des BRK-Kreisverbandes Nürnberger Land in Lauf ist, hat mit Unterstützung einiger Mitstreiter dieses Projekt in der Metropolregion Nürnberg initiiert. Nicht nur für den Einzugsbereich seiner Wache in Mittelfranken, sondern auch für Sulzbach-Rosenberg und den Landkreis, ebenfalls der Metropolregion zugehörig.

"Erfunden haben wir das Projekt nicht", sagt Lödel. Seinen Ursprung nahm das Herzenswunsch-Hospizmobil im niederbayerischen Straubing. Denn dort lebte der achtjährige Bub, der Leukämie hatte und für den es keine Hoffnung mehr gab. Sein Vater, ein hauptamtlicher Rettungsdienstmitarbeiter des dortigen Roten Kreuzes, wandte sich vor zwei Jahren an Klaus Klein, Pfarrer und Notfallseelsorger. Denn sein Sohn, der wusste, dass er sterben wird, hatte einen Herzenswunsch: Er wollte zum Friedhof und sich dort einen Grabstein aussuchen. Klaus Klein handelte sofort, der Bub bekam seinen Herzenswunsch erfüllt.

Und so entstand die Idee, auch anderen todkranken Menschen letzte Wünsche zu erfüllen: sei es, noch einmal an einen See gefahren zu werden oder nochmals ein Spiel des favorisierten Fußballvereins zu sehen. "Die Straubinger haben heuer im Juni das Projekt umgesetzt - mit sehr großem Erfolg", erzählt Lödel, der mit Nofallseelsorger Klein befreundet ist. Im Sommer startete dann auch das BRK im Berchtesgadener Land ein ähnliches Projekt.

Und Bernd Lödel machte sich daran, es auch für den BRK-Kreisverband Nürnberger Land und die gesamte Metropolregion zu planen und umzusetzen. "Das hat mich einfach nicht mehr losgelassen", sagt er. Schnell fand er in der von ihm geleiteten Rettungsdienst und in seinem BRK-Kreisverband Mitstreiter, die bereit waren, sich in ihrer Freizeit und ehrenamtlich dafür einzubringen. Dass sein Team des Herzenswunsch-Hospizmobils sogar über ein eigenes Fahrzeug verfügt, ist ebenfalls Klaus Klein zu verdanken. Er hat noch eine Firma für Rettungstechnik und stellte das Fahrzeug innerhalb kürzester Zeit zur Verfügung. "Bezahlen können wir es dann, wenn wir Spendengelder generiert haben", freut sich Lödel über die unbürokratische Abwicklung.

Und so konnte sein Team am Wochenende bereits einen ersten Einsatz fahren und einen Herzenswunsch erfüllen: Ein schwerkranker Mann, 80 Jahre alt, der sehr lange in Österreich gelebt hat, möchte dorthin gefahren werden, um mit seiner dort wohnenden Lebensgefährtin Weihnachten zu feiern können. Sein letztes Weihnachten. Wie Lödel erzählt, haben seine Straubinger Kollegen seit Sommer neun Herzenswünsche erfüllt. Einmal ging es zu einer Ranch, damit ein Mensch nochmal Pferde sehen konnte. Ein anderes Mal an einen Lieblingsplatz im Wald. Eine Frau wollte an einen See gebracht werden. Und weil sie Lust auf Gyros mit Calamari hatte, fuhr das Team noch zu einem griechischen Restaurant und holte das gewünschte Gericht. Die Frau lag auf einer Trage am See und aß Gyros-Calamari - zum letzten Mal in ihrem Leben. "Sie war in diesem Moment der glücklichste Mensch der Welt", sagt Bernd Lödel.

Hocherfreut ist der Sulzbach-Rosenberger, dass er für sein Projekt einen prominenten Schirmherrn gewinnen konnte: Ministerpräsident Markus Söder. Lödel rechnet damit, dass ein Einsatz des Herzenswunsch-Hospizmobils rund 400 Euro kosten wird, zumindest sind das die Erfahrungswerte der Straubinger. Das Fahrzeug ist im Prinzip ausgestattet wie ein Krankenwagen, mit Trage, Sauerstoff, Absauger und einer medizinischen Ausstattung.

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