Lange befürchtet und jetzt offensichtlich eingetreten ist das Ende des Rohrwerks Maxhütte – die Betroffenheit ist groß bei den Menschen der Region. Oberpfalz-Medien hat mit einigen Vertretern aus Politik und Wirtschaft über den Niedergang des Werkes gesprochen – und über das damit verbundene Ende der langen Montangeschichte in der Oberpfalz. „Kurz vorm Klo in die Hose gegangen“, formuliert es Martina Vogel drastisch: Die Betriebsratsvorsitzende, seit April 2024 im Amt, bedauert es außerordentlich, dass es nun doch so weit gekommen ist: „Dabei lief es auftragsmäßig gerade hervorragend für uns. Noch ein, zwei Monate, und wir wären aus dem Schlamassel heraus gewesen.“
Die Geschäftsführung hätte diese Frist noch gebraucht, aber der frühere Eigentümer Jas Kohli von der britischen Mertex-Group stellte sich quer – sogar als der Eigentümer des Geschäftsbetriebes, der frühere Stahlmanager Edwin Eichler, 2024 eingestiegen als neuen Investor, Ausrüstung und Grundstücke jetzt für einen Millionenbetrag von ihm kaufen wollte. „Doch das war ihm nicht genug.“ Mertex hatte vor der Insolvenz 2024 nämlich Immobilien und Maschinen in zwei eigene Gesellschaften überführt, die bis heute zur Gruppe gehören. Diese Aufstellung gilt allen Beteiligten als ein zentraler Grund, warum sich der Produktionsbetrieb wirtschaftlich nicht mehr trug – die Maschinen mussten angemietet werden.
Eine stete Umweltbedrohung
„Und jetzt bekommt er überhaupt kein Geld mehr“, meint Martina Vogel über Kohli, im Gegenteil: „Er wird wohl noch gar nicht wissen, was da alles an Belastungen auf ihn zukommt.“ Schließlich sei ja außer der rund 25-köpfigen Restmannschaft niemand mehr im Betrieb. „Allein die Kläranlage müsste rund um die Uhr besetzt sein.“ Auch das Öl in den Maschinen und Anlagen sei unbeaufsichtigt eine stete Umweltbedrohung: „Landratsamt und Gewerbeaufsicht werden hier wohl bald einschreiten.“ Bis jetzt habe Kohli auch keine Zustimmung zur Fortführung gegeben, „er ist mal wieder abgetaucht.“ Denn noch wäre das theoretisch möglich, so Vogel.
„Das kam nicht gänzlich unerwartet“, schätzt der ehemalige langjährige Rohrwerk-Manager und Stadtrat Karl Reyzl die aktuelle Situation ein. Auch er sieht in der Zerlegung des Rohrwerks Maxhütte in drei Gesellschaften (Geschäftsbetrieb, Immobilien, Maschinen) den Hauptfehler der Vergangenheit – verantwortet von der Mertex Group, auf der 2022 so viele Hoffnungen ruhten. Der Besitz des Rohrwerks sei nach Stillstand der Produktion praktisch wertlos, „aber das wird denen egal sein, denke ich.“
Solidarische Geschäftspartner
Eine der maßgeblichen Ursachen der Krise sei aber auch die gesamtwirtschaftliche Lage mit ihren stark gestiegenen Energiepreisen und der gedämpften Konjunktur. Eigentlich wäre die Fortführung durch Edwin Eichler erfolgversprechend gewesen, doch durch die Verzahnung mit Mertex sei alles anders gekommen. Dabei hätten die Geschäftspartner durchaus Solidarität gezeigt. „Der Vormateriallieferant Lechstahl hat entgegen der sonst üblichen Vorkasse-Zahlung dem Rohrwerk immer wieder unkonventionell geholfen. Ein größeres Entgegenkommen kann man sich in der Stahlwirtschaft kaum vorstellen.“ Aber wenn nicht noch in letzter Sekunde ein Wunder geschehe, dann komme es auch hier zur Auflösung des Betriebes, so wie seinerzeit beim Stahlwerk.
Auch die Politik ist bestürzt: „Ich habe das alles hautnah mitbekommen und kenne so viele, die jetzt davon betroffen sind“, erklärt Landrat Richard Reisinger am Telefon. Als Vorsitzender der Trägerversammlung des Jobcenters sieht er den Fachkräftemangel in der Region durchaus als Chance für die bisherigen Rohrwerker, bald wieder unterzukommen. „Die Arbeitsagentur war ja sofort vor Ort und hat alles aufgenommen.“
Eine "Resthoffnung"
Auch er schätzt die momentan quasi unbeaufsichtigte Infrastruktur des Rohrwerks durchaus als kommendes Problem und eine Herausforderung ein. Trotzdem sieht er noch eine letzte, winzige Chance, eine Resthoffnung, das Werk doch noch weiterbetreiben zu können. „Das Know-how vor Ort ist da, eine tolle Belegschaft mit Teamgeist. Ein wirkliches Aus wäre natürlich die letzte, schmerzhafte Lösung und ein bedrückender Schlusspunkt.“
„Es ist jammerschade, dass die viele Jahrhunderte alte Bergbau- und Montantradition der Stadt Sulzbach-Rosenberg mit der über 70-jährigen Geschichte des Rohrwerks zu Ende gehen soll – Ideen und Engagement wären nämlich genug da gewesen“, trauert Erster Bürgermeister Stefan Frank dem Industriezweig nach. Jetzt, nach dem vermutlichen Verlust von über 300 Arbeitsplätzen, müsse man vereint schauen, wie es weitergeht, damit alle wieder unterkämen.
„Die Stadt hat immer versucht, im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu helfen“, aber die Mittel seien eben beschränkt gewesen und die Politik weitgehend ohne Einfluss. Auch Stefan Frank, der ja aus der Wirtschaft kommt, sah die Aufspaltung des Rohrwerks in verschiedene Gesellschaften als das Hauptproblem – denn so seien keine Bürgschaften möglich. „Ein schwarzer Tag für Sulzbach-Rosenberg und die gesamte Region.“

























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