23.02.2020 - 17:29 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Sängerin Nice Brazil als akustisches Gesamtkunstwerk

Minhas raízes estão no Brasil. Mit jedem Ton, mit jeder Faser ihres Körpers interpretierte die Sängerin und Komponistin Nice Brazil diesen portugiesischen Satz: Meine Wurzeln liegen in Brasilien. Der historische Seidel-Saal ausverkauft.

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von Redaktion ONETZProfil

Der Raum erfüllt von südamerikanischen Kompositionen. Mal schnell, mal langsam, aber fast immer von einem Rhythmus getragen, der die Füße mitwippen ließ. Jazz und brasilianische Musik durch die Stimme von Nice Brazil vereint zu einem musikalischen Erlebnis.

Hommage an Heimat

Sängerin Nice Brazil stammt aus Sao Paulo. Seit den 90er Jahren lebt sie in Deutschland. Und so ist der Titel ihrer dritten CD Minhas Raízes, meine Wurzeln, auch als Hommage an ihre musikalische Heimat zu sehen. Mit zwei ruhigeren Liedern aus dem Norden des Amazonas-Staates startete sie in den Abend. Es folgte das Stück "Quando te vi, als ich Dich sah", eine Eigenkomposition. Wie die Sängerin erklärte, beschreibt der Text eine Liebesgeschichte, die nicht so gut ausging. Die Musik aber war kraftvoll, und Joel Lochner führte in schneller Griff-Folge seinen Kontrabass durch alle Höhen und Tiefen einer Beziehung. Es sollte eine weitere musikalische Liebesgeschichte folgen. Aber der Mann am Kontrabass fand die Noten nicht. Die Zeit des Suchens überbrückte die Sängerin mit einem Duo. Zuerst wurde sie nur vom Klavier begleitet, in einem zweiten Stück ausschließlich vom Schlagzeug. Hier zeigte sich die große Bandbreite des Könnens von Nice Brazil. Die Zwiesprache mit dem Schlagzeug war ein hin und her zwischen laut und leise, zwischen schnell und beinahe meditativ langsam. Die Stimme wandelte von einem Stakkato zu einem gerade noch wahrnehmbaren Hauch.

Die Stimme als Instrument des Gefühlsausdrucks und die Leidenschaft als Werkzeug der Interpretation machen aus der Sängerin Nice Brazil ein akustisches Gesamtkunstwerk.

Der Raum beseelt von brasilianischer Musik, von Jazz-Interpretationen der 60er und 70er Jahre, virtuos gespielt. Spätestens nach der Pause wippten beide Füße mit. Die Stimme als Instrument des Gefühlsausdrucks und die Leidenschaft als Werkzeug der Interpretation machen aus der Sängerin ein akustisches Gesamtkunstwerk. Der Mann am Piano, Ricardo Fiuza, schickte bei manchen Stücken seine Soli in immer neuen Variationen durch den Saal, bis nur noch die brasilianische Seele Platz darin hatte.

Zum Schluss vermischten sich Sängerin, Band und Zuhörer zu einem musikalischen Knäuel. Gemeinsam wurde das letzte Lied gesungen, besser gesagt gelebt. Was für ein wunderschöner Abend!

Wer den Titel errät, bekommt eine CD. Marion war die glückliche Gewinnerin.
Joel Lochner am Kontrabass.
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