30.07.2019 - 16:01 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Schnellrestaurant für Fluggäste

Klar ließe sich das Futterhaus für die Vögel im Garten im Baumarkt kaufen. Aber selbst gebaut wäre es doch irgendwie schöner. Auch für Laien ist das machbar. Wenn man etwas Zeit mitbringt und sich traut, um Rat zu fragen.

Ein Vogelfutterhaus soll entstehen. Die Anleitung gibt es im Internet und die benötigten Utensilien sind schnell besorgt.
von Michaela Süß Kontakt Profil

Die erste Hürde auf dem Weg zu einem Futterhaus: Bauplan und Material. In Zeiten von Internet-Recherche stellt das eher ein kleineres Problem da. Ich entscheide mich für ein Modell des NABU (Google-Suchbegriffe "NABU" und "Futterhäuschen selber bauen"). Auf der NABU-Seite finde ich Bilder, eine Bauanleitung samt Materialliste, Vorlage und sogar ein kleines Video, das mir zeigt, wie einfach das gehen sollte. Nun ja, sollte ...

Beim Einkaufstrip im Baumarkt lassen sich die verschiedensten Zubehörteile für das Futterhaus relativ schnell finden. Und wenn das nicht gleich klappt - die Mitarbeiter helfen gerne. An dieser Stelle mal ein kurzer Ausblick auf das Ende der Geschichte: Wer unerfahren in Heimwerkerarbeiten und Basteldingen ist oder zu Hause auch nicht über eine Hobbywerkstatt mit passabler Ausstattung verfügt, der sollte sich im Baumarkt die Holz- und Plexiglas-Teile auf die Maß-Angaben im Bauplan zuschneiden lassen. Die meisten Märkte bieten diesen Service an - und das spart in der Tat jede Menge Stress. Ich aber bin optimistisch und kann die heimische Werkstatt nutzen - also gehe ich das Projekt Holzzuschnitt selbst an. Weil aber Heimwerken (ebenso wie Kochen) zusammen mehr Spaß macht, hole ich mir Unterstützung in Person von Opa Martin (mittlerweile 92). "Wir haben früher auch Vogelhäuser gebaut", erzählt er. "Aber die waren nicht so kompliziert."

Er persönlich hätte - schon allein aus jahrzehntelanger Erfahrung heraus - die benötigten Stücke am liebsten mit der Handsäge zugeschnitten. Doch trotz Brille auf der Nase und einer reichhaltigen Auswahl diverser Holzsägen in der Werkstatt erweist sich das Ganze als langwierig und anstrengend ... Also setzt sich zu guter Letzt doch mein Vorschlag durch (den übrigens auch der NABU in seiner Anleitung so beschreibt) und ich greife zur Stichsäge. Auch Opa ist schließlich zufrieden: "Wir sind ja richtige Experten", freut er sich.

Bei den sauber vorgezeichneten Holzteilen hat alles völlig problemlos geklappt, die Stücke werden noch mit der Holzfeile geglättet ... dann allerdings stoßen wir an unseren Grenzen.

Zuerst einmal müssen die Maßangaben aus dem Plan ordentlich vorgezeichnet werden.

Ein spezielles Sägeblatt für Plexiglas findet sich nämlich nicht in unserer Werkstatt - und dementsprechend zerbröselt und splittert das Material auch sofort bei unserem Versuch mit der Stichsäge. Mist. Wir drohen an der Hürde "Plexiglas-Zuschnitt" zu scheitern und brauchen jetzt wirklich dringend Hilfe.

Die hole ich mir - zusammen mit einigen interessanten Tipps rund um das Thema Heimwerken - bei Gerlinde Hollweck, der Werk-Lehrerin an der Sulzbach-Rosenberger Jahnschule. Hier steht eine Dekupiersäge (also die mechanisierte Ausführung der Laubsäge) - und auch das Sägeblatt passt. Na also, geht doch! Endlich sind alle Teile laut Anleitung ausgeschnitten und es kann ans Zusammenschrauben gehen.

Mit der Stichsäge werden dann die benötigten Holzteile ausgeschnitten.

Ich persönlich wäre ja eher der "Typ Augenmaß" und würde am liebsten sofort loslegen ... Doch hier warnt Gerlinde Hollweck: "Die Löcher müssen unbedingt genau angezeichnet und vorgebohrt werden." Ja klar, sonst wird's schief und kostet außerdem unnötig Kraft. Ein Tipp noch am Rande: Die Löcher immer so vorbohren, dass sich später die Schrauben, die darin Platz finden sollen, nicht gegenseitig behindern.

Nun denn, nach und nach sind alle Löcher in Holz und Plexiglas vorgebohrt und das Haus kann wachsen. Zunächst werden an die Bodenplatte rundum Leisten geschraubt. So kann später das Vogelfutter nicht so leicht herausfallen und die Vögel haben eine gute Landemöglichkeit. Anschließend die Seitenteile anschrauben. Oben in die Mitte jeder Seite kommt jeweils noch ein Loch, durch das zum Schluss das Seil für die Aufhängung gefädelt wird.

Die zwei Plexiglasscheiben, die den eigentlichen Futterspender darstellen, müssen jetzt vorsichtig an beiden Seiten der aufrechten Holzteile angeschraubt werden. "Wichtig: Einhalten eines Abstands zur Bodenplatte von rund zwei Zentimetern, damit sich die Körner später gut verteilen können", heißt es dazu beim NABU. Danach kommt noch die Trennwand in der Mitte der beiden Futterkammern an die Reihe. Und auch die beiden Dachplatten werden mit der passenden Leiste zusammengeschraubt.

Nun müssen in die Dachspitze zwei dicke Löcher für das Seil zum Aufhängen des Futterhauses gebohrt werden. Und so wird das Seil dann befestigt: Erst einmal einen Knoten in das Ende machen und das Seil dann von innen nach außen durch die Seitenwand fädeln. Weiter geht's von unten nach oben durch das erste Dachloch und zurück von oben nach unten durch das zweite. Abschließend wird dann das Seil durch das zweite Seitenteil nach innen geführt und dort verknotet. So - fertig!

Das war's dann eigentlich auch schon fast. Schließlich muss das Futterhaus natürlich - weil es ja draußen hängt - noch gestrichen werden. Dafür eignet sich besonders eine Öko-Lasur. Und dann schön trocknen lassen, das Haus mit Vogelfutter füllen und aufhängen. Natürlich möglichst so, dass die Katze keine Chance hat, an die futternden Vögel zu kommen. Schließlich soll ja ein Vogel-Restaurant den Garten bereichern und kein Katzen-Büfett.

Die Holzstücke lassen sich einfach bearbeiten - doch am Plexiglas droht Redakteurin Michaela Süß zunächst zu scheitern.
Das sieht doch schon gut aus: Das Futterhäuschen ist zusammengebaut. Fehlt nur noch der Anstrich.
Damit das Futterhaus den Aufenthalt im Freien gut übersteht, wird es noch mit Lasur gestrichen.
So, fertig, das Vogelfutter-Haus hängt. Jetzt noch Sonnenblumenkerne rein und das große Fressen kann beginnen.

Kommentare

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