18.10.2020 - 11:52 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Schmucker Platz wartet auf Hausherrn Nepomuk

Das historische Pestgärtlein am Annabergweg in Sulzbach-Rosenberg sah sich lange als Stiefkind. Jetzt hat die Stadt den Platz neu gestalten lassen. Dann zieht auch der rechtmäßige Bewohner wieder ein - der Heilige Nepomuk.

Ganze Arbeit leistete die Freudenberger Baufirma auf dem Platz des ehemaligen Pestgärtleins beim Pflastern und der Gestaltung.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Das Pestgärtlein verdient seinen alten Namen eigentlich gar nicht mehr, so schmuck kommt es jetzt daher: Eine Spezialfirma stellte gegenüber den Stadtwerken und dem Feuerwehrhaus an der Gabelung Annabergweg-Karolinenstraße eine 230 Quadratmeter große Pflasterfläche her. Großsteine aus Granit geben ein zeitloses Bild ab. Die Fläche wird später noch einen Zaun erhalten und soll der Feuerwehr im Notfall als Einsatz-Parkplatz dienen können.

Beim Restaurator

Bürgermeister Michael Göth und Bauleiter Markus Hofmann vom Bauamt machten sich vor Ort ein Bild von den Arbeiten: Ein Stahlbetonblock auf einem Fundament signalisiert schon: Hier kommt die drei Meter hohe Statue hin. Die Sandstein-Skulptur befindet sich derzeit in Pettstadt bei einem Steinmetz und Restaurator und wird nach Abschluss der Arbeiten auf ihrem neuen Standort verankert. Insgesamt rund 100 000 Euro lässt sich die Stadt diese Aktion komplett kosten. Geld wird auch die Entsorgung der ausgebauten Maxhüttenschlacke verschlingen.

Optische Aufwertung

Schon für vielerlei Zwecke musste dieser städtische Grund herhalten. Und doch gehört der unscheinbare Ort zur Historie der Herzogstadt. Wie Tanja Weiß, Vorsitzende des Stiber-Fähnleins, schon vor zwei Jahren erwähnte, will ihre historische Gruppe das früher als Pestgärtlein bekannte Gelände optisch wieder aufwerten und mit Info-Tafeln auf die verheerenden Pestepidemien im Sulzbacher Bergland hinweisen.

Obwohl nicht genau datiert werden kann, wann an dieser Stelle ein Pestgärtlein angelegt wurde, ergaben Recherchen des früheren Stadtbaumeisters Rudolf Heinl doch genaue Hinweise auf die Nutzung dieses Geländes als Pestfriedhof außerhalb der Stadtmauern.

Demnach konnte die Stadt der kurfürstlichen Regierung im Jahr 1776 beweisen, dass sich die Pestgrube nicht auf dem Gelände der Sauhülle (Standort Bauhof) befand, sondern auf dem Areal mit der heutigen Nepomuk-Statue gegenüber.

Bis Mitte der sechziger Jahre stand Johann Nepomuk inmitten eines von einem Holzzaun umgebenen gepflegten Gartens. Später wurde die Fläche durch eine nahe gelegene Firma als Parkplatz angepachtet. Die Begrünung und eventuell eine Anpflanzung mit Pest-Arzneipflanzen haben die Stiberer nach wie vor im Blick, ebenso sollen Erläuterungen über die Pestseuchen in unserem Raum und die verschiedenen Pest-Heiligen dargestellt werden, versprach Tanja Weiß bereits vor zwei Jahren bei einem Ortstermin. Bald können die Arbeiten beginnen.

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Info:

Hintergrund

Heimatforscher Rudolf Heinl hat zum Nepomuk einige interessante Fakten zusammengetragen: Die Kaminfegers-Eheleute Johann und Maria Dorothea Süß ließen aufgrund eines Gelübdes im Jahre 1767 die Nepomukstatue für 200 Gulden anfertigen und in der Nähe der Reitschule, unmittelbar am Annabergweg, aufstellen.

Weder die Sandsteinfigur noch der zweigeteilte profilierte Granitsockel tragen ein Künstlerzeichen.

Der zur damaligen Zeit äußerst populäre böhmische Nationalheilige könnte vom jüdischen Bildhauer Johann Michael Bärmann stammen. Dieser hat 1755 den Löwen am Brunnen am jetzigen Luitpoldplatz in ähnlicher Weise geschaffen.

Bald wird die über 250 Jahre alte Nepomuk-Statue wieder über das Pestgärtlein wachen und Richtung Rathaus blicken.
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