10.01.2020 - 16:26 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Pflegende Angehörige: Wenn das Leben umgekrempelt wird

Wer plötzlich einen Pflegefall in der Familie hat, ist mit dieser Situation häufig überfordert. Das normale Leben kann komplett umgekrempelt werden. Hilfe ist hier meist unabdingbar. In Sulzbach-Rosenberg gibt es dafür eine Fachstelle.

Pflegefälle brauchen helfende Hände – oft sind hier Familienmitglieder gefordert. Ihnen steht die Beratungsstelle für pflegende Angehörige, die bei der Sozialstation untergebracht ist, mit Rat und Tat zur Seite.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Für all diese Fragen rund um die Pflege, Hilfe, Unterstützung gibt es seit drei Jahren die neutrale Fachstelle für pflegende Angehörige in Sulzbach Rosenberg unter der Leitung von Alexandra Pirner. Zusammen mit Caritas-Geschäftsführer Günter Koller informierte sie Bürgermeister Michael Göth im Rathaus über den Aufgabenbereich und die Annahme dieser ersten Anlaufstelle für pflegende Angehörige.

3,5 Millionen Pflegebedürftige

"Zurzeit gibt es etwa 3,5 Millionen Pflegebedürftige in Deutschland, wovon gut 70 Prozent zu Hause gepflegt werden. Von rund 2,5 Millionen Hauspflegepersonen sind 68 Prozent Frauen und davon wiederum 40 Prozent selbst über 70 Jahre alt", schildert Koller die harten Fakten im bundesdeutschen Pflegealltag. Der Wunsch nach beratenden Fachstellen sei deshalb durchaus nachvollziehbar. Wie der Caritas-Geschäftsführer weiter angibt, sei unter anderem das Seniorenpolitische Gesamtkonzept des Landkreises Amberg-Sulzbach Ausgangspunkt für die Errichtung von Beratungsstellen gewesen. Ergänzend käme ab März auch eine Tagespflege bei der Sozialstation in Sulzbach-Rosenberg hinzu.

"Im Landkreis sowie in Amberg gibt es drei staatlich und kommunal geförderte Fachstellen für pflegende Angehörige. Dazu zählen die Stelle in der hiesigen Sozialstation für den nördlichen Landkreis, in der Sozialstation Ensdorf für den südlichen Bereich sowie eine Stelle in der Vilsstadt, die der Malteser Hilfsdienst betreut. Somit besteht ein flächendeckendes Beratungsnetzwerk", fasst Günter Koller zusammen. Die Beratungsstelle in der Herzogstadt habe vor genau drei Jahren ihre Arbeit aufgenommen und berate durchschnittlich etwa 350 Ratsuchende pro Jahr.

Günter Koller (links) und Alexandra Pirner (rechts) informierten Bürgermeister Michael Göth über verschiedene Hilfen für pflegende Angehörige.

"Die Fachstelle berät über Leistungen der Kranken- und Pflegekassen, Möglichkeiten der Finanzierung, sucht mit den Angehörigen zusammen für jeden Einzelfall eine passende Lösung, sei es ambulante Unterstützung, stationäre Unterbringung, eine immer anwesende Hilfe im Haus oder eine stundenweise Betreuung", beschreibt Alexandra Pirner ihr Tätigkeitsfeld.

Vor allem Angehörige von demenziell Erkrankten bräuchten Informationen über die Krankheit und den Umgang mit den Patienten, aber auch Unterstützung und Entlastung im Alltag. Beim Ausfüllen von Anträgen zum Pflegegrad, Verhinderungspflege, bei Höherstufungsanträgen, Widersprüchen, Zuschuss für Hausnotruf stehe ihnen die Fachstelle gerne zur Seite.

Bei Bedarf komme die Beratung auch zu den pflegenden Angehörigen nach Hause, zum Beispiel wenn der Patient bei der Beratung dabei sein möchte, aber nicht mehr außer Haus kann, oder wenn es um Fragen zur bestmöglichen Unterbringung in der Wohnung gehe, bei Wohnraumanpassungen, Umbaumaßnahmen sowie deren Finanzierungsmöglichkeiten.

Kostenlos und Schweigepflicht

Wer sich schon im Vorfeld informieren möchte, was auf einen zukommen könne, wenn Eltern, der Ehepartner oder nahe Angehörige erkranken und sich nicht mehr selbst versorgen können, sei bei der Fachstelle richtig. Wie beugt man mit einer Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung einigen Problemen vor? Auch diese Fragen versucht die Expertin umfassend zu klären. "Alle Beratungen sind kostenlos, neutral und unterliegen der Schweigepflicht", fasst Alexandra Pirner zusammen.

Hintergrund:

Hilfen für Angehörige

Es ist der erklärte Wunsch von Caritas-Geschäftsführer Günter Koller und Fachstellen-Leiterin Alexandra Pirner, dass Betroffene auf die verschiedenen Angebote aufmerksam werden, um sie bei der Pflege entlasten zu können. „Uns geht es hier um Teilhabe und Selbstbestimmung der Patienten, nicht nur um die Betreuung an sich“, nennt Koller einen Grundsatz. Dazu gehöre auch Patienten- und Seniorenbetreuung in Gruppenarbeit, wie etwa die Gruppe Sonnenstrahl am Dienstag, der Seniorentreff am Mittwoch, das Strick-Café montags vierzehntägig sowie das Angehörigen-Cafe jeden 1. Freitag im Monat. Das Büro der Fachstelle ist von Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr sowie nach Vereinbarung geöffnet. Kontaktaufnahme ist unter der Telefonnummer 09661/87 60 00 (Durchwahl 87 60 010) sowie per Mail alexandra_pirner[at]sozialstationsulzbach[dot] de möglich.

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