29.10.2020 - 14:03 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Pestalozzi-Schule startet Projekt für Sozial- und Verkehrskompetenz

Ein Amberger Lehrer hatte vor gut 40 Jahren die Idee, Kettcars für pädagogische Zwecke zu nutzen. Der freien Fahrt setzt nur eine einzige Regel Grenzen.

Die Klasse 4a steht bereit für die Probefahrt mit den neuen Kettcars. Sponsorenvertreter und Gäste schauen zu.
von Heidi FranitzaProfil

Erwartungsvoll standen die Schüler der Klasse 4a der Pestalozzi-Schule auf dem Pausenhof: Endlich sollte der neue Kettcar-Fuhrpark offiziell übergeben werden.

Das Konzept, mit Kettcars den Aufbau von elementarem Sozial- und Verkehrsverhalten zu fördern, geht auf eine Idee des Amberger Pädagogen Herrmann König aus den 1970er- und 1980er-Jahren zurück. In einem von Dachlatten begrenzten Raum dürfen sich die Kinder mit ihren Kettcars frei bewegen. Es gibt nur eine einzige Regel: Keinen Unfall bauen. Passiert doch etwas, gibt der Lehrer mit einem Pfiff auf seiner Trillerpfeife das Signal für alle, anzuhalten. Die Unfallbeteiligten müssen dann aussteigen, aber über eine mögliche Schuldfrage wird nicht diskutiert. An ihrer Stelle weiterfahren dürfen Kinder, die am Rand gewartet haben.

Ein rhythmisches Sprechstück der Schüler, unterstützt von Boomwhackers, begrüßte die Gäste. Wie Rektorin Gunda Köstler erklärte, musste beim Schulamt ein Konzept eingereicht werden. "Ein sicher wichtiger Punkt für die Genehmigung des Projekts war wohl auch die mögliche Nutzung für die Jahnschule und das Förderzentrum", erklärte die Rektorin. "Kooperation und Inklusion waren und sind uns immer sehr wichtig."

Bürgermeister Michael Göth begrüßte das Engagement für das Projekt, das die Sozialkompetenz der Kinder stärke und gleichzeitig der Unfallvermeidung diene. Gernot Schötz von der Kreisverkehrswacht Amberg freute sich, dass die Kinder einen weiteren Baustein für die Verkehrserziehung und -kompetenz erhalten haben und sagte jegliche konzeptionelle Mithilfe zu.

Ohne großzügige finanzielle Unterstützung hätten die Kettcars nicht angeschafft werden können. Die Sparkasse förderte das Projekt mit 3500 Euro, je 500 Euro kamen vom Elternbeirat und vom Förderverein. Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse, Alexander Düssil, Elternbeiratsvorsitzender Marcel Papp und die beiden Vertreterinnen des Fördervereins, Stefanie Hierl und Heidi Oswald, schauten sich selbst an, wofür das Geld investiert worden ist.

Endlich gab dann die Lehrerin Julia Jakuttis mit einem Pfiff den Platz frei. Mit viel Elan steuerten die Mädchen und Buben die Kettcars über den eng abgesteckten Bereich. Ein Unfall ließ nicht lange auf sich warten. Nach dem Fahrerwechsel signalisierte ein erneuter Pfiff freie Bahn. "Das Areal kann über die Latten jederzeit verengt oder erweitert werden", erklärte Jakuttis und hatte gleichzeitig ein wachsames Auge auf das Verhalten ihrer Klasse. "Zudem könnte über zwei verschiedene Signale das akustische Signaltraining erweitert werden." In diesem Moment musste ein weiterer Pfiff den Bewegungsdrang der Kinder stoppen. Ein Schüler war seinem Kettcar über die Absperrung hinaus gefahren.

Hausmeister Gerhard Lutter ist für die Wartung der Kettcars verantwortlich. Ihm ist natürlich daran gelegen, dass alle Gefährte am Ende der Rundfahrten ohne Blessuren abgestellt werden.

Mit einem musikalischen Gruß empfingen die Kinder die Gäste.
Rektorin Gunda Köstler: "Ein wichtiger Punkt für die Genehmigung des Projekts durch das Schulamt war wohl auch die mögliche Nutzung für die Jahnschule und das Förderzentrum.“
Bürgermeister Michael Göth begrüßte das Projekt, das die Sozialkompetenz der Kinder stärke und gleichzeitig der Unfallvermeidung diene.
Lehrerin Julia Jakuttis: Die Kinder lernen, dass freie Entfaltung Grenzen am Bewegungsbereich anderer hat. Und es entwickelt Unfallvermeidungsverhalten.
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