31.03.2019 - 15:39 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Mut zu vier Minuten Stille

Den besonderen Nervenkitzel, vor den eigenen Schülern zu spielen, meistern die Lehrer der Städtischen Sing- und Musikschule mit links. Beim traditionellen Lehrerkonzert wagen sie sich sogar noch einen Schritt weiter vor.

Klassischer Auftakt mit Schubert und dem Streich-Trio Hubert.
von Anke SchäferProfil
Stefan Frank und Lisa Milyukova setzten südländische Akzente.
Einen Abstecher in die Biedermeier-Zeit unternahmen Susanne Behnes-Wessel, Andreas Fischer und Michael Kämmle (von links).
John Cages Vier Minuten 33 Sekunden Stille in drei Sätzen forderten Akteure wie Publikum.
Als Lehrercombo zogen Werner Wiesmeth, Stefan Frank, Andreas Fischer, Eckhard Kopetzki, Lisa Milyukova und Susanne Lotter (von rechts) mal jazzige Seiten auf.

Die Freude an Neuem wie Rarem prägte den genussreichen Abend von Anfang an: Beim Blick auf die im Programm aufgelisteten Komponisten fehlten die üblichen Verdächtigen fast zur Gänze. Stattdessen viele ungeläufige Namen, die jedoch dank der nicht ganz abgeklemmten pädagogischen Ader der Ausführenden schnell einzuordnen waren.

Bei Franz Schubert, mit dem das Streichtrio Richard Hubert (Violine), Eugen Hubert (Viola) und Tatjana Hubert (Violoncello) das Konzert anstimmte, war das natürlich weniger notwendig als beim australischen Fingerstyle-Virtuosen Tommy Emmanuel, den Gitarrist Andreas Fischer vorstellte, oder bei dem französischen Komponisten und Organisten Félix Alexandre Guilmant, dessen "Morceau Symphonique" Posaunist Markus Koppmann und Pianistin Lisa Milyukova im Duett verband.

Saxophonist Stefan Frank hatte sich ebenfalls für Lisa Milyukova am Flügel und das schmelzend, temperamentvolle Werk "Asturias" von Henri Busser entschieden, während Michael Kämmle der historischen Flöte treu blieb und zusammen mit Sopranistin Susanne Behnes-Wessel und Gitarrist Andreas Fischer einen Abstecher in die Innigkeit der Biedermeier-Zeit unternahm.

Nach der Pause war aber Schluss mit beschaulicher Vergangenheit: Cellistin Tatjana Hubert erfüllte sich den lang gehegten Wunsch, mit Artemi Aiwasjans "Georgischem Tanz" einen naturgewaltigen, lebensfrohen Landstrich aufblühen zu lassen, Lisa Milyukova begleitete auch hier am Flügel.

Mut, Witz und ein hohes Maß an künstlerischer Disziplin offenbarte das eigens zusammengestellte Projektorchester bei der Huldigung des Gottes der Gegenwartsmusik: John Cages "4′33″" mit Maestro Kämmle am Pult. Vier Minuten 33 Sekunden Stille in drei Sätzen - das muss man erst mal wuppen. Das dabei ebenfalls geforderte Publikum erwies sich als aufgeschlossen und verfolgte die Performance so gespannt wie amüsiert.

Nach der kunstvollen Ruhepause ging die mit Eckhard Kopetzki (Schlagzeug) und Susanne Lotter (Bass) gastverstärkte Lehrercombo (Saxophonist Stefan Frank, Pianist Werner Wiesmeth, Gitarrist Andreas Fischer) zum finalen Abfackeln der Bühne über. An den jazzigen "Morning Dance" der Band Spyro Gyra reihte sich der Jazz-Klassiker "Misty" mit Lisa Milyukova, die, wäre sie nicht Konzertpianistin und Klavierpädagogin, auch in jedem Jazz-Club als Sängerin Furore machen würde.

Den Scheitelpunkt der Begeisterung erstürmte man schließlich mit Stevie Wonder, dessen unsterblicher "Sir Duke" Combo und Publikum gleichermaßen euphorisierte und auch die letzten Zweifel hinsichtlich der Coolness von SMS-Lehrern davon fegte.

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