14.02.2020 - 15:54 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Musiker im Fasching: Erst Tusch, dann Wunschkonzert

Fasching ist die Zeit der Bälle. Dort wirken die Bands, meist sind es Altgediente. Einer von ihnen ist Ernst Dobmeier. Er gibt uns einen Blick hinter die Kulissen eines langen Abends und in den Musiker-Alltag.

Ernst Dobmeier ist ein alter Hase auf den Bühnen der Region – und noch macht ihm die Musik Spaß.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Der Fasching erreicht seinen ersten Höhepunkt, und mit dabei sind "Ernst & Leo", die beiden Dobmeier-Brüder. Sie gestalten den Stadt- und Inthronisationsball der Knappnesia mit.

ONETZ: Herr Dobmeier, wie muss man sich einen typischen Arbeitstag eines Band vorstellen – nehmen wir doch mal den Stadtball in Großenfalz. Schildern Sie uns doch den Ablauf, vom An- bis zum Abmarsch.

Ernst Dobmeier: Mein Bruder und ich treffen uns pünktlich um 18 Uhr vor der Tanzarena in Großenfalz. Ich komme von Erlheim bei Ursensollen, mein Bruder Leo aus Pfreimd. Binnen 10 Minuten haben wir unser gesamtes Equipment auf die Bühne geräumt. Wir müssen uns in der hintersten Ecke mit minimalem Platz begnügen. Ergebnis: Sehen kann uns keiner, hören schon.
Unsere veranschlagte Aufbauzeit beträgt maximal 35 Minuten. Wir erhalten von der Faschingsgesellschaft zwei DIN A 4 Seiten mit dem minutiösen Programmablauf ausgehändigt. Es ist 20 Uhr - der Abend beginnt mit der Präsidenten-Begrüßungsrede. Unser Auftrag dazu: dezente Hintergrundmusik machen. Wir entscheiden uns für ein ruhiges Stück von James Last.
So wird nach und nach die Liste von der Knappnesia abgearbeitet. Sie brilliert mit ihren Auftritten. Bevor wir aber die erste, um 21.15 Uhr veranschlagte Tanzrunde vollstrecken können, haben wir uns bereits mit Tusch und Narrhalla-Märschen förmlich "warmgespielt".

ONETZ: Dann kommt die erste Runde?

Wir beginnen wie üblich mit dem STS-Klassiker "Gell, du bleibst heit Nacht bei mir" , als nächstes von Bob Moore "Mexico", zum Schluss kräftiges Mitsingen bei der deutschen Version von "Hello Mary Lou". Die nächste Tanzrunde erfolgt planmäßig um 21.45 Uhr, also eine halbe Stunde später.
Trotz zeitlicher Vorgaben verzögert sich der offizielle Teil um eine halbe Stunde bis 0:30 Uhr. Die Knappnesia hat sich inzwischen von den Gästen verabschiedet und die Bühne verlassen. Wir sind mit den Gästen "allein". Jetzt schlug die große Stunde der Tanzgeschulten. Wir wurden erneut mit Wünschen befeuert und sollten vor allem nochmals klassische Tänze abliefern. Das machten wir natürlich gerne. Mit "Detroit City" verabschiedeten wir uns. Und einigen uns auf zwei Zugaben.
Es war jetzt ca. 2 Uhr. In Rekordtempo verstauten wir unser Equipment in unseren Autos. Finanzministerin Sabine kommt rechtzeitig mit der Kohle an, schnell noch quittieren, vom Rest verabschieden und dann nichts wie über alle Berge Richtung Heimat. Dann fahre ich gemütlich nach Hause.

ONETZ: Sie sind also eigentlich ununterbrochen auf der Bühne? Gerade im Fasching gibt es ja ständig irgendwo einen Tusch zu spielen, einen Ein- oder Auszug und dergleichen.

Es ist tatsächlich so, dass wir bis auf wenige Ausnahmen permanent auf der Bühne hinter den Verantwortlichen der Knappnesia stehen und darauf warten, dass man uns per Zuruf oder per Zeichen bittet, entweder den Narrhalla-Marsch, einen Tusch, den Prinzen Walzer usw. spontan zu spielen. Gefühlte 100 Tuschs und Narrhalla-Märsche sind die Konsequenz.

Leo Dobmeier, Ernsts Bruder, gilt als Fachmann für Keyboards.

ONETZ: Sie sind auch zuständig für die Mikrofone, die Conferencier und Gäste benutzen?

Ja natürlich. Auf die Frage "Hallo Ernst, wir können doch wieder bei euch anstecken und unsere Musik über eure Anlage einspielen - und für unseren Präsidenten habt ihr bestimmt ein Funk-Mikro parat?", gab's von mir ein: "Ja, natürlich".

ONETZ: Erfüllen Sie auch musikalische Sonderwünsche?

Schon zu "Desperados-Zeiten" warben wir damit, die Musik zu spielen, die die Leute auch hören wollten. Ich weise das Publikum immer wieder darauf hin, dass wir sehr gerne Hörerwünsche erfüllen. Für uns auch deswegen so interessant, weil wir den Geschmack des Publikums in etwa einordnen können.

ONETZ: Wie lange dauert denn eine normale Tanzrunde, und was wird am meisten gespielt?

Jetzt speziell für den Stadtball gesprochen lautete die Vorgabe drei Stück - aber flexibel. Es ist übrigens eine alte Wirt-Vorgabe, jede Tanzrunde mit einem flotten Stück zu beenden. Die Leute sind dann ausgepowert, haben umso mehr Durst, das Geschäft blüht. Interessant an diesem Abend waren für uns die vielen, tanzgeschulten Paare. Ohne Scheu und Berührungsängsten wünschten sie sich Standards wie Cha-Cha-Cha, Rumba, Charleston, Disco-Fox, Jive, Boarische und Zwiefache.

ONETZ: Bei Ihnen ist die Musik (bis aufs Schlagzeug) noch handgemacht. Welchen Aufwand müssen Sie aufbringen?

Es war schon immer ein Markenzeichen von uns, dass wir jeden Ton selber spielen und singen. Lediglich unser kleiner, pflegeleichter elektronischer Schlagzeuger (Thorben) verstärkt uns. Wir müssen jedes Lied richtig herkömmlich einüben. Mein Bruder Leo ist notenfest und macht sich Aufzeichnungen. Er hat sein Keyboard gesplittet, d. h. auf der linken Seite spielt er Bassläufe, rechts Begleitung oder Melodie.

ONETZ: Beim Stadtball hatten Sie entscheidenden Anteil am Gelingen des Abends. Hat die Knappnesia das auch so gesehen?

Ohne überheblich wirken zu wollen, behaupten wir, großen Anteil am Gelingen gehabt zu haben. Wir erhielten ausschließlich positive Rückmeldungen Auch hatte ich das Gefühl, als würde ich den ganzen Saal persönlich kennen. Viele bekannte Gesichter aus alten Zeiten.

ONETZ: Wie lange treten Sie schon auf, und wie lange werden Sie noch durchhalten?

Leo und ich sind in der Besetzung "Ernst und Leo" seit vier Jahren unterwegs und schauen, dass wir langsam "ins Geschäft" kommen. Unser Potenzial haben wir noch längst nicht ausgeschöpft. Ich persönlich bin seit meinem 20. Lebensjahr musikalisch tätig, damals noch in den Formationen "Musik-Company" (hauptsächlich Nabburg, Kemnath/Buchberg, Hofenstetten), dann bei den "Desperados" und jetzt mit "Ernst und Leo". Was ich derzeit mit meinem Bruder musikalisch mache, ist mit das Beste, was ich bisher angepackt habe.

ONETZ: Ihr Schlußwort?

Gute Musik zu machen ist für uns beide einfach ein Lebenselixier. Und wie sagte schon Konfuzius: "Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm" - schon unser Vater war ja ein begehrter Musiker und ging beim Bayerischen Rundfunk ein und aus.

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