02.10.2020 - 15:38 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Öffentlicher Dienst: Verdi-Warnstreik in Sulzbach-Rosenberg

Der Tag vor dem Feiertag 3. Oktober ist in Sulzbach-Rosenberg für viele kein klassischer Arbeitstag. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi rief zum Warnstreik im öffentlichen Dienst auf.

von Heidi FranitzaProfil

Dichter Nebel hing noch über dem Sulzbacher Land, als ob er die Aktivitäten der Einwohner einschränken wollte. Aber vor dem Rathaus herrschte am Freitag schon außergewöhnliche Aktivität. Transparente und Flyer waren zu sehen. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hatte schon seit 22. September zu bundesweiten Warnstreiks aufgerufen. Die beiden letzten Tarifverhandlungsrunden waren gescheitert. Verdi wirft den Arbeitgebern vor, darin kein Angebot vorgelegt zu haben.

"Rund 2,3 Millionen Beschäftigte im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen halten den Laden am Laufen, auch und gerade in der Corona-Pandemie. Sie sagen: Applaus allein reicht nicht und erwarten, dass sich die Wertschätzung auch materiell ausdrückt." Mit diesem klaren Statement unterstützt die Gewerkschaft ihre klaren Forderungen: Erhöhung der Tabellenentgelte um 4,8 Prozent, mindestens aber um 150 Euro monatlich. Erhöhung der Entgelte der Auszubildenden, Studierenden und Praktikanten um 100 Euro monatlich. Laufzeit zwölf Monate. Und: Tarifierung der Ausbildungsbedingungen der Studierenden in den bislang nicht tariflich geregelten praxisintegrierten dualen Studiengängen

Die dritte Verhandlungsgrunde ist nun für den 22. und 23. Oktober angesetzt. Am Freitag legten Beschäftigte in Sulzbach-Rosenberg die Arbeit nieder. Betroffen waren dabei vor allem der städtische Bauhof, die Gärtnerei und die Stadtwerke. Zudem war der Publikumsverkehr für einige Dienste im Rathaus eingeschränkt. Die Warnstreiks zielten vor allem darauf ab, deutlich zu machen, dass die Blockadehaltung der Arbeitgeber nicht akzeptabel sei.

"Die Öffentlichkeit soll sehen, wie breit der Öffentliche Dienst aufgestellt ist. Vieles läuft reibungslos und im Hintergrund und daher oft unbemerkt. Urlaub daheim hat manchen die Augen geöffnet; ohne Wasserversorgung funktioniert kein Hygieneschutz," betonte Gewerkschaftssekretärin Kathrin Birner bei der Kundgebung.

Stefan Christau als Personalratsvorsitzender des Kommunalunternehmens Krankenhäuser des Landkreises Amberg-Sulzbach überbrachte solidarische Grüße des St.-Anna-Krankenhauses und der St.-Johannes-Klinik. Aber er richtete auch deutliche Worte an die Arbeitgeber: "Von den vielen Versprechungen aus der Politik für die Arbeitsbedingungen und Bezahlung der sogenannten und hochgelobten systemrelevanten Berufe ist quasi nichts übrig geblieben."

Christau formulierte eine klare Botschaft: "Wer ordentliche Gesundheitsvorsorge, sinnvolle, bürgernahe Strukturen und einen geordneten, durchaus auch bequemen Alltag mit all den Leistungen genießen will, die die Beschäftigen nicht nur in Krisenzeiten erbringen, der muss auch dafür bezahlen!"

An die Solidarität appellierte Joachim Bender, Fraktionsvorsitzender der SPD im Stadtrat und seit über 50 Jahren Mitglied bei der IG Metall. "Nur wenn sich etwas auf der Straße bewegt, dann bewegt sich auch etwas in den Tarifverhandlungen. Das sollten auch alle jene erkennen, die sich jetzt hinter den Vorhängen verstecken, auf uns blicken und schließlich von eurem Engagement profitieren." Wolfgang Berndt vom DGB Ortskartell betonte: "Als Gewerkschaften halten wir über verschiedene Branchen hinweg zusammen. Es ist wichtig, dass der öffentliche Dienst jetzt Flagge zeigt!"

Das Thema Solidarität und Pandemie durchzog auch die Rede des Verdi-Bezirksvorsitzenden Stefan Dietl: "Bei Unternehmensrettungen und Wirtschaftshilfen wurde die Bazooka ausgepackt, und nun sollen die Arbeitnehmer die Zeche dafür bezahlen!" Dietl prangerte auch die Verweigerungshaltung der öffentlichen Arbeitgeber an, ohne in eine pauschale Verurteilung zu verfallen.

Er richtete seine Worte an die Stadtratsmitglieder, zu denen sich mittlerweile auch die Dritte Bürgermeisterin Hildegard Geismann und der SuRo2030-Stadtrat Ralf Volkert gesellt hatten. "Es ist wichtig zu sehen, dass die Linie der kommunalen Arbeitgeber nicht der Haltung aller kommunalen Verantwortungsträger entspricht, sondern sie sich hinter ihre Beschäftigten stellen."

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