04.10.2018 - 11:35 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Schlechter Start ins neue Jahr

20-Jähriger belästigt auf Silvesterparty zwei junge Frauen und schlägt den Veranstalter nieder. Wieder nüchtern, ist ihm das nur noch peinlich und er möchte reinen Tisch machen.

Flucht nach vorne, um die Angelegenheit aus der Welt zu schaffen. Der Angeklagte legt ein Rundumgeständnis ab.
von Michael Zeissner Kontakt Profil

Er wollte die mehr als nur peinliche Angelegenheit möglichst schnell hinter sich bringen und gestand. Obwohl er sich nicht mehr an alles erinnern konnte, was ihm die Staatsanwaltschaft vorwarf. Zwei Fälle von sexueller Belästigung, eine vorsätzliche Körperverletzung und eine Beleidigung. Der Einstieg in das damals noch keine zwei Stunden alte neue Jahr 2018 war also gewaltig danebengegangen.

Dazu steht der 20-Jährige aus dem Landkreis und stellte sich ebenso selbst- wie schuldbewusst dem unweigerlichen Prozess vor Strafrichterin Katrin Rieger. "Ich weiß, dass ich etwas falsch gemacht habe. Ich hatte jedoch keine eindeutigen sexuellen Motive", räumte er als Beschuldigter ein. Sein gesamtes Fehlverhalten auf einer privaten Silvesterparty in Sulzbach-Rosenberg sei nichts anderes als eine dem Alkohol geschuldete "Dummheit". Wie viel Promille die IT-Fachkraft damals intus hatte, darüber gibt es keine gerichtsverwertbaren Beweise, weil die Polizei in dieser Nacht nicht im Spiel war.

Die beiden jungen Frauen, denen der damals noch 19-Jährige jeweils fest an die Brust gegriffen hat, stellten erst später Strafantrag. Die mitangeklagte Beleidigung und Körperverletzung geht auf eine Auseinandersetzung zwischen dem stark alkoholisieren jungen Mann - er sprach von sechs bis sieben Bier und einer halben Flasche Schnaps, die er konsumiert habe - und dem Veranstalter zurück. Er wollte dem unflätigen Treiben ein Ende setzen und wurde deshalb beschimpft und zu Boden gestoßen.

Dem Gericht machte es der 20-Jährige denkbar einfach. Er gestand, auf Zeugen konnte verzichtet werden und bei den jungen Frauen hatte sich der Angeklagte bald nach den Vorfällen entschuldigt. Näher gekannt hat er seine damaligen Opfer eigenen Angaben zufolge nicht. Und die Sache mit dem niedergestoßenen Veranstalter der Party sei auch bereinigt. Im Grunde ging es also in diesem Verfahren, das nicht einmal eine Stunde in Anspruch nahm, nur um die Strafzumessung. Demnach hatte auch die Staatsanwaltschaft für die Anwendung von Jugendstrafrecht plädiert, weil es sich hier um eine "jugendtypische Tat" handle.

Für die zwei Fälle von sexueller Belästigung, Beleidigung und Körperverletzung forderte die Anklage einen kurzzeitigen Freizeitarrest und eine Geldauflage von 1000 Euro. Als Verteidiger erschien Michael Schüll der Freizeitarrest überzogen, schließlich sei sein Mandant bisher völlig unbescholten, plädierte er. Das Gericht suchte den berühmten Mittelweg, sprach den 20-Jährigen im Sinne der Anklage schuldig, ersparte ihm einen Freizeitarrest und erhöhte die Geldauflage hinsichtlich der Forderung der Staatsanwaltschaft auf 1200 Euro. Ohne jegliches Zögern nahm noch im Gerichtssaal der junge Mann das Urteil an.

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