18.04.2019 - 15:35 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Osterbräuche: Die Griechen tischen groß auf

Ist unser Osterfest vorbei, beginnt für die Griechen die große Woche, wie sie die Karwoche nennen. In diesen Tagen fühlt sich der in Sulzbach-Rosenberg lebende Grieche Dr. Angelos Gountidoudis besonders mit seiner Heimat verbunden.

Zwei Schokoladen-Häschen sitzen im Gras und warten darauf, dass sie gefunden werden. Kleine Nesterln, gefüllt mit Süßem, suchen auch in Sulzbach-Rosenberg die Kinder für ihr Leben gerne. Doch in anderen Ländern gibt es andere Bräuche.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Nur alle vier Jahre fällt unser Osterfest mit dem der griechisch-orthodoxen Kirche zusammen. "Ostern ist mit Abstand das größte Fest in Griechenland", sagt Dr. Angelos Gountidoudis, der aus Thessaloniki, einer Großstadt mit 80 Kirchen im Norden des Landes, stammt. Seit 1959 lebt er in Deutschland, nach dem Medizinstudium in München arbeitete er in großen Kliniken in der Landeshauptstadt, in Augsburg und Ingolstadt. 1977 eröffnete er am Loderhof eine internistische Praxis, seit einigen Jahren ist er im Ruhestand. In seine alte Heimat Griechenland pflegt er nach wie vor eine enge Beziehung.

In der großen Woche, wie in Griechenland die Karwoche genannt wird, gibt es allabendlich lange Gottesdienste, am Karfreitag sogar rund um die Uhr. Gountidoudis erzählt, dass die Griechen das Leiden Christi in tiefer Trauer erlebten, viele Menschen - ob jung oder alt und Männer genauso wie Frauen und Kinder - hätten in dieser Zeit, vor allem am Gründonnerstag und Karfreitag, Tränen in den Augen. Am Karfreitag läuten die Glocken aller Kirchen des Landes von 7 Uhr morgens bis 22 Uhr abends alle 60 Sekunden in einem langsamen Rhythmus. "Das verstärkt die traurige Atmosphäre", schildert der 78-Jährige. An diesem Tag verzichten gläubige griechisch-orthodoxe Kirchen auf Fleisch, Fisch und Milchprodukte. "Man isst stattdessen Bohnen, Erbsen oder Linsen." Wie Gountidoudis weiter berichtet, beginnt der Gottesdienst zur Auferstehung Christi am Karsamstag um 22 Uhr und dauert bis 2 Uhr morgens. Zwei Minuten vor Mitternacht wird landesweit - außer in den Krankenhäusern - der Strom abgeschaltet, 120 Sekunden lang ist es in ganz Griechenland stockfinster. Mitternacht zünden die Priester eine Kerze vom heiligen Licht aus der Grabeskirche in Jerusalem, an und geben das Feuer an die Kerzen weiter, die die Gläubigen mitgebracht haben. "Dann wird landesweit wieder der Strom eingeschaltet, die Menschen umarmen und beglückwünschen sich."

Nach Angaben des 78-Jährigen ist dies der Auftakt zu den Feierlichkeiten, die drei Tage dauern. Die Griechen kennen nämlich auch noch den Osterdienstag. Eine Spezialität zu Ostern ist Lamm am Spieß, es wird im Freien gebraten und im Familienkreis verzehrt. "Jeder Mensch in Griechenland muss davon ein Stück abbekommen - ausnahmslos." Gountidoudis spricht von fröhlichen Feiern, bei denen getanzt, gut gegessen und getrunken wird. Neben Lamm gibt es noch verschiedene Fleisch- und Fischspezialitäten, Pizza und Süßigkeiten - 30 bis 40 Gerichte sind da keine Seltenheit. Eine traditionelle Speise ist außerdem "Magiritsa", wie die mit Fleisch und Gemüse und besonders gut gewürzte Oster-Suppe auch genannt wird.

Für Arme oder Alleinstehende organisieren die Kirchengemeinden die Feiern, dazu sind nach Angaben des früheren Arztes auch die Flüchtlinge eingeladen. Ostereier werden in Griechenland auch gefärbt - traditionell aber nur in Rot. Diese Farbe symbolisiert das Blut Christi, erklärt Angelos Gountidoudis.

Keinen Feiertag haben die Menschen in New York, weder am Karfreitag noch am Ostermontag. „Alle Geschäfte sind auch an Ostern offen“, erzählt Christl Pelikan-Geismann, die 45 Jahre im Big Apple gelebt hat und auch momentan in New York weilt. Das Wichtigste für praktizierende Katholiken und Protestanten sei, sich am Karfreitag einige Stunden frei zu nehmen, um in die Kirche zu gehen. Christl Pelikan-Geismann berichtet, dass an Ostern die Kirchen so voll seien „wie bei uns an Weihnachten“.

Wichtig für die New Yorker sei, die neuen Klamotten inklusive Hüte auszuführen, und für die Kinder das Easter Outfit. Mädchen und Buben an der amerikanischen Ostküste färben auch Eier. „Meine amerikanischen Freunde sagen mir aber, dass dieser Brauch allmählich ausstirbt.“ In verschiedenen Parks in Manhattan, zum Beispiel im Central Park, dürfen Eier beziehungsweise mit Süßigkeiten gefüllte Osterkörbe gesucht werden. „Egg Hunt“ nennen dies die Amerikaner, wobei die Kinder die größte Freude an der Eier-Jagd haben.

Die Easter Parade gibt es seit 1880 in New York. Bis circa 1950 eine Modenschau, ist die Parade, die von 10 bis 16 Uhr auf der Fifth Avenue zwischen 49th und der 57th Street verläuft, ein „absoluter Zirkus“. Menschen tragen Osterhüte, oft meterhoch. „Nichts ist verrückt genug“, kommentiert Christl Pelikan-Geismann dieses Spektakel. „Selbst Hunde werden kostümiert.“ . Die Sulzbach-Rosenbergerin bevorzugt, die Parade vor dem Fernseher zu verfolgen, statt sich ins Getümmel zu stürzen.

Zum jährlichen Egg Hunt lädt der amerikanische Präsident seit 1878 in Washington ein. Er findet vor dem Weißen Haus statt. Erwartet werden jährlich circa 30 000 Teilnehmer, Eltern mit Kindern aus allen US-Bundesstaaten. „Es gibt eine Lotterie, um sich Plätze zu sichern“, weiß Christl Pelikan-Geismann. Kulinarisch gehört für viele Amerikaner der „sündhaft teure Oster-Brunch“ dazu. Oder sie feiern zu Hause im Freundeskreis bei Schinken und Lamm. Christl Pelikan-Geismann trifft sich mit Freunden – auch aus Amberg, darunter vier Chinesinnen, in Chinatown. „Das ist ein etwas anderer Osterbrunch, wird aber sicherlich lustig“, sagt sie.

Für finnische Kinder ist bereits Palmsonntag ein großer Tag. Da nämlich verkleiden sie sich als Hexen, verzieren Palmkätzchen-Äste mit Federn und ziehen von Haus zu Haus, erzählt Sari Götzl aus Königstein. Die gebürtige Finnin stammt aus Orivesi bei Tampere und lebt seit 1984 in Deutschland. Die kleinen Osterhexen sagen für die Leute Sprüchlein auf und bekommen im Gegenzug Süßigkeiten.

Traditionell wird an Ostern Mämmi aufgetischt. Der schwarze Malzbrei wird mit Vanillesauce und Milch gegessen, erinnert sich Sari Götzl. „Mämmi schaut unheimlich aus, schmeckt aber sehr gut“, sagt sie lachend. Früher habe es ihn nur an Ostern gegeben, inzwischen könne man den Malzbrei ganzjährig tiefgefroren kaufen. Zu Ostern backen die Finnen Plätzchen aus Löffelbisquit-Teig, die wie Ostereier geformt und mit Marmelade gefüllt sind. Und weil Ostern quasi das Frühjahr einläutet, sät man Gras (finnisch: ruoho) in Schalen, Schüsseln, kleinen Kuchenformen. Sprießen die ersten Halme, setzt man kleine gelbe Deko-Küken in die Gefäße. Momentan lässt der Frühling im hohen Norden noch auf sich warten. Von ihrer Mutter weiß Sari Götzl, dass derzeit 15 Zentimeter Schnee liegen. Pünktlich zu Ostern soll es milder werden: Zehn Grad meldet der Wetterbericht.

Dr. Angelos Gountidoudis erzählt von den Bräuchen an Ostern in seiner griechischen Heimat.
Info:

Die Glocken bringen Süßes

Am Karfreitag wird kein Fleisch gegessen, am Ostersonntag suchen die Kinder fleißig die Nester, die der Hase für sie versteckt hat. Doch nicht überall kommt der Osterhase. Andere Länder, andere Sitten – das gilt auch für die Bräuche zu Ostern.

Für die Franzosen ist Ostern ein Familienfest, berichtet Dominique Kleinecke. Sie kommt aus dem im äußersten Südwesten Frankreichs liegenden Baskenland und lebt seit 1979 in Sulzbach-Rosenberg. Aufgetischt wird am Ostersonntag häufig Lamm zum Mittagessen. Die Kinder suchen auch Süßes und Schokolade – das allerdings bringt ihnen nicht der Osterhase, „sondern die Glocken“. Kleinecke erläutert den Hintergrund dieses Brauchs: In Frankreich läuten die Kirchenglocken am Gründonnerstag letztmals. Dann fliegen sie der Legende nach Rom zum Heiligen Vater. Von dort kehren sie am Ostersonntag zurück – und bringen Schokolade für die Kinder mit. Dominique Kleinecke erinnert sich daran, dass zu Ostern die Feinbäckereien – Pâtisserie genannt – sehr schöne Dekorationen mit Hasen und Hennen in ihren Schaufenstern haben. Karfreitag ist beim westlichen Nachbarn übrigens kein Feiertag. Lediglich Ostermontag ist für die Franzosen arbeitsfrei.

Schaulaufen der besonderen Art: Die Easter Parade auf der weltberühmten Fifth Avenue in New York.
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