Sportlich war er schon immer, der Manfred: Seit er 1972 zum Rollstuhlfahrer wurde, hat er eine beispiellose Karriere hingelegt: Paralympics-Teilnehmer als Bogenschütze 1976 in Kanada, Gründer des Bogenschützenclubs Sulzbach-Rosenberg, 1982 Zweiter bei der Bogen-WM in England, dann Umstieg auf den Schießstand: 1983 Mannschafts-Weltmeister mit dem Luftgewehr in England, 1984 mit der Luftpistole Dritter bei den Paralympics in London, Ehrungen durch Bundespräsident von Weizsäcker, Bundeskanzler Kohl, Ministerpräsident Strauß und vieles mehr.
Seit 1972 sitzt Manfred Dütsch nach einem Unfall mit Querschnittlähmung im Rollstuhl, seit 1973 haben die Dütschs verschiedene Hunde, und seitdem gehen sie auch mit ihnen ausgedehnt spazieren. 1990 stieß Manfred Dütsch auf eines der ersten Handbikes und war sofort begeistert - ermöglichte ihm doch dieses an den Rollstuhl geschraubte Fahrrad einen ungeahnten Bewegungsradius. Aufsehen erregte er damit natürlich schon: Ungläubige Blicke auf den Straßen, Menschentrauben in den Fußgängerzonen. Auch Politiker und Rollstuhlfahrer Wolfgang Schäuble machte das Gerät durchs Fernsehen etwas bekannter, und Manfred Dütsch besitzt nun schon das dritte Modell - der neuesten Technik entsprechend ein Pedelec. Zwei Akkus ermöglichen ihm eine theoretische Reichweite von 80 bis 100 Kilometern. Doch das reizt er nicht aus: "Ich brauche die elektrische Unterstützung nur beim Anfahren, am steilen Berg oder wenn ich nicht mehr weiterkomme." Ansonsten ist er fit genug, wie früher ohne Fremdschub ordentlich vorwärts zu kommen.
Manchmal allerdings ergeben sich prekäre Lagen: Kürzlich ging es für ihn auf einem geschotterten Weg im Staatsforst nicht mehr weiter - zu wenig Gewicht auf dem Vorderrad! Da half das ganze Pedelec nichts mehr. "Glücklicherweise kam nach ein paar Minuten eine Joggerin und schob mich 20 Meter an."
Aber normalerweise nutzt er die Radwege und Nebenstraßen. Seine Touren führen ihn zum Beispiel nach Hohenstadt, Ensdorf, in den Hirschwald, nach Högen, ins Hirschbachtal, nach Massenricht: "Ich komme jetzt in Gegenden im Landkreis, in denen ich noch nie war!"
20 Stundenkilometer, diesen Schnitt hält er problemlos, und bei kürzeren Touren ist auch die dreijährige Sheltie-Hündin Mali sein treuer Begleiter. Bei den größeren Ausflügen, die bis zu fünf Stunden dauern können, ist Dütsch bestens gerüstet: Fahrradhelm, Handschuhe, Regenschutz, Brotzeit, Wasser und natürlich das Handy sind immer dabei. Früher hat ihn Gattin Inge am Endpunkt der Reise mit dem Auto abgeholt, jetzt plant er nur noch Rundtouren vom Wohnort Feuerhof aus.
Drei- bis viermal die Woche geht es raus, bei fast jedem Wetter. Das "Neodrive" von Stricker steht aufgeladen in der Garage und ist vom Fahrer mit ein paar Handgriffen in 30 Sekunden am Rollstuhl befestigt. Dieser kippt leicht nach hinten, so ergibt sich ein Dreirad mit Frontantrieb und 8 x 3 Gängen in der Kettenschaltung. Kostete das erste Bike vor 30 Jahren noch 5000 DM, muss man für ein solches Teil jetzt schon gut 7500 Euro investieren.
Bessere Radwege
"Aber so bleibe ich fit und kann mir nebenbei noch die schönsten Orte anschauen", schwärmt der Rollstuhlfahrer. Er betreibt übrigens das größte Internetportal für Rollstuhl-Urlaub in Europa und hat im Norden schon jede Küste per Handbike erkundet. Manfred Dütsch ist eine echte Ausnahme-Erscheinung mit seinen mittlerweile 70 Jahren und in Bayern wohl einer der ganz wenigen Rollstuhlsportler in dieser Kategorie. Sein Wunsch für die Zukunft: "Dass auch Richtung Auerbach bald mehr und bessere Radwege führen - dann kann ich dort auch mal hinfahren!"






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