05.11.2021 - 11:50 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Neuer Sulzbacher Stadtpfarrer Herbert Mader im Interview: "Ich bin nicht die Kopie meines Vorgängers"

Seit acht Wochen ist Herbert Mader neuer Pfarrer in St. Marien in Sulzbach. Im ersten Teil unseres Interviews spricht der 53-Jährige über Kritik an seinem Vorgänger Walter Hellauer, immer weniger Gläubige – und sein Lieblingsessen.

Beim Besuch in seiner Wohnung präsentiert sich Pfarrer Herbert Mader als lockerer und humorvoller Typ. In seiner neuen Pfarrgemeinde in Sulzbach kommt das gut an – viele Gläubigen empfinden seine Art als erfrischend.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

ONETZ: Sie waren zuvor zehn Jahre in Bad Kötzting und sind nun seit zwei Monaten Pfarrer von St. Marien. Haben Sie schon bereut, ihrer Versetzung zugestimmt zu haben?

Pfarrer Herbert Mader: Überhaupt nicht. Ich habe mich zwei Monate auf den Umzug vorbereitet. Hier bin ich in der Nähe meiner Hirschauer Heimat, dort leben meine Eltern. Der Menschenschlag hier in Sulzbach ist anders, aber ich kann sagen: Das ist genau mein Schlag. Es ist heimatlicher.

ONETZ: Waren Sie vor dem Wechsel nach Sulzbach nervös?

Pfarrer Herbert Mader: Ja, weil ich nicht wusste, was mich erwartet. Ich muss nach zehn Jahren wieder neu anfangen. Es ist nicht das bauliche, es geht ums Soziale, den Kontakt zu den Menschen. Mit einem Seelsorger-Wechsel verbinden sich immer Erwartungen. "Wie tickt der Neue? Geht er auf uns zu? Sind wir ihm wichtig?" Für mich ist wichtig: Ich bin nicht die Kopie meines Vorgängers. Die Leute sollen mich so kennenlernen, wie ich wirklich bin.

ONETZ: Was ist Ihnen beim Wechsel aufgefallen? Sitzen in Sulzbach weniger Menschen in der Kirche? Bad Kötzting ist vergleichsweise ja noch sehr katholisch...

Pfarrer Herbert Mader: Ich habe keinen Vergleich, weil ich nicht weiß, wie es in Sulzbach vorher war. Aber so gebenedeit und katholisch ist der Bayerische Wald inzwischen auch nicht mehr. Corona war sicher ein Einbruch für die Kirche. Mein Eindruck ist, dass die Gottesdienste in Sulzbach noch ganz gut besucht sind. Ich möchte aber wieder mehr junge Familien ansprechen, Kinder in die Kirche holen.

ONETZ: Vor zehn Jahren hatte St. Marien noch 160 Ministranten, inzwischen sind es rund 20. Was wollen Sie tun, um wieder junge Menschen in die Kirche zu holen?

Pfarrer Herbert Mader: Es ist wirklich schwierig. In allen Pfarreien, in denen ich war, sind die Ministrantenzahlen auch zurückgegangen – obwohl keine schlechte Arbeit gemacht wurde. Es hat sich insgesamt die Kirchenbindung verändert, nicht nur von jungen Leuten. Es ist ein gesamtgesellschaftliches Phänomen, das nicht nur die Kirche zu beklagen hat, viele Vereine haben inzwischen massiv mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen.

ONETZ: Wollen Sie in der Pfarrei etwas verändern? Über ihren Vorgänger Pfarrer Walter Hellauer mehrten sich zuletzt Klagen hinter vorgehaltener Hand, er sei zu zurückhaltend und zeige wenig Interesse am Gemeindeleben...

Pfarrer Herbert Mader: Wenn man eine neue Pfarrei betritt, ist es ein pastoraler Grundsatz, erst mal Augen und Ohren aufzusperren, das werde ich jetzt mal ein Jahr lang machen. Von Veränderungen kann ich deshalb noch nicht reden. Es ist mir auch bewusst, dass vieles, was meinen Vorgänger betrifft, an mich herangetragen wird. Ich möchte Walter Hellauers Amtsführung nicht bewerten. Jeder Pfarrer versucht mit seiner Art das Bestmögliche zu tun. Wenn es Missstände in der Vergangenheit gibt, dann möchte ich damit wertneutral umgehen und neu beginnen. Ich bin jetzt neu und erhoffe mir eine Chance von den Gläubigen.

ONETZ: Eine weltliche Frage: Können Sie eigentlich kochen – und was ist Ihr Lieblingsessen?

Pfarrer Herbert Mader: Ja, kochen kann ich. Mein Lieblingsessen ist ein Sauerbraten, vor allem der, den meine Mutter immer macht (lacht). Aber ich mag auch die italienische Küche sehr, da koche ich dann gerne selbst. Grundsätzlich bin ich beim Essen sehr bodenständig. Die bayerisch-böhmische Küche schmeckt mir immer.

Der Unmut über Pfarrer Maders Vorgänger Walter Hellauer war groß. Ein Kommentar.

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