16.04.2020 - 16:04 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Nach Messerattacke in die geschlossene Psychiatrie

Die Richter der Ersten Strafkammer des Landgerichts Amberg werteten das Delikt als gefährliche Körperverletzung und nicht als versuchten Totschlag. Sie sprachen keine Haftstrafe aus, schickten den psychisch kranken Mann in die Psychiatrie.

Ein 21-jähriger Mann musste sich vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts verantworten. Nach einer Unterredung mit seiner Familie zog er ein Messer und versetzte dem Freund der Schwester einen wuchtigen Stich von hinten in den Oberkörper.
von Autor HWOProfil

Wie lange der 21-Jährige aus Sulzbach-Rosenberg dort zu bleiben hat, müssen weitere Behandlungsmaßnahmen zeigen. Vor den Richtern saß ein junger Mann, der selbst zugab, verwirrt und aggressiv gewesen zu sein, als er dem Freund seiner Schwester im September vergangenen Jahres von hinten ein Messer in den Rücken rammte. Die Klinge durchtrennte Teile der Lunge. Eile bei einer Notoperation war geboten. Nur dadurch wurde das Leben des Opfers gerettet.

Der Vorfall, zunächst von Ermittlern der Kripo als versuchtes Tötungsdelikt eingestuft, ereignete sich, als der 21-jährige im Sulzbach-Rosenberger Haus seiner Mutter zunehmend in seinem Wesen unbeherrschter wurde. Deshalb suchten seine Schwester (20) und deren Lebensgefährte (22) das Gespräch mit ihm, empfahlen ärztliche Hilfe.

Das Ende dieser Unterredung, deren Anlass den 21-jährigen nach eigener Darstellung äußerst ärgerte, war dramatisch: Er zog ein Messer und versetzte dem Freund der Schwester einen wuchtigen Stich von hinten in den Oberkörper. Das Opfer der Attacke sagte nun vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts: "Ich habe nicht gesehen, dass er ein Messer in der Hand hatte."

In dem Prozess, der als sogenanntes Sicherungsverfahren ablief, kam es vorrangig auf die Einschätzung der Richter an. Sie hörten von einem psychiatrischen Sachverständigen, dass der 21-Jährige wegen seiner Erkrankung auf Hilfe angewiesen sei. Es gab auch eine Situationsbeschreibung des behandelnden Stationsarztes im Regensburger Bezirkskrankenhaus, in dem der junge Mann seit der Bluttat untergebracht ist.

Der Mediziner stellte dem 21-Jährigen eine durch verordnete Medikamente momentan günstige Prognose aus. Doch dem, so der Facharzt, stehe entgegen, dass man den 21-Jährigen wohl kaum in das Haus seiner Mutter zurückkehren lassen könne. Denn dann sei "der geregelte Tagesablauf nicht gewährleistet".

Eine schwere Entscheidung für die Strafkammer unter Vorsitz von Roswitha Stöber. Staatsanwältin Julia Weigl sprach sich für eine Unterbringung in der Psychiatrie aus. Verteidiger Jürgen Mühl war ebenfalls für eine Unterbringung. Allerdings ersuchte er die Kammer darum, diese Weisung zur Bewährung auszusetzen. Rechtlich wäre eine solche Entscheidung möglich gewesen.

Die Richter stuften den Messerstich als gefährliche Körperverletzung und nicht als versuchten Totschlag ein. Sie ordneten den Verbleib des 21-Jährigen in der Forensik an. Dessen weitere Entwicklung wird nun sehr genau zu beobachten sein. Womöglich werde sich für ihn irgendwann doch noch eine Chance ergeben, die geschlossene Psychiatrie verlassen zu können. Doch momentan, so hieß es, müsse ein solcher Schritt abgewartet werden.

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