Sulzbach-Rosenberg
03.11.2025 - 11:03 Uhr
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Rohrwerk-Insolvenz ein "herber Schlag für die Stadt"

„Letztlich haben sich die Eigentümer gegenseitig blockiert, und wir standen machtlos daneben.“ Bürgermeister Stefan Frank war eingebunden in die Verhandlungen um eine Rettung des insolventen Rohrwerks - er erzählt aus seiner Sicht.

„300 Arbeitsplätze zu verlieren, das ist ein herber Schlag für die Stadt“. Dem Sulzbach-Rosenberger Bürgermeister ist die Frustration über das Ende des Rohrwerks anzumerken, als er mit Oberpfalz-Medien eine Bilanz zieht der letzten Monate. „Das ist nicht so leicht zu kompensieren, auch bei einer bisher moderaten Arbeitslosenquote", sagt Stefan Frank. Und er macht sich Gedanken um die ehemaligen Rohrwerk-Mitarbeiter, die jetzt größtenteils auf der Straße stehen. „Die Jungen haben noch eher eine Chance auf dem Arbeitsmarkt, aber bei den Älteren wird es schon schwierig, eine ähnlich bezahlte Arbeit zu finden wie im Rohrwerk, wo das Lohngefüge doch über dem durchschnittlichen Niveau lag.“ Immerhin seien durch den Einsatz der Agentur für Arbeit alle Betroffenen sofort in den Jobsuche-Prozess aufgenommen worden. Er habe zudem mit etlichen Rohrwerkern gesprochen, die sich zum Teil schon vor der Insolvenz aktiv umgesehen und auch Erfolge vorzuweisen hätten.

Wie ist das mit dem Ausfall der Gewerbesteuer? „Die war die ganzen letzten Jahre schon sehr überschaubar, das fällt nicht ins Gewicht“, ordnet Frank die finanzielle Seite für die Stadt ein. Wesentlich schlimmer komme es für die zahlreichen Handwerksbetriebe, die im und ums Rohrwerk ihre Aufträge erhielten. Selbst die MHT ist betroffen: Die Maxhütte Technologie war Anfang des Jahres ans Rohrwerk gegangen und ist somit eine „Gesellschaft der Betriebsgesellschaft“. Ihr Betrieb läuft weiter, allerdings fehlen jetzt die Dienstleistungen, die sie für das Rohrwerk erbracht hat, zum Beispiel der Rangierbetrieb.

Sorgenkind Kläranlage

Und dann ist da noch ein Sorgenkind für die Stadt, erklärt der Bürgermeister: Die Kläranlage des Rohrwerks läuft weiter, denn es fällt ja immer noch Oberflächen- und Pumpenwasser an, das mit Schadstoffen belastet sein dürfte. „Ich habe dem Eigentümer nach England sofort einen Brief geschrieben und eine Zusage erhalten, dass er zunächst für den Betrieb geradesteht“. Rund ein halbes Dutzend Rohrwerker seien ja noch an der Kläranlage beschäftigt. Und auch das Landratsamt hat durch seine Umweltabteilung ein scharfes Auge auf mögliche Emissionen. Momentan werde juristisch geklärt, wer die finalen Kosten dieses Aufwandes zu tragen hat – der Steuerzahler solle es natürlich nicht sein, war dazu von Landrat Richard Reisinger zu erfahren.

Wie kam es eigentlich zu der ganzen Tragödie? „Wir waren seit der ersten Insolvenz ständig mit der Betriebsleitung in Kontakt“, schildert Bürgermeister Stefan Frank den Verlauf. Dann habe man schon mitbekommen, dass das Rohrwerk in Schieflage geraten sei. „Im Sommer hieß es dann aber: Es geht weiter.“ Die Stadt habe stets versucht zu helfen, wo es ihr möglich war. „Da gibt es zum Beispiel eine vom Rohrwerk gewartete Gleisanlage, die zur Suroflex führt. Diese hätte abgebaut werden müssen. Die Stadt hätte dabei mitgeholfen, auch politisch. Ich habe sofort alle Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat zusammengerufen, sie stimmten zu, alle Parteien hätten einen Hilfsbeschluss mitgetragen.“ Doch dann habe das Rohrwerk signalisiert: Danke, aber wir warten noch ab, Gespräche laufen.

Mandatsträger um Hilfe gebeten

„Ich habe in dieser Zeit alle möglichen Funktionsträger genervt mit Hilfsbitten, hauptsächlich MdL Harald Schwartz und MdB Susanne Hierl mit ins Boot geholt. Wir haben in kurzer Zeit sehr viele verschiedene Ebenen mit eingebunden, auch Finanzminister Füracker prüfte die Rahmenbedingungen.“ Aber dann hieß es aus dem Bundeswirtschaftsministerium: Das Verteidigungsministerium habe das Rohrwerk nicht als möglichen relevanten Partner in der Rüstungsindustrie eingestuft. Und das Wirtschaftsministerium habe eine Bürgschaft, die auch der Eigentümer anstrebte, nicht genehmigt, weil sie den EU-Subventionsvorgaben und damit dem EU-Recht widerspreche. Der energieintensive Wirtschaftsstandort, Vormaterial aus fremder Produktion und ungünstige Absatzpreise hätten ein Übriges dazu beigetragen.

Das Schreiben von Bayerns Wirtschaftsminister Aiwanger vom 13. Oktober, das an Ex-MdL Reinhold Strobl ging, betrachtete der Bürgermeister als „substanzlos“: „Da steckt wirklich nichts Greifbares drin.“ Er selbst habe dem Mertex-Eigentümer Kohli nach der Insolvenz sofort geschrieben und postwendend einen Anruf des Geschäftsführers erhalten. „Doch die Eigentümer konnten sich nicht einigen und haben sich damit gegenseitig blockiert.“ Schließlich gehören Mertex nach der Dreiteilung des Rohrwerks in der Folge der ersten Insolvenz die Grundstücke und die Anlagen, dem Manager Eichler dagegen die Produktionsgesellschaft. „Wir haben versucht, mit allen zu reden. Aber aus dem Wirtschaftsministerium zum Beispiel kam nur ein nichtssagendes Schreiben.“ Geholfen hat das letztlich alles nichts, die Ablehnung der Bürgschaft durch das Bundesministerium gab dem Rohrwerk den Todesstoß.

Aufteilung als Bumerang

„Ich verstehe die Verärgerung der Beschäftigten, die ihre Arbeitskraft eingesetzt und sich stets auf Zusagen verlassen haben. Aber ich bin in diesem Zusammenhang der falsche Adressat für Vorwürfe“, ging der Bürgermeister auf jüngste Äußerungen auf politischer Ebene ein. „Politik funktioniert nicht immer nur, weil sie laut ist.“ Er habe hinter den Kulissen laufend versucht, Druck aufzubauen, doch das Zusammenspiel von Energie- und Rohstoffpreisen und den Streitigkeiten unter den Eigentümern hätten äußerst negativ gewirkt. „Da kann ich aber nichts dafür.“ Die Aufteilung in drei Gesellschaften war nach der ersten Insolvenz wohl die einzige Möglichkeit zur Fortführung, habe sich aber letztlich als Bumerang erwiesen, bilanziert Stefan Frank. „Der Standort Deutschland ist für die Schwerindustrie wohl nicht mehr so interessant.“

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