Nach dem Aus für das Rohrwerk Maxhütte hat die Suche nach Ursachen und Schuldigen begonnen. Der bisherige Eigentümer Edwin Eichler macht dabei der britischen Mertex Group schwere Vorwürfe. Mertex und deren Eigentümer Jas Kohli hätten die Rettung blockiert, heißt es in einem Schreiben Eichlers an die Rohrwerk-Belegschaft.
„Mit tiefer Betroffenheit und Bedauern müssen wir Ihnen heute leider mitteilen, dass wir als Investoren der Rohrwerk Maxhütte Produktion GmbH aufgrund der Weigerung von Mertex/Herrn Jas Kohli, sich mit uns über die Nutzung von Anlagen und Gebäuden zu einigen, keine weitere Finanzierung für RMHP sicherstellen können“, beginnt der Brief, der Oberpfalz-Medien vorliegt. Mertex habe es abgelehnt, "mit uns über deren völlig unrealistische und überzogene Kaufpreisforderung überhaupt zu verhandeln, um einen Kompromiss zu unserem Angebot zu finden“, schreibt Eichler weiter.
Unternehmen aufgeteilt
Eichler hatte den Betrieb im Sommer 2024 übernommen, nachdem wenige Monate zuvor Mertex als Vorbesitzer Insolvenz für das Rohrwerk hatte beantragen müssen. Allerdings betraf die Insolvenz nur eine von drei Gesellschaften. Nach der Übernahme durch Mertex im Juli 2022 gliederte das Unternehmen die Rohrwerk-Gebäude in die RMH Immobilien GmbH, die Maschinen und Anlagen in die RMH Asset GmbH aus.
In diesen beiden Gesellschaften liegen die Anlagegüter bis heute, da es den Verantwortlichen der neuen Rohrwerk Maxhütte Production GmbH nicht gelungen ist, sich mit dem Unternehmer aus dem englischen Warwickshire auf eine Übernahme zu einigen. Diese Übernahme der Produktionsmittel wäre für Eichler aber die Bedingung für eine Fortführung des Betriebs.
Genug Geld vorhanden
Die verpasste Einigung erhält eine besonders tragische Note, weil der Fortführung des Betriebs laut Eichler sonst nichts im Wege gestanden habe: „Als Investoren verfügen wir heute wieder – nach den Verzögerungen im Juni und Juli – über ausreichend finanzielle Mittel, um eine Fortführung des Geschäftsbetriebs sowie die Finanzierung des Materials sicherstellen zu können. Angesichts des Auftragseingangs der letzten Monate und Ihres aller engagierten Eintretens für den Erfolg der Produktion hätte die Rohrwerk Maxhütte Production GmbH in den nächsten Monaten sogar die Gewinnzone erreicht“, heißt es im Schreiben an die Belegschaft.
Aus England gibt es zur Situation im Rohrwerk ebenso wenig eine Reaktion wie auf das Schreiben von Eichler. Mehrere Anfragen an Jas Kohli und sein auf Ausrüstung für die Rohstoffförderung spezialisiertes Unternehmen blieben unbeantwortet. Auch der deutsche Mertex-Statthalter, ein Jurist aus Frankfurt, hat mehrere Anfragen unbeantwortet gelassen, obwohl bekannt ist, dass der Mann noch diesen Montag zu Gesprächen auf dem Firmengelände in Sulzbach-Rosenberg war.
Von anderer Seite hatten zuletzt Eichler und sein Team Zuspruch für die geleistete Arbeit erhalten: So lobte etwa die Gewerkschaft IG Metall die Sanierungsbemühungen des Investors. Auch Insolvenzverwalter Jochen Zaremba stellte mehrfach fest, dass das Unternehmen auf einem guten Weg gewesen sei. Die ungeklärten Eigentumsverhältnisse bei den Anlagegütern des Rohrwerks hätten die Sanierungsbemühungen behindert.
Gerade wegen des drohenden Aus für die Produktion schien eine Einigung bei dieser Frage nun aber wahrscheinlicher. Maschinen und Gebäude behalten nur Wert, wenn sie für die Produktion genutzt werden, so die Kalkulation. Mertex habe also großes Interesse, dass in Sulzbach-Rosenberg weiter nahtlose Stahlrohre gefertigt werden. „Betriebswirtschaftlich ergibt die Entscheidung für Mertex überhaupt keinen Sinn“, sagt auch Clemens Iller.
Bis Montag war Iller Geschäftsführer beim Rohrwerk. Er gibt offen zu, dass es Kalkül war, die Insolvenz zu nutzen, um Kohli zu einer Einigung zu drängen. Doch in den vergangenen Monaten habe es keine Annäherung gegeben, verrät Iller. Er rechne nicht damit, dass dies kurzfristig noch passieren könnte. „Nichts ist ausgeschlossen, aber es wäre schon eine Überraschung. Schließlich ist es in den vergangenen drei Monaten nicht gelungen, sich anzunähern.“
Hoffnung hält an
Und doch gibt es in der Belegschaft noch immer Hoffnung. Und diese richtet sich ausgerechnet alleine auf Jas Kohli. Auch Insolvenzverwalter Jochen Zaremba sieht in dem Briten den letzten Hoffnungsträger für das Traditionsunternehmen. „Schuldzuweisungen bringen uns nicht weiter“, sagt er. Er setze lieber auf eine späte Lösung für Betrieb und Belegschaft, und diese könne es jetzt nur mehr mit Kohli geben. „Der englische Unternehmer müsste für die Übernahme nichts bezahlen, Maschinen und Gebäude befinden sich schon in seinem Eigentum, für die Betriebsübernahme wäre dann nur der symbolische Euro fällig“, deutet Zaremba an, was für diesen Schritt sprechen könnte.
Kümmern um Kläranlage
Ob es so weit kommt, lasse sich nicht abschätzen, gibt Zaremba zu. Es gebe aber Anzeichen, dass der britische Unternehmer zumindest über die Fortführung des Betriebs nachdenkt. So sei es Kohli gewesen, der zuletzt sichergestellt habe, dass die betriebseigene Kläranlage des Werks vorerst weiterlaufen könne. Dafür nehme er auch einiges an Geld in die Hand. Zaremba wertet dies als Zeichen, dass sich der Engländer noch mit dem Standort in der Oberpfalz befasse.
Darauf setzt man auch in der Belegschaft. Schließlich habe man Jas Kohli so schon kennengelernt. Von 2022 bis 2024 gehörte das Rohrwerk bereits zu Mertex – in der eigenen Zeitrechnung des Unternehmens von der ersten bis zur zweiten Insolvenz. Schon damals habe der Eigentümer seine Sulzbach-Rosenberger Mitarbeiter immer wieder auf Geduldsproben gestellt, heißt es heute über diese Zeit.
Auch damals fielen Entscheidungen oft im letzten Moment. Genau darauf hoffen viele der 300 nun ehemaligen Rohrwerk-Mitarbeiter wieder. Zu lange dürfe sich Jas Kohli aber auch nicht Zeit lassen, sagt nun Jochen Zaremba. Noch wichtiger als Maschinen und Gebäude ist die Belegschaft für das Rohrwerk Maxhütte. Und diese Belegschaft ist gerade dabei, sich aufzulösen und sich beruflich neu zu orientieren. Die Zeit drängt also.
















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