Eigentlich stammt der „Mann mit den drei Chören“, der mit ihnen am Samstag, 16. März, um 19 Uhr im Amberger Ring-Theater auftritt, ja aus Frohnleiten an der Mur, einer kleinen Stadt in der Steiermark. Aber noch eigentlicher ist er ein Sulzbach-Rosenberger, denn 1972 blieb der damals 20-jährige Musiker Franz-Xaver Reinprecht in der Herzogstadt hängen, als er mit seiner Tournee-Tanzband im „De la musica“ auftrat. Seitdem hat er sein Leben hier verbracht - er war federführendes Mitglied beim legendären "Dampfschiff", spielt seit Jahrzehnten in der Bettler-Bigband. Die Berufsbilanz des 72-Jährigen kann sich sehen lassen, stellen wir nach einem Gespräch mit dem sympathischen Österreicher fest: Reinprecht studierte am Meistersinger-Konservatorium in Nürnberg Klavier und Geige, wurde ebenso in Komposition und als Chorleiter ausgebildet und arbeitete dann Jahrzehnte als Lehrer an der Städtischen Sing- und Musikschule Sulzbach-Rosenberg, davon viele Jahre als stellvertretender Leiter.
„Chöre haben mich schon immer fasziniert“, gesteht der Musiker und erinnert sich an die schicksalhafte Begegnung mit afrikanischen Kollegen bei einer Fortbildungsveranstaltung („ein riesiges Aha-Erlebnis“), die ihm die Tür zur Weltmusik und zu neuen Wegen im Chorgesang öffnete. Inzwischen leitet er drei Chöre: Den „Taucherchor“ in München, den „Hauptstadtchor“ in Nürnberg und natürlich seinen „Multichor“ in Sulzbach-Rosenberg, entstanden aus der Sing- und Musikschule (SMS). Sie alle sind ihm gleichviel ans Herz gewachsen, arbeiten sehr ehrgeizig und beschäftigen ihn praktisch täglich.
Breites Repertoire
Wir sehen uns die Chöre einmal an: 1995 entstand der Multichor an der SMS, er hat zwischen 30 bis 40 Mitwirkende und ein breites, sehr spezielles Repertoire zwischen Klassik, Pop und Weltmusik - so wie eigentlich alle Reinprecht-Chöre. Der Multichor probt jede Woche in der SMS und hat sich einen guten Namen gemacht. Dann ist da noch der bekannte „Taucherchor“ in München - warum Taucherchor? „Das war wohl ein satirischer Gegenentwurf zu den Fischer-Chören“, schmunzelt Reinprecht, er mutierte deswegen in München flugs zum Chorleiter „Toni Taucher“. Diesen Chor mit rund 40 Aktiven hat er quasi geerbt von einem Kollegen, der auch die „Raduga“-Chöre in Berlin, München, Prag und Wien leitet, bei denen Reinprecht auch selbst mitwirkte. „Wenn ich zur Taucherchor-Probe anreise, ist der Chor schon eingesungen“, schwärmt er von der Organisation der Vorbereitung, für die eine Stimmbildnerin verantwortlich ist. Alle zwei Wochen muss er hierfür nach München, auch zum Raduga-Chor, den er stellvertretend betreut.
Und dann wäre da noch der „Hauptstadtchor“ in Nürnberg – er wurde, so erinnert sich Reinprecht, 2011 von Exil-Sulzbachern in der Mittelfranken-Metropole gegründet. Auch hier ist jede Woche Probe, natürlich mit „FXR“, wie er in der Szene genannt wird.
Alle Stimmen eingesungen
Wie muss man sich nun die Arbeit eines so engagierten Chorleiters vorstellen - reinkommen, bis drei zählen und dirigieren? Reinprecht lacht. „Ich stelle für jedes Lied, das wir singen, jede einzelne Stimme bereit zum Üben“, erklärt er seine Arbeit. Er singt praktisch alle einzelnen Parts selbst ein, nimmt sie auf, und die Mitglieder können sich dann übers Internet ihren individuellen Teil herunterladen und zuhause üben. „Da muss man halt alle Stimmen drauf haben“, stapelt der Chef tief. Über die jeweiligen Homepages sind die Chor-Aktiven vernetzt. Notenkenntnisse braucht es nicht. So ähnlich hat er es von den Afrikanern gelernt: Einer singt, die andern singen nach und lernen es dabei.
Wie gut das geht, hat FXR 1995 mit dem indianischen Musical-Märchen „Ngoma-Bär“ bewiesen, das er mit der SMS samt Trommelgruppe, Band und Orchester und rund 100 Mitwirkenden mehrfach mit riesigem Erfolg aufführte. Auch heute noch schreibt er alle Chor-Arrangements, auch die für Pop-Titel, höchst eigenhändig. Heraus kommen Lieder, die sonst kein anderer Chor singt. Sie stammen auch aus Georgien, Russland, Ghana, Namibia und vielen anderen Ländern der Welt. Inzwischen mögen es wohl schon weit über 200 sein, die in der Repertoire-Kiste schlummern - in den Jahrzehnten sammelt sich so einiges an.
Echter Fulltime-Job
Seit zehn Jahren gibt es die „Drei-Chöre-Konzerte“ abwechselnd in München, Nürnberg und Sulzbach-Rosenberg. Für den Amberger Auftritt wird in einem Velburger Hotel geprobt - rund 100 Mitglieder der Chöre reisen dort zum gemeinsamen Üben an. Sie verstehen sich gut, und Franz-Xaver Reinprecht weist augenzwinkernd auf eine Besonderheit hin: „Die Chöre haben inzwischen schon so manche Ehe gestiftet - regelmäßiges gemeinsames Singen verbindet eben".
Finanziert wird der Chorleiter übrigens aus Monatsbeiträgen und Spenden der Mitglieder, manchmal hilft die Förderung für eine Veranstaltung. Reich wird dabei keiner, der Idealismus steht im Vordergrund, und bei Reinprecht kann man, arbeitstechnisch gesehen, inzwischen schon von einem Fulltime-Job reden. Und so wird „FXR“ bald wieder ins Auto steigen und das tun, was er seit dem (angeblichen) Ruhestand fast schon täglich tut: Er fährt zu einer Chorprobe, stets begleitet und unterstützt von seiner Frau Kati. Und in München, Nürnberg und Sulzbach-Rosenberg warten die Sängerinnen und Sänger voller Vorfreude auf „ihren“ Chef – den Mann mit den drei Chören.
Konzert der drei Chöre in Amberg
- Mitwirkende: Taucherchor München, Hauptstadtchor Nürnberg, Multichor Sulzbach-Rosenberg
- Gesamtzahl: rund 100 Sängerinnen und Sänger
- Termin: Samstag, 16. März, 19 Uhr
- Konzertort: Ringtheater
- Sonstiges: Eintritt frei, Spenden erwünscht















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