Eine rege Diskussion am Biertisch stand am Anfang: ,,Uns geht es gut, wir wollen anderen helfen!" Manfred Lilla und Christian Nerlich hoben am 9. September 2009 die Initiative MEINE (,,Menschen in Not erreichen") aus der Taufe, und bald fanden sie Mitstreiter. ,,Mit 14 aktiven Mitgliedern sind wir in der Lage, schnell, unbürokratisch und effektiv arbeiten zu können", bestätigt Lilla. Seit 2015 ist die Gruppe auch "e.V.", was wegen Spendenbescheinigungen sehr wichtig ist.
Was tun die 14 Helfer nun konkret? Christian Nerlich erläutert den Vereinszweck: ,,Bedürftige unterstützen und Familie, Jugend- und Altenhilfe fördern." Die Palette reicht vom Kleiderkauf über Lebensmittelgutscheine bis zum Zuschuss. Deswegen arbeitet die Initiative mit der Diakonie Sulzbach-Rosenberg, Donum Vitae, Kindergärten, Naegelsbach-Haus, Frühförderstelle, Hammer Forum und Kreisjugendamt zusammen.
Sie traf sich im März zum Informationsaustausch mit allen Leiterinnen der Kindergärten, Petra Rumpler, Vertrauenslehrerin an der Krötenseeschule, Julia Möbus von SkF, Nina Halbeck und Michael Hartinger von Sozialkompetenzzentrum Oberpfalz sowie Tanja Schmid-Müller, AD(H)S-Beratungszentrum und Reittherapie in Kümmersbuch. In den vergangenen Jahren hatte MEINE immer einen Info-Stand vor der Teka beim Besenfest aufgestellt, um Kontakte mit Bürgern zu knüpfen und Wege zu Bedürftigen zu finden.
Die Mittel werden ausschließlich aus Beiträgen und Spenden aufgebracht. Geld- und Sachleistungen helfen, Not zu lindern: Da wird von den Mitgliedern ein Zaun oder ein Hausschaden repariert, da gibt es Kleidung für Kinder oder einen Zuschuss für die Medikamenten-Zuzahlung einer sozial schwachen Frau. ,,Die Liste ist lang", bilanziert Manfred Lilla.
Eine Familie mit schwerstbehindertem Kind wollte in einen lange zuvor geplanten und genehmigten Hospiz-Urlaub reisen, doch ihr Fahrzeug ging kurz vorher kaputt – MEINE half, besorgte und finanzierte ein Ersatzfahrzeug.
Auf Bitten des Hammer Forums brachte die Gruppe einen achtjährigen Jungen aus dem Jemen zum Frankfurter Flughafen. Mitarbeiter des Hammer Forums holten zuvor den Jungen nach Amberg zu einer Ohren-OP, die dort kostenlos durchgeführt wurde. Ein Jahr später fuhren die Helfer erneut einen Jungen, der eine Herzkatheterbehandlung in Amberg hatte, nach Frankfurt zum Flughafen.
Eine andere Familie hätte ihr krankes Kind im Regensburger Krankenhaus nur einmal im Monat besuchen können, weil die Krankenkasse nur diese zahlte – MEINE übernahm die Rechnung für zusätzliche Besuchsfahrten der Eltern.
Die zwei Kinder einer bedürftigen Familie, Vater krank, wünschten sich schon lange einen Besuch im Nürnberger Zoo: MEINE sponserte Zugfahrt, Eintritt und Verpflegung
Eine junge Frau, nach einer Krebsoperation körperlich sehr eingeschränkt, brauchte für ein behindertengerechtes Auto einen neuen Spezialführerschein – MEINE sprang ein. Jetzt ist sie wieder mobil, kann selbstständig einkaufen oder ihre Kinder von der Schule abholen.
Bedürftige melden
Die Liste ließe sich lange fortsetzen, aber es könnte noch viel mehr getan werden, mahnen Nerlich und Lilla deutlich an: Die Scham, sich zu melden, ist bei vielen Menschen noch zu groß. Deswegen appellieren die Helfer, ihnen potenzielle Hilfsbedürftige mitzuteilen. Alles geschieht selbstverständlich völlig anonym und datenschutzgerecht. ,,Aber wenn wir nicht wissen, wo, können wir auch nicht helfen!" Jüngstes Projekt: Die Initiative beteiligt sich mit der Ausstattung eines Spielezimmers am neuen Frauenhaus des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) in Amberg". Sie sponsert auch schon mal die Busfahrtkosten, damit Bedürftige zur Amberger Tafel fahren können.
Etwa 40 000 Euro kamen so in den letzten Jahren an Geld- und Sachleistungen zusammen, und es ist kein Ende abzusehen: MEINE richtete die Tombola der Handwerker-Messe aus und bekam dafür den Reinerlös gespendet, gleiches geschieht beim Weinfest im Gründungslokal Café Schmidt. Dadurch ist es wieder möglich, bedürftigen Kindern die Mittagsbetreuung oder ein Taschengeld bei der Klassenfahrt zu ermöglichen, in Kindergärten Winterkleidung zu verschenken oder sich an einer Reit- bzw. Delfintherapie für erkrankte Kinder zu beteiligen.
Die Spendendosen stehen im Café Schmidt (dort ist auch der Kummerbriefkasten), bei Fußpflege Hudey-Deisel, Salon Karin Rosenberger, Möbel-Münch, Munker (Gerlinde Wagner), Edeka Königstein, Bianca Ambros, Bäckerei Pirner-Mühle, Blumen-Pürzer, Heidtmann Rosenberg und Blendinger-Windmeisser.
Zweihundert Hilfen
Was sind die Ergebnisse der vergangenen zehn Jahre? ,,Über zweihundert Fälle, in denen wir unbürokratisch und vor allem schnell helfen konnten - oft, wenn es von Behördenseite keine Hilfe mehr gab", bilanziert Manfred Lilla. ,,Aber es könnten mehr sein, denn wir haben noch Kapazitäten", weist Christian Nerlich auf nötige Hilfsinformationen hin. Großen Dank sagen beide der hiesigen Geschäftswelt und vielen Privatleuten, die fleißig spenden. ,,Auch aus Erbschaften haben wir schon Geld und Sachwerte erhalten."
Die nächste Unterstützung ist vom CVJM angestoßen worden, einer in Not geratenen Familie mit vier Kindern zu helfen. Und MEINE reagiert sofort: MEnschen In Not Erreichen. Gut, dass es solche Initiativen gibt.













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