10.02.2020 - 10:57 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Maxi Pongratz und seine Zwiesprachen mit dem Akkordeon

Fast schon schüchtern betritt er die Bühne im Seidel-Saal, um sie auch gleich wieder zu verlassen. Er holt sich noch einen Stuhl aus dem Aufenthaltsraum. Oder will er nur ein zweites Mal im Begrüßungsapplaus baden?

Die Texte regen zum Nachdenken an, über die Welt, über das Leben und das Konzert.
von Heidi FranitzaProfil

Bei Maxi Pongratz kann man sich nicht ganz sicher sein, was Zufall ist und was zur Bühnenshow gehört. Seine Band Kofelgschroa gibt es nicht mehr. Ob sich das Quartett jemals wieder zusammenfindet, steht in den Sternen. Frontmann Maxi ist jetzt solo unterwegs. Und er kommt sofort zur Sache.

Maxi Pongratz, ein Virtuose auf dem Akkordeon.

Mit instrumentaler Eröffnung und dem Lied über Entscheidungen forderte er ungeteilte Aufmerksamkeit, um sich mit dem Stück Regentropfen und seiner schwermütigen, aber unvergesslichen Melodie in die Herzen zu spielen. Das Augenlid-Lied hatte eine ganz eigene Art tiefgründiger Textpoesie, die sich auch im darauffolgend gespielten Sterbelied offenbarte. Dort hieß es auf den Gestorbenen bezogen: "Ob Du wirklich richtig stehst, siehst Du, wenn das Licht angeht."

So mancher Liedtext ist eine behutsame Auseinandersetzung mit dem Tod.

Überhaupt beschäftigen sich viele von Maxis Texten mit dem Tod. Vielleicht weil der Tod zum Leben gehört und weil Maxi als ehemaliger Gärtnerlehrling beim Bepflanzen von Gräbern damit konfrontiert wurde. Die Lehrzeit hat er in einem Lied verarbeitet. Und es blieb die Erkenntnis: Wer hinter Grabsteinen schläft, der hat das Leben mit seinem Ende akzeptiert.

Nach der Pause überraschte der Akkordeon-Virtuose das Publikum mit einem rhythmisch-fröhlichen Stückl, zu dem mancher gerne getanzt hätte. Aber der ausverkaufte Seidel-Saal bot keinen Platz dafür. Es waren ausgefuchste Instrumentalstücke, mit denen Maxi sein ganzes Können auf dem Akkordeon zeigte. Es waren Zwiesprachen mit dem Instrument, immer wieder neue Interpretationen eines Grundthemas. Es war seine musikalische Interpretation mit Harmonien und Lautstärke, die er zu oft schwermütigen Arrangements verarbeitete. Maxi schien sich dann selbst in seiner Musik zu verlieren, und man hoffte sehnlichst, dass er sich nicht so schnell davon trennen kann.

Maxi Pongratz zeigte auch sein Können auf dem Klavier.

Das Stück "D' Nocht is miad" war wie die Vorbereitung des Publikums auf das Ende des Konzerts. "Die Wäsche trocknet auch am Licht, wie schön ist das eigentlich?" Der holprige Reim regte zum Nachdenken an; über die Welt, über das Leben und das gerade erlebte Konzert. Die Wäsche war trocken.

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